Welchen Einfluss hat neue Kameratechnik auf das Fotografieren?

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dongil schrieb:
Welchen Einfluss hat neue Kameratechnik auf das Fotografieren?

Gute Frage, schwierige Frage. Und ganz sicher nicht pauschal zu beantworten.
Denn es ist ja nicht nur eine technische Frage, es ist auch eine Charakterfrage. Wieweit lasse ich als Photograph mich von der Technik a. beeinflußen, b. ablenken und c. wie nutze ich sie?
In der Grundkonfiguration unterscheiden sich meine aktuellen Kameras (das sie digital sind ist in dem Punkt nicht das Thema) kaum von der F4. Lediglich das Verschieben des Focusfelds nutze ich als zusätzliches Feature. Damit komme ich bei einem Großteil der photographischen Anlässe klar, wenn auch vielleicht der größere Teil meiner Bilder mit anderen Konfigurationen entsteht.
Denn wenn man es dann gebraucht, dann sind ein kontinuierlicher Autofokus mit 3-D-Multi-Kulti-Verfolgung und eine Serienbildfrequenz von 5 oder mehr Bildern eine wunderbare Sache. Wenn ich das denn in den richtigen Situationen einsetze und nicht gerade um Ommas 95. Geburtstag damit abzulichten und die alten Damen einen Herzkasper bekommen weil sie in Anbetracht des Dauerfeuers glauben das der Russe wiederkommt. Soll heißen: Ich muß die richtige Technik bei der richtigen Gelegenheit einsetzen, was aber im Grunde auch immer schon so war.
Und jetzt geht's doch nicht mehr ganz ohne digital/analog Vergleich: Ohne digitale Technik bin ich nie auf die Idee gekommen mal ein Wochenende nach Helgoland zu fahren und Vögel zu knipsen oder einfach so aus Spaß an der Sache ein Fußballspiel zu knipsen. Hunderte analoge Bilder zu sichten und zu bezahlen, dafür fehlten mir die Nerven und ich war zu geizig. Das ich das Geld 'digital' in den Body und nicht in die Filme stecke ist fraglos richtig und als rationales Gegenargument vollkommen korrekt, in dem Punkt handel ich zutiefst irrational und bin mir dessen in hellen Momenten auch bewußt.
Kritisch wird diese ganze Kameratechnik wenn sie mich beim Photographieren behindert. Was aber idR nicht die Schuld der Technik ist sondern des Photographen. Wenn ich mehr Zeit darauf verwende in anbetracht meines Motivs über die richtige Kameraeinstellung nachzugrübeln als über das richtige photographieren meines Motivs, dann habe ich ein Problem. Das sollte man tunlichst im Vorfeld erledigt haben, sprich man sollte seine Kamera beherrschen. Das mußte man aber auch schon mit der Belichtungsmessung der F3 die auch nicht ganz ohne war und ist.
In diesem Sinne ist es Wunderschön das ich die Abblendfunktion auf die AF-ON-Taste legen kann und mit einer Kombiantion aus drei Tasten und zwei Einstellrädern vermutlich das Motivprogramm Loch Ness aufrufen kann, aber noch viel wichtiger ist das ich immer noch weiß was ich tue und wie ich wann was zu tun oder zu lassen habe. Und wenn ich gar nicht weiß was es mir bringen soll wenn ich die Auswahl des Farbraums kombiniert mit dem Blitzmodus auf das mittlere Einstellrad legen kann, dann brauche ich diese Funktion entweder nicht, oder ich bin zu alt, oder noch nicht technikverliebt genug oder immer noch zu sehr am Ergebnis orientiert.

Gruß
Dirk
 
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Irgendwie kann ich mich allerdings doch des Eindruckes nicht erwehren, daß diese "Vielseitigkeit" transponiert in den Autobereich folgendes ergeben soll.
Das einem Autofahrer nur Fahrzeuge ohne ABS und ESP das "richtige" Gefühl fürs Autofahren erhalten können.

