Vom Ursprung des Kaffees - Eine Reportage aus Äthiopien

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Jochen2

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Vom Ursprung des Kaffees
Eine Reportage aus Äthiopien


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„Teret, Teret“ – „Eine Geschichte, eine Geschichte“! So ruft der traditionelle Erzähler in Äthiopien,
um den Anfang einer neuen Geschichte anzukündigen. „Yelam Beret. Yemeseret“ antworten dann halb
singend in Reimform die aufgeregten Kinder und Jugendlichen, was „Kuhstall“ und „Gründung, oder
Ursprung“ bedeutet (= Geschichten, die der Tradition Rechnung tragen). So beginnt ein typischer Abend
der äthiopischen Erzähltradition. Dieses zeitlose Ritual bedeutet eine gute Zeit des Beisammenseins,
in der das ganze Dorf über Gott und die Welt, ihre eigene Identität und unzählige andere Fragen
diskutiert, die die Menschen seit jeher beschäftigen. Ist die spannende Geschichte dann fertig
erzählt, endet der Erzähler mit dem Reim „Teretayn Melesu, Afayn Bedabbo Abesu“, was so viel bedeutet
wie „Als Gegenleistung für meine Geschichte gebt mir etwas Brot zum Kauen“. Danach übernimmt dann der
oder die nächste die Rolle des Geschichtenerzählers, und beginnt ebenso mit „Teret, Teret …“ eine
weitere spannende und lehrreiche Geschichte.





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Typische äthiopische Hütten („Tukulus“) aus Holz, Lehm und Stroh





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In den Hütten wird gekocht





Die alten äthiopischen Geschichten und Volksmärchen, die von Generation zu Generation weitergegeben
werden, sind vor allem sehr beliebt bei Kindern und Jugendlichen. Diese Geschichten lehren ihnen die
Geschichte ihres Landes, die Kultur und die Weisheit, was zu tun und zu lassen ist; sie lehren ihnen
Humor sowie den Umgang mit alltäglichen Schwierigkeiten. Die Kinder reflektieren, weinen und lachen
dabei. Solche Geschichten sind aber auch notwendig für die Erwachsenen, da sie die Grundsätze des
Lebens von Generation zu Generation weitergeben. Und nun lasst mich Euch eine Geschichte erzählen, die
äthiopische Geschichte vom Ursprung des Kaffees!


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Kommentar

Teret, Teret …

Vor langer Zeit lebte in einem kleinen Dorf in der äthiopischen Region Kaffa der Ziegenhirte Kaldi.
Kaldi war ein smarter Junge und er arbeitete von morgens früh bis spät am Abend, um seine Eltern
finanziell zu unterstützen. Kaldi und seine Ziegen verließen jeden Tag das Haus bei Sonnenaufgang.
Sie nahmen einen schmalen Pfad den steilen Berg hinauf, bis sie den Wald mit dem frischen Gras
erreichten. In dem Wald gab es klares Quellwasser, jede Menge Gras und viele Früchte, weshalb Kaldi
und seine Ziegen sehr gerne hierherkamen. Eines Tages, als der Tag langsam zu Ende ging, hörte Kaldi
auf dem Nachhauseweg einen Schrei einer Ziege aus dem Wald – schnell zählte er seine Ziegen. „Oh
nein“, rief er, „es fehlt eine Ziege“! „Die Ziege könnte von einer Hyäne angefallen worden sein“,
sorgte er sich. Also ging er in den Wald, um seine Ziege zu suchen.

Tief im Wald fand er die verlorene Ziege, wie sie auf und ab hüpfte. Es war das erste Mal, dass Kaldi
eine der sonst so ruhigen Ziegen so lebhaft vorfand. Die Ziege hatte augenscheinlich die roten Beeren
von einem der Bäume gefressen. Die anderen Ziegen versammelten sich um sie und begannen ihr
nachzueifern. Wie die andere Ziege begannen auch sie auf und ab zu springen. Von den lebhaften Ziegen
ermuntert probierte nun auch Kaldi diese roten Früchte.


Und was meint ihr, was dann passierte?

Kaldi verspürte eine Frische in seinem Körper und er wurde ebenso vergnügt wie seine Ziegen. Kaldi
pflückte viele von den roten Kirschen und begab sich gut gelaunt mit seinen springenden Ziegen auf
den staubigen Pfad in Richtung seines Dorfes. Zu Hause begab er sich sofort zum Priester des dortigen
Klosters. Dieser glaubte ihm aber kein Wort und Kaldi war enttäuscht, dass man ihn nicht ernst nahm.
Traurig ließ er die Kirschen zurück und ging mit seinen Ziegen nach Hause.