Andy schau in die einschlägigen Autoforen, dort wirst Du bergeweise Threads zu genau diesem Thema finden. ;)
 
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Große Frage, schnell gestellt. Ich will mal eine Analogie zur Einführung des Computers in der Redaktionstechnik - und hier besonders in der Graphik - ziehen, die ich Mitte der 90er miterleben durfte ( allerdings nicht als Graphiker). Vorher muße der Seitenumbruch auf Papier gemacht werden, Bildauswahl usw. Als Redakteur konnte ich damals dem Kollegen schon mal sagen, so sähe das aber nicht gut aus. Dann erklärte der mir, was er sich dabei gedacht hatte und meist war er der Sieger. Jetzt konnte alles einfach blitzschnell auf dem Schirm umgebaut werden, ein Tastendruck nur: So etwa? Kurzer Schluß: es ist alles etwas beliebiger geworden, die Vorarbeit im Kopf hat nachgelassen und damit die Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit.Auch wenn es keiner glaubt: für den Schreiber macht es einen großen Unterschied ob er mit dem Bleistift, der Schreibmaschine oder dem Computer arbeitet - was da steht wird ungern ausradiert wenn der Ersatz Mühe macht. Bei der Schreibmaschine schon etwas weniger, beim Computer: Textbausteine. Einen Film verknipsen kostet Geld und Mühe, eine Speicherkarte: wutschwutsch,weg.
 
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Habe bei dem Titel mal spontan die letzten 30 Jahre meiner Fotoaktivitäten Revue passieren lassen und keine echte Veränderung verspürt, denn:

- schon immer hat mich ein neues Kameragehäuse dazu gebracht, wieder mal mehr zu fotografieren
- schon immer musste ich die Möglichkeiten und Grenzen eines Objektives ausloten
- noch immer bin ich mit Begeisterung fotografisch tätig

nur heute zu fast 100 Prozent digital und früher auf Film.

Die Arbeit, die ich mir früher in der Dunkelkammer machte, mache ich heute bei heller Raumbeleuchtung am PC.

Die erste Kamera mit FX-Sensor wird mit Sicherheit wieder ein riesiger Schub, hin zu neuen fotografischen Gebieten, die Freude spüren, wenn ein früher kaum denkbares Motiv nun ansehnlich erstellt werden kann...

wobei ich erst letzte Woche mit der D200 und dem 1,8/50er bei 800 bis 1600 ISO Einstellungen durch die Straßen zog, frei von Stativ um auszutesten, wie weit ich aktuell mit diesem Equipment komme. Wie ich feststellen durfte - ziemlich weit! Aber die hier veröffentlichten Bilder der D3 mit 3200 ISO und mehr sagen mir, dass der Zeitpunkt des Wechsels kommen wird - und darauf freue ich mich wie ein echter Fotobegeisterter.
 
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....In diesem Sinne ist es Wunderschön das ich die Abblendfunktion auf die AF-ON-Taste legen kann und mit einer Kombiantion aus drei Tasten und zwei Einstellrädern vermutlich das Motivprogramm Loch Ness aufrufen kann, ....
Gruß
Dirk

...na das war jetzt aber der "Pro-F6" Knaller für den F6/F3 Thread..;)
...stimmt also doch:"hier werden Sie geholfen"!
 
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Hallo Werner,
der Zusammenhang "Neue Technik und Motiv" ist bei mir ganz einfach.

- Mit der neuen Möglichkeit gute Qualität bei hohen ISOs (nicht nur Rauschen, vor allem auch Farben) zu bekommen halte ich jetzt unter Bedingungen nach Motiven ausschau, bei denen ich vorher nicht ans Fotografieren gedacht hätte.

- Mit der höheren Bildfrequenz und dem verbesserten Autofokus werde ich versuchen meine Bilder von Tieren in Action noch mehr an meine Idealvorstellung anzunähern. Das kann aber noch ein paar Jahre dauern.
 
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Hallo Forum,

Meine Antwort auf das die einleitende Frage des TS ("Welchen Einfluss hat neue Kameratechnik auf das Fotografieren?"):
Im wesentlichen beeinflussen m.E. nur zwei Aspekte der digitalen SLRs den "Akt" des Fotografierens unmittelbar und nachhaltig - die Speicherkarte und die Möglichkeit der sofortigen Bildkontrolle am Monitor.

Würden auf eine Speicherkarte nur 36 Bilder passen und müssten diese auch noch kostenpflichtig oder aufwendig entwickelt werden, würde m.E. nicht so sorglos 'drauf los geschossen. Wohlgemerkt: Ich persönlich habe gar nichts gegen das draufhalten mit Dauerfeuer - aber beim teuren 36er Film überlegte man sich das halt zweimal. Deshalb kann die gefühlte Kostenlosigkeit der digitalen Fotografie das Auslöseverhalten unmittelbar beeinflussen.

Die Möglichkeit der sofortigen Bildkontrolle liebe ich. Sofort erkennt man, ob das Bild was taugt und / oder kann z.B. mit Hilfe des Histogramms im Zweifelsfall eine bessere 2. Aufnahme machen. Man muss ja auch nicht nach jedem Bild sofort nachsehen - aber man kann. Und im Urlaub abends im Hotelzimmer die eindeutig schlechten Bilder löschen zu können und nicht erst 3 Wochen später den ganzen Ausschuss auf Papier in die Tonne treten zu müssen ist super.

Hallo Freunde des Fotos,
... eben, Freude des Fotos (nicht der Kamera).

dongil schrieb:
In den letzten Jahren ist die Entwicklung digitaler Kameratechnik in Riesenschritten vorangekommen.
Das war auch notwendig... erst 2006 erreichten Digitalkameras die Bildqualität des KB-Films. Zur Zeit stehen sich m.E. KB analog und digital bezüglich der Bildqualität gleichwertig gegenüber.

dongil schrieb:
Unbestreitbar haben sich mit dieser neu zur Verfügung stehenden Qualität Möglichkeiten erschlossen, die noch vor Kurzem undenkbar schienen.
Das ist m.E. nicht richtig. Hier bitte nicht die Bildqualität an und für sich mit den Möglichkeiten der nachträglichen EBV verwechseln...

dongil schrieb:
Jeder sogenannte „Quantensprung“ wird von einer Beweisführenden Bilderflut begleitet, die uns anschaulich über die neu gesteckten Grenzen informiert.
Hat jetzt gar nichts mit dem Thema zu tun: Immer wenn ich das Wort "Quantensprung" als Synonym für große Entwicklungen lese, muss ich schmunzeln, weil ein Quantensprung ein unendlich kleiner Sprung ist.

dongil schrieb:
Haben sich durch diese Veränderungen auch andere Parameter verschoben?
Nein.

dongil schrieb:
Lag früher die Aufmerksamkeit der fotografierenden hauptsächlich beim Motiv, das er mit seinem - sich über lange Zeiträume sich nicht veränderndem - Gerät abzulichten bemüht war, so beansprucht offensichtlich die in schnellen Intervallen sich verändernde und verbessernde Technik wesentlich mehr Aufmerksamkeit als früher.
Das bezweifele ich. Ein sorgfältiger Fotograf verwendet seine Aufmerksamkeit auf das Motiv. Dass er dabei bester Laune ist, weil er eine D3 in den Händen hält, steht dem nicht entgegen.
Wieviele Menschen fotografieren auf der Welt? Wieviele Menschen davon artikulieren sich überhaupt in Internet-Foren? Wieviele Käufer einer aktuellen DSLR tuen dies überhaupt nicht im Internet kund, sondern gehen einfach fotografieren? Welche empirischen Erhebungen gibt es zu diesem Thema? Kurzum: Dass aufgrund der schnelleren technischen Entwicklung die Aufmerksamkeit des Fotografen mit Blick auf das Motiv im allgemeinen vernachlässigt würde, ist nicht feststellbar. Ich behaupte, mich sehr wohl noch mit dem Motiv auseinandersetzen zu können, selbst wenn ich eine DSLR mein Eigen nenne.

dongil schrieb:
Obwohl sicher viele sinnvolle Verbesserungen das Erreichen gewünschter Ergebnisse erleichtern, wäre es auch mal interessant zu erfahren, ob, und wenn inwieweit, die allseits präsente und Aufmerksamkeit heischende technische Entwicklung von jenem anlenkt, das früher m.E. mehr als heute im Zentrum des Interesses lag, dem Motiv.
Siehe oben - m.E. gar nicht.
 
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Welchen Einfluß hat ein Porsche auf das Fahrverhalten eines Golffahrers..?
Welchen Einfluß hat die Espressomaschine auf einen Filterkaffeekocher..?
Welchen Einfluß haben derartige Fragen auf meine Laune..?

Na klar fotografier ich jetzt mehr, seitdem ich diese Filmpatronen nur einlegen muß und los geht's... Das ist echt eine Offenbarung, kann mir gar nicht vorstellen, dass es noch etwas besseres und schnelleres gibt. Und selbst entwickeln tu ich auch schon. Im Badezimmer. Echt eine Revolution.Den Vergrößerer hab ich auch schon bestellt. Durst heißt der oder so.