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Wilder Kaffeeewald, Bonga, Äthiopien





Die Mönche des Klosters aber, die dem Gespräch zwischen Kaldi und dem Priester zugehört hatten,
ließen nicht vom Thema ab und zeigten großes Interesse an den roten Kirschen. Am Ende nahm einer
von ihnen ein paar von den Kirschen und kaute sie vorsichtig.

Und was meint ihr, was dann passierte?

Schon nach kurzer Zeit fühlte er eine Frische in seinem Körper und er wurde so lebhaft, wie Kaldi es
erzählt hatte. In dieser Nacht gab es in dem Kloster langwierige Gebete, die die ganze Nacht andauern
sollten. Aber in dieser Nacht blieben die Mönche, die sonst gerne einmal einnickten, hellwach, denn
alle hatten sie von den roten Kirschen gegessen. Der Priester fragte einen der Mönche, was da vor sich
gehe. Dieser erzählte ihm, dass sie alle von den roten Kirschen versucht hätten. „Das ist ein Fluch,
das muss mit dem Teufel zugehen!“ Der Priester warf die restlichen roten Kirschen in das brennende
Feuer.


Und was meint ihr, was dann passierte?

Mit dem Rauch des Feuers lag plötzlich ein verführerisches Aroma in der Luft und jeder war von diesem
Aroma verzaubert, sogar der Priester!

Viel Zeit ist seit diesen ereignisreichen Tagen vergangen. Die roten Kirschen, die Kaldi gefunden
hatte, wurden in vielen Ländern außerhalb Äthiopiens eingeführt und sie wurden in der Welt bekannt und
beliebt als ein Getränk, das man „Kaffee“ nennt. Das ist der Beginn der Geschichte des Kaffees, der in
Äthiopien entdeckt wurde.“


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Kommentar


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Äthiopischer Arabica-Kaffee (Harar)





In Äthiopien wächst zu 100% Arabica-Kaffee. Neben diesem äthiopischen Arabica-Kaffee stammt der
Canephora-Kaffee (Robusta) ursprünglich aus dem Kongo und der Liberica-Kaffee aus Liberia. Dieses
sind die drei typischen Kaffee-Arten aus den Zeiten der Entdeckung des Kaffees. Sie stammen alle
aus Afrika, aber vor allem die Europäer verbreiteten diese Samen in die ganze Welt! Aus diesem Grund
wird heute Kaffee in Mittel- und Südamerika, Indonesien, Hawaii, Vietnam und seit neuestem auch in
China angebaut. Die Robusta- und Liberica-Samen, die widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und
Schädlingen sind, wachsen in tieferen Lagen als Arabica-Kaffee und weisen eine hohe Produktivität auf.

In den wilden Wäldern im Süden und Südwesten Äthiopiens wachsen die Bäume mit wildem Kaffee noch in
der gleichen Weise, wie man sie schon von Anfang an vorfand. Diese Bäume gelten als die Vorfahren der
heutigen Arabica-Kaffeebäume, weshalb sie die Einheimischen als Mutterbäume des Kaffees verehren und
ihren Besitz von Generation zu Generation weitervererben. Ihre durchschnittliche Höhe beträgt ca. 2 m,
einige sind aber auch 6 – 8 m hoch.





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Wilde Kaffeebäume können bis zu 8m hoch wachsen





Sie wachsen in einer reichen, laubhaltigen Erde, die gleichzeitig das Wasser ablaufen lässt und doch
die Feuchtigkeit hält. Die Höhenlage beträgt 1.100 m – 2.100 m über dem Meeresspiegel, der jährliche
Niederschlag liegt bei 1.500 mm – 2.500 mm. Diese Nebelwälder sind eine der artenreichsten Regionen
der Welt, in ihnen gibt es mehr als 700 Arten von Pflanzen, darunter auch Heilpflanzen, rund 300
Vogelarten leben hier sowie Antilopen, Büffel und Leoparden, ja sogar Löwen.