Nächste Frage bitte!
 
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ist Deine Laune jetzt besser?
Gute Frage. Na klar. Nachdem ich eine Nacht prima geschlafen habe, hat sich unglaublich viel entwickelt. Aber nicht mehr im Badezimmer. Hab jetzt so eine Digitale oder wie das heißt. Was ganz Neumodisches. Hab auch gleich fotografiert, das funktionierte sogar und morgen werde ich mit dem Job bereits fertig sein. Einfach unglaublich. Das Bad stinkt jetzt auch nicht mehr fies nach Essig und Fixierer.

Und da fragst Du nach meiner Laune...? :D.
Nächste Frage bitte!
 
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Gute Frage. Na klar. Nachdem ich eine Nacht prima geschlafen habe, hat sich unglaublich viel entwickelt. Aber nicht mehr im Badezimmer. Hab jetzt so eine Digitale oder wie das heißt. Was ganz Neumodisches. Hab auch gleich fotografiert, das funktionierte sogar und morgen werde ich mit dem Job bereits fertig sein. Einfach unglaublich. Das Bad stinkt jetzt auch nicht mehr fies nach Essig und Fixierer.

..wurde doch nie bekrittelt, das ihr Profis als Haupt-Profiteure dieser Technik diese natürlich auch anwendet. :nixweiss: so what?
 
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Meiner Meinung nach (und der Erfahrungen des Teams, in dem ich arbeite) hat die übermässige Rumknipserei von jedermann in jeder Lebenslage zur Folge, dass die Menschen oft genug davon haben und sich nicht mehr gerne fotografieren lassen. Es gibt halt inzwischen zuviele Party-Websites, wo sich wohl schon Manche und Mancher in nicht mehr vorzeigbarem Zustand finden konnte. Wir kriegen jedenfalls mehr "Gegenwind" als noch vor 5-6 Jahren.

Oliver
 
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Ein bisschen Sticheln konnte ich mir nicht verkneifen. ;)

Aber:

Nun sag schon! Wieso Denkfehler?

Für den Laien hat sich meines Erachtens nichts geändert. Der rennt weiterhin mit einem "Träger" (nun halt CD oder Speicherchip) zu Rossmann und lässt seine Fotos ausbelichten oder schaut sie halt am Bildschirm an. Ich denke nur die wenigsten bearbeiten nach. Die Profis und Amateure haben es, durch die digitale Technik, mit der Nachbearbeitung leichter. Ist die These von Dongil so gewagt bzw. abwegig?
 
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Ich war jetzt drei Tage weg und bin vom Verlauf dieses Threads etwas enttäuscht. Irgendwie sind es die Krieger müde geworden, sich dreimal die Woche die selben Gemeinplätze um die Ohren zu hauen. Lerneffekt oder nur Abstumpfung?

In den letzten Jahren ist die Entwicklung digitaler Kameratechnik in Riesenschritten vorangekommen. Unbestreitbar haben sich mit dieser neu zur Verfügung stehenden Qualität Möglichkeiten erschlossen, die noch vor Kurzem undenkbar schienen. Jeder sogenannte „Quantensprung“ wird von einer Beweisführenden Bilderflut begleitet, die uns anschaulich über die neu gesteckten Grenzen informiert.

Gemeinplätze, schon ausreichend kommentiert. Keine weitere Aussage dazu.

Haben sich durch diese Veränderungen auch andere Parameter verschoben?

Mal sehen, ob sich überhaupt Parameter verschoben haben.

Lag früher die Aufmerksamkeit der fotografierenden hauptsächlich beim Motiv, das er mit seinem - sich über lange Zeiträume sich nicht veränderndem - Gerät abzulichten bemüht war, so beansprucht offensichtlich die in schnellen Intervallen sich verändernde und verbessernde Technik wesentlich mehr Aufmerksamkeit als früher.

Ich mag vielleicht nicht mehr der Jüngste sein, aber an diese Zeit kann ich mich nicht mehr erinnern. Irgend jemand hat mir einmal ein paar alte Fotozeitschriften aus den 60er Jahren geschenkt und da kam der Entwicklung der Technik große Aufmerksamkeit zu. Insbesondere die Kleinbildkamera erwies sich als Motor der Innovation. Der sich bereits anbahnende Niedergang der weltweit führenden deutschen Fotoindustrie lag in nicht unwesentlichen Maße daran, dass man nicht in der Lage war, mit dem rasenden Innovationstempo der japanischen Hersteller Schritt zu halten.

Daraus erwuchsen auch der Fotografengilde große Herausforderungen. Rasante Entwicklungen der Filmtechnologie erschlossen der Hasselblad Aufgabenbereiche, die früher nur mit der Fachkamera abgedeckt werden konnten. War der Newshound mit Laufbodenkamera, Lampenblitz, Trenchcoat und Notizblock hinterm Hutband seit den Zwanzigern eine klassische Ikone der Berichterstattung gewesen, wurde jetzt die Leica zur neuen Trademark. Auch nicht für ewig. Nippon Kogaku, in Fachkreisen für exzellente Objektive bekannt, die sich an diversen Kriegsschauplätzen einen guten Ruf im harten Reportageeinsatz gemacht hatten, ließ mit der Spiegelreflexkamera "Nikon F" aufhorchen. Ein Baukastensystem, bei welchen der Body mit unterschiedlichen Suchern, Objektiven, Motoren, Zubehören an unterschiedlichste fotografische Anforderungen angepasst werden konnte.

Unbestreitbar haben sich mit dieser neu zur Verfügung stehenden Qualität Möglichkeiten erschlossen, die noch vor Kurzem undenkbar schienen. Lag früher die Aufmerksamkeit der fotografierenden hauptsächlich beim Motiv, das er mit seinem - sich über lange Zeiträume sich nicht veränderndem - Gerät abzulichten bemüht war, so beanspruchte offensichtlich die in schnellen Intervallen sich verändernde und verbessernde Technik wesentlich mehr Aufmerksamkeit als früher.

Wie würde es weiter gehen? Was würden die 70er, was würden die 80er an scheinbaren oder echten Innovationen bringen? Würde die Fotografie zu ihrem Kernthema - der optimalen Umsetzung der Bildidee zum fertigen Werk - zurück finden oder mußten wir uns darauf einstellen, dass Titanrolloverschluss, Rückschwingspiegel, CDS Belichtungsmesser und motorischer Highspeed Filmaufzug mit 3 und mehr Bildern pro Sekunde erst der Anfang einer Entwicklung sein würden, die uns immer mehr in ein technisches Wettrüsten und immer weiter weg von den eigentlichen Zielen führen würde?

Obwohl sicher viele sinnvolle Verbesserungen das Erreichen gewünschter Ergebnisse erleichtern, wäre es auch mal interessant zu erfahren, ob, und wenn inwieweit, die allseits präsente und Aufmerksamkeit heischende technische Entwicklung von jenem ablenkt, das früher m.E. mehr als heute im Zentrum des Interesses lag, dem Motiv.

Unterhaltungselektronik hat den Zweck zu unterhalten. No na. Fernsehgeräte, Radios, CD-Player, MP3-Player, Spielcomputer, Navigationsgeräte, das alles in echt oder als Untermenue des Mobiltelefons, liefern konsumfertige Unterhaltung an die zahlenden Verbraucher. Riesige Industrien leben davon. Weniger von den subventionierten Geräten, sondern von den überteuerten Inhalten.

Etwas anders die digitale Fotografie. Die Digitalkamera ist kein Mediaplayer, der fertige Bilder wieder gibt. Sie macht selbst welche. Besser gesagt, sie ermöglichst dem Inhaber, welche zu machen. Und im Gegensatz zum teuren Synthesizer, der nicht den Anspruch erheben kann, jeden Anfänger zum Tastenvirtuosen zu machen, wird dieser Anspruch in der Fotografie sehr wohl so erhoben. Oder so verstanden. Wie auch immer. Deshalb ist es ja auch so ein Problem, wenn Canon eine neue Superkamera raus bringt. Dann sind alle Canon User wieder einen Schritt voraus, auch die EOS-400D Besitzer. Und ich schreibe bewusst "User", nicht "Fotografen". Denn das Foto ist vorwiegend ein Nebenprodukt zum Beleg des Rauschverhaltens. So wie früher des Auflösungsvermögens. Oder noch früher der Farbtreue. Oder was auch immer.