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Kaffee im Bergnebelwald





Arabica-Kaffee gehört zu den wenigen großen Welthandelsprodukten, die noch in ihrer ursprünglichen
Form als Wildpflanzen in ihrer Heimat existieren. Forschungsergebnisse der Universität Addis Abeba
belegen, dass es etwa 60 genetische Stämme von Kaffee gibt.[1] Diese genetische Vielfalt tritt immer
mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, denn diese ursprünglichen, wilden Kaffees haben
eine enorme kulturelle Bedeutung und einen großen biologischen Wert: 1970 konnten Gene eines
Kaffeebaums aus den äthiopischen Wäldern durch Kreuzung ein ernsthaftes Problem eines Befalls mit dem
Rostpilz in Kaffeeplantagen in Lateinamerikas lösen. Dies verhinderte dort eine ernste
Wirtschaftskrise. Der Wert des Erbes dieses Wildkaffees ist so gesehen unermesslich.





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Frisch gerösteter Kaffee





Allerdings werden die äthiopischen Wälder, in denen der Wildkaffee wächst, jedes Jahr immer kleiner.
Es heißt, dass zwei Drittel der Wälder in Äthiopien bereits verloren sind, und es besteht die Sorge,
dass die Wälder, die den wilden Arabica-Kaffee beheimaten, irgendwann aussterben. Um dies zu
verhindern, hat es der Naturschutzbund Deutschland (NABU) im Jahr 2010 geschafft, die Wildkaffe-Wälder
in der Region Kaffa als UNESCO-Biosphärenreservat anerkennen zu lassen. Dieses Biosphärenreservat ist
mit rund 760.000 Hektar etwa halb so groß wie Schleswig-Holstein. Ein großer Teil davon wird von
immergrünen Bergnebelwäldern eingenommen, die zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergen.
Besonders berühmt aber sind die Wälder für die letzten Vorkommen des wilden Arabica-Kaffees.

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[1] Quelle: “The situation and potential of medicinal plants in Ethiopia”, International Agricultural
and Forestry Department, (2008)





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Der Kaffee wird frisch aufgebrüht


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Kommentar


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Ernte von äthiopischem Waldkaffee


Die äthiopischen Arabica-Bohnen haben insgesamt ein ausgezeichnetes Aroma. Die Einzigartigkeit des
Kaffees in seiner „Heimat“ liegt aber auch in der traditionellen Art des Anbaus. Dieser wird in die
vier folgenden Kategorien eingeordnet. Der Waldkaffee (Forest Coffee) wird in den wilden und
tropischen Wäldern in der südwestlichen Bergregion Äthiopiens (Kaffa) geerntet. Der Wald wird mit
einem Mindestmanagement wie z.B. dem Schneiden des Unterholzes gepflegt. Dieser Wildkaffee beträgt
ca. 5-6% der Gesamtproduktion des äthiopischen Kaffees.





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Äthiopischer Semi-Waldkaffee





Während der Wald beim Waldkaffee so gelassen wird, wie er ist, wird er beim Semi-Waldkaffee (Semi
Forest Coffee) durch die Landwirte etwas ausgedünnt, und die wilden Kaffeebäume werden aktiv
behandelt, etwa wie auf einer Plantage. Diese Art der Kaffeebehandlung findet im Allgemein im Süden
und Südwesten von Äthiopien statt. Dieser Kaffee deckt ca. 20% der gesamten äthiopischen
Kaffeeproduktion.





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Äthiopischer Gartenkaffee





Der sogenannte Gartenkaffee (Garden Coffee) ist die häufigste Art, wie der Kaffee in Äthiopien
angebaut wird. Die Bauern pflanzen ein paar, meistens gezüchtete Kaffeebäume in ihren Hinterhöfen,
jäten Unkraut, hacken die Erde und mulchen den Boden das ganze Jahr über. Gartenkaffee wird im Süden
und im Osten Äthiopiens von Kleinbauern angebaut. Die Produktivität dieser Anbaumethode ist sehr viel
höher als die der vorher genannten Methoden. Mit dem Plantagenkaffee (Plantation Coffee) wird der
Kaffee effizient und in moderner Art und Weise in großen Feldern angebaut. Dafür verwenden die
Landwirte in ihren Plantagen hochwertige, gezüchtete Samen und achten auf ausreichend Platz zwischen
den Setzlingen. Der Plantagenkaffee besitzt einen Anteil von nur etwa 4% der Gesamtproduktion, nimmt
aber rasant zu.





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Äthiopischer Plantagenkaffee


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Kommentar

Wie auch bei anderen Nutzpflanzen, so unterscheidet sich der Geschmack des Kaffees je nach Anbauregion
und Wetterverhältnissen. In Europa wird das Aroma des traditionell sonnengetrockneten äthiopischen
Kaffees als „sehr gut“ und „blumig wild mit einem Aroma von Zitrone und Wein“ beschrieben. Die
äthiopische „Coffee & Tea Authority“ ordnet ihre Kaffeeanbaugebiete mit ihren dazugehörigen Aromen wie
folgt ein (1999):





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Die Kaffeeergionen in Äthiopien

Kartenbasis mit „CC-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“
von http://www.weltkarte.com. Veränderungen: Angabe der Kaffeeanbauregionen






Region Harrar: Harrar-Kaffee ist einer der beliebtesten Kaffees der Welt. Er ist berühmt für
sein reiches Aroma, für seinen weinähnlichen Nachgeschmack, für seinen ausgeprägten Körper sowie für
sein typisches Mokka-Aroma. Harrar-Kaffee ist schwer zu bekommen, da ein großer Teil der Ernte zu
überteuerten Preisen nach Saudi-Arabien geliefert wird.

Region Yirgacheffe: Die Region Yirgacheffe ist ebenso bekannt für ihren hochwertigen Kaffee,
der in Äthiopien produziert wird. Er hat einen starken, ausgeprägten Geschmack und kombiniert zitrus-
artige mit blumigen Aromen.

Region Sidamo: Kaffee aus der Region Sidamo ist besonders bei Kaffeeliebhabern sehr beliebt.
Gewürzhaltige Aromen verbinden sich mit einem weichen, ausgewogen bitteren Geschmack.

Region Kaffa: Dieser Kaffee ist sehr wohlschmeckend und hat einen nachhaltigen Körper,
gleichzeitig aber auch einen weinähnlichen Nachgeschmack. Einen besonders intensiven, starken
Geschmack hat der von hier stammende Wildkaffee.

Es gibt aber auch weitere Kaffee produzierende Regionen wie Bebeka, Tepi, Limu, Illubabur und
Nekempti/Lekempti.





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Äthiopische Kaffeezeremonie, Kaffa: Entfernen des Silberhäutchens


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Kommentar


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Sonnengetrockneter Kaffee





Die roten, voll ausgereiften Kaffeebohnen werden von den Mitgliedern der Bauernfamilien in all diesen
Regionen etwa im Oktober und November von Hand gepflückt, und dann zu frischen, rohen Bohnen
verarbeitet. Der Kaffee wird in Äthiopien sowohl sonnengetrocknet als auch gewaschen. Die getrockneten
Kaffeekirschen bringen die Bauern nach dem Trocknen in der prallen Sonne zur am nächsten gelegenen
Sammelstation. Dort werden die getrockneten Kirschen nochmals sorgfältig von Ästen, Blättern und
Steinchen gereinigt und das getrocknete Fruchtfleisch wird von den Bohnen abgetrennt. Danach werden
die Kaffeebohnen noch nach ihrer Größe sortiert und zunächst eingelagert. Die getrockneten Bohnen
werden solange in der Lagerhalle aufbewahrt, bis der Kaffeepreis steigt. Wenn es keine Sammelstation
in der Nähe des Bauern gibt, verkauft er den Kaffee nach dem Trocknen auch direkt an einen
Zwischenhändler.





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Typische Kaffee-Sammelstation





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Kaffee-Enthülsungsmaschine





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Äthiopische Kaffeezeremonie





Wird der Kaffee gewaschen, bringen die Bauern die geernteten Kaffeekirschen noch am Tag der Ernte zur
nächsten Sammelstation, wo sie gewaschen werden können. Dort wird das Fruchtfleisch der Kaffeekirschen
entfernt und die Bohnen werden dann ohne das Fruchtfleisch in der Sonne getrocknet. Danach werden
Kaffeebohnen vom Herstellerverband oder einem Broker zur einer Niederlassung der staatlichen
Prüfstelle des „Ethiopia Commodity Exchange“ (ECX)[2] gebracht, wo der Kaffee auf seine Qualität hin
geprüft wird. Dieser ECX ist ein neuartiger Zusammenschluss der wichtigsten Marktteilnehmer, der Börse
und der äthiopischen Regierung, in dem Käufer und Verkäufer zum Handeln unter kontrollierten
Bedingungen zusammentreffen. Durch diesen Zusammenschluss wird eine Qualitätssicherung des Kaffees
sowie der Zahlungs- und Lieferungsmodalitäten gewährleistet. Der Käufer (Importeur) kauft den Kaffee
über eine Auktion und lagert ihn zunächst für eine weitere Prüfung und Weiterverarbeitung ein. Danach
verpackt er den Kaffee für den Export. 28% des äthiopischen Kaffees wird nach Deutschland exportiert
und 22% nach Japan, also wird die Hälfte der äthiopischen Kaffeeproduktion in diese beiden Länder verkauft.

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[2] http://www.ecx.com.et/





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Anlage für „washed coffee“: Das Fruchtfleisch wird von den Kaffeesamen gedrückt





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„Washed coffee“ beim Trocknen





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Arbeiterinnen beim Säubern von gewaschenem Kaffee





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Äthiopische Kaffeezeremonie





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Warteschlange der mit Kaffee beladenen LKWs vor dem ECX





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Kaffee-Verkostung im ECX


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Besuch der Original-Kaffeebäume

In einer Tagesreise fuhr ich von Addis Abeba nach Bonga, einer kleinen Stadt im Zentrum der Region
Kaffa im Süd-Westen von Äthiopien. Mein Ziel waren die Wälder des Kaffa-Biospärenreservats der UNESCO
und der deutschen Organisation NABU, in denen noch natürliche, wilde Kaffeebäume wachsen. Unterwegs
nach Bonga kamen wir an wunderbaren Landschaften vorbei und fuhren durch riesige Flächen Weideland
sowie durch das ehemalige Waldhochland, nun voll bepflanzt mit Teff, dem traditionellen äthiopischen
Grundnahrungsmittel, aus dem das weiche gesäuerte Fladenbrot Injera hergestellt wird.





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Äthiopische Landschaft (auf dem Weg nach Bonga)





Bonga ist eine kleine Stadt, in deren Umgebung viele Familien vom Kaffee leben. Überall in der Stadt
riecht es ständig nach frisch geröstetem Kaffee der Kaffeezeremonien, denn der Kaffee spielt im Alltag
der Äthiopier eine große Rolle: Durchschnittlich dreimal am Tag wird Kaffee frisch geröstet und
zubereitet, oder in einer der unzähligen Café-ähnlichen Buden eingenommen. Am Rande der wilden
Kaffeewälder haben Bauern ihre runden Hütten (Tukulus) gebaut, in denen sie in der Erntezeit von
Oktober bis Januar leben. Im Wald selbst war es ein sehr erhabenes Gefühl, zwischen all den alten,
wilden und originalen Kaffeebäumen zu stehen. Ich war überrascht, wie groß die Bäume sind, als ich
über mir die noch nicht geernteten roten, reifen Kaffeekirschen entdeckte. Ich hatte kleinere
Kaffeebäume erwartet, denn ich kannte bisher nur die kleineren Kaffeebäume auf Kaffeeplantagen.





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Wilder Kaffeewald





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Ernte von äthiopischem Wildkaffee





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Ernte mit der "Picking-Methode, bei der nur die reifen Früchte geerntet werden.





Die Früchte, die nicht gepflückt werden, fallen einfach auf den Boden. Die darin enthaltenen Samen
lassen wieder und wieder neue Bäume sprießen und die Menschen, die hier leben, ernten wieder deren
Früchte. Dies ist der Kreislauf des wilden Kaffees und des Dorflebens seit der Zeit von Kaldi, dem
Ziegenhirten. Die Menschen können aber leider oft von den Einnahmen des Kaffees allein nicht
überleben. Deshalb bauen sie, wenn es der Platz erlaubt, auch noch Weizen und Mais an. Sinkt der
Kaffeepreis zu sehr, roden manche Bauern den Wald für neue Nutzflächen, was wiederum den Bestand der
Kaffeewälder gefährdet.


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Kommentar

Von einem der Kaffeebauern werde ich zu einem Kaffee eingeladen. Wir sitzen vor der Lehmhütte, in der
die Frau des Bauern den Kaffee zubereitet – dies ist seit jeher Frauensache und Mädchen werden im
Alter von 10 Jahren in die Kunst der Kaffeezubereitung eingewiesen. In der Lehmhütte röstet die Frau
den Kaffee, danach werden die noch warmen Kaffeebohnen mit einem Stößel zu Pulver zerstoßen. Zum
Schluss wird das Kaffeepulver mit dem Wasser auf dem offenen Feuer aufgekocht.





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Äthiopische Kaffeezeremonie





Dann bringt uns die Bäuerin aus der Lehmhütte einen sehr starken, schwarzen und dampfenden Kaffee.
Zum Glück wird mir dazu Zucker angeboten, denn die Äthiopier trinken ihren Kaffee gerne auch gesalzen.
Der Bauer neben mir bietet mir als Begleitsnack zum Kaffee mit der Geste für „Essen“ frisch geröstete
Gerstenkörner an. Das passt erstaunlich gut zum Kaffee! Während wir ohne zu reden Kaffee trinken und
Gerste essen, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, Land und Leute etwas besser zu verstehen.





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Äthiopische Kaffeezeremonie: Der Kaffee ist geröstet





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Äthiopische Kaffeezeremonie


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Kommentar


Besuch beim Imam

Durch Gespräche mit Einheimischen erfuhr ich, dass die Ansammlung von Gebäuden, wohin der Ziegenhirte
Kaldi seine roten, reifen Kaffeekirschen getragen hatte, noch heute existiert. Ein halbe Stunde
Autofahrt und ein 20-minütiger Fußmarsch brachten mich und einen Dolmetscher sogleich dorthin! Gemäß
Überlieferung war dies früher eine Klosteranlage äthiopischer Christen, heute steht dem muslimischen
Dorf ein Imam vor. Er heißt Abba Giddi und er war spontan für ein kurzes Gespräch bereit, sogar ein
Porträt durfte ich von ihm machen. Mein Ziel war es, noch mehr über die Ursprungslegende des
Ziegenhirten Kaldi und ihren anzunehmenden Wahrheitsgehalt herauszufinden.





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Anlage „Kaldi“, in der Nähe von Bonga, Äthiopien





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Imam Abba Giddi





Der Imam erzählte mir nochmals die Geschichte von Kaldi, den er dabei aber Kali oder wechselweise
Kalliti nannte. Danach berichtete er mir sehr überzeugt, dass ihm die Geschichte über die
traditionelle Form des äthiopischen Erzählens von seinem Vater so erzählt wurde und diesem bereits von
seinem Vater und so fort; und da beide sehr alt wurden, könne er allein schon über drei Generationen
und einen langen Zeitraum der überlieferten Geschichte zurückblicken! “Nein nein, lieber Besucher, das
ist keine Legende, sondern tradierte und wahrhaftige äthiopische Geschichte!”, sagte mir Abba Giddi im
Brustton tiefster Überzeugung.





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Pfad zur Anlage


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Kommentar

Epilog – Die Geschichten und Legenden über den Kaffee

Die Geschichte von Kaldi wird, abgesehen von den Namen Kali oder Kalitti, in drei unterschiedlichen
Varianten erzählt. In einer Variante, so wie hier in dieser Reportage erzählt, schmeißen die Mönche
die Kaffeekirschen ins Feuer und entdecken so die Kaffeeröstung gleich mit. In einer zweiten Variante
fehlt dieser Teil, die Mönche versuchen die rohen Kaffeekirschen und die Röstung wird erst viel später
entdeckt. In einer dritten Variante versuchen Kaldi und die Mönche zunächst nur die Blätter des
Kaffeebaumes und entdecken erst viel später die Kaffeekirschen, die natürlich eine viel stärkere
Wirkung haben. Je nach Quelle datiert diese Geschichte der Entdeckung des Kaffees vom 2. bis zum
6.- 8. Jh. Das erste schriftliche Zeugnis der Geschichte von Kaldi verfasste der libanesische, in Rom
lebende Sprachwissenschaftler Antoine Faustus Nairon in seinem Buch „De Saluberrima potione Cahue seu
Cafe nuncupata Discurscus“ im Jahr 1671. Die Legende vom äthiopischen Ziegenhirten Kaldi ist die am
weitesten verbreitete, und man ist sich ziemlich einig darüber, dass die in dieser Legende
angesprochene Region Kaffa im abessinischen Hochland in Äthiopien tatsächlich die ursprüngliche Heimat
der Kaffeepflanze ist. Aber es gibt noch weitere Ursprungslegenden, von denen ich hier der
Vollständigkeit halber die wichtigsten aufführe:

Sheikh Umar: Diese Legende der Entdeckung des Kaffees stammt aus dem Jemen, wo der Priester
Sheikh Umar die Auswirkungen der Kaffeefrucht bei Vögeln bemerkt haben soll und diese Neuigkeit
verbreitete. Leider mangelt es an schriftlichen Hinweisen, die den Wahrheitsgehalt dieser Legende
belegen könnten.

Naironus Banesius: Dieser Maronitenmönch soll Mitte des 17. Jh. in Kaffa in Äthiopien eine
Viehherde beobachtet haben, die sich sonderbar benahm. Ihm fiel auf, dass