Ist das jetzt irgendwie ein Problem? Hier anscheinend schon. Wieviele Leute gibt es, die ein Navigationssystem haben, obwohl sie ohnehin jedes Jahr die selbe Strecke in den Urlaub fahren und bis Sabbiadoro jeden von Straßenkötern verpinkelten Randstein kennen? Na eben. Und ebenso gibt es viele Leute, die eine D3 kaufen, weil sie eine Kamera mit sensationell niedrigem Bildrauschen bei ISO 6400 haben wollen. Ist diesen Leuten ein Motiv abhanden gekommen, welches sie früher hatten und welches ihnen die Technik jetzt verstellt? Nein. Die hatten nie ein Motiv. Vom Kaufmotiv mal abgesehen. Aber nun haben sie eine Kamera. Und gar keine Schlechte. Vielleicht findet ja der eine oder andere auf diesem Weg zur Fotografie? Wer weiss.

Früher einmal gab es gute Fotografen und sie haben Bilder gemacht, welche noch nach Jahrzehnten ihre Bedeutung als kulturelle Meilensteine hatten. Heute gibt es gute Fotografen, welche Bilder machen, welche noch im Jahrzehnten ihre Bedeutung als kulturelle Meilensteine haben werden. Und davon gibt es vermutlich nicht mehr und nicht weniger als früher. Woher auch. Dass diese wohl kaum für soundsoviele Millionen verkaufter Kameras im Jahr verantwortlich zeichnen, dürfte klar sein. Trotzdem profitieren sie von einer Entwicklung, welche die zig Millionen Knipser und Technikfetischisten voran getrieben haben. Obwohl sie das vermutlich gar nicht so bewusst wahr nehmen. Weil sie sich ja für das Motiv und nicht für die Technik interessieren. Und damit wohl kaum hier registriert sein dürften.
 
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Ich war jetzt drei Tage weg und bin vom Verlauf dieses Threads etwas enttäuscht. Irgendwie sind es die Krieger müde geworden, sich dreimal die Woche die selben Gemeinplätze um die Ohren zu hauen. Lerneffekt oder nur Abstumpfung?

Lerneffekt natürlich, ausserdem sind manche so erschöpft, das sie kaum noch ein Wort zustande bringen..

...aus den 60er Jahren geschenkt und da kam der Entwicklung der Technik große Aufmerksamkeit zu.
....Nippon Kogaku, in Fachkreisen für exzellente Objektive bekannt, die sich an diversen Kriegsschauplätzen einen guten Ruf im harten Reportageeinsatz gemacht hatten, ließ mit der Spiegelreflexkamera "Nikon F" aufhorchen. Ein Baukastensystem, bei welchen der Body mit unterschiedlichen Suchern, Objektiven, Motoren, Zubehören an unterschiedlichste fotografische Anforderungen angepasst werden konnte.

Meilensteine in der Entwicklung gab es sicher zu jeder Zeit. Allerdings hatte ein Fotograf damals nach dem Erwerb eines Systems etliche Jahre Zeit, bevor er sich erneut gedanken über "Zeitgemässeseres" Gerät machen musste.

...Wie würde es weiter gehen? Was würden die 70er, was würden die 80er an scheinbaren oder echten Innovationen bringen? Würde die Fotografie zu ihrem Kernthema - der optimalen Umsetzung der Bildidee zum fertigen Werk - zurück finden oder mußten wir uns darauf einstellen, dass Titanrolloverschluss, Rückschwingspiegel, CDS Belichtungsmesser und motorischer Highspeed Filmaufzug mit 3 und mehr Bildern pro Sekunde erst der Anfang einer Entwicklung sein würden, die uns immer mehr in ein technisches Wettrüsten und immer weiter weg von den eigentlichen Zielen führen würde?

Verstehe den Text in diesem Zusammenhang nicht so recht. Der Wettbewerb der damaligen Fotografen lief genauso wie heute auch über die, aus dem jeweilg eingesetzten Gerät resultierenden, Bilqualität. Hervorgehoben wurde von mir der Unterschied in den Zeiträumen, in denen er sich um die echten oder vermeintlichen Innovationen "kümmern" musste. Die F3 wurde über 20 Jahre lang nicht nur gebaut, sondern auch genutzt.

...Weil sie sich ja für das Motiv und nicht für die Technik interessieren. Und damit wohl kaum hier registriert sein dürften.

Wenn da was dran ist, dann ist ja noch Hoffnung...!
 
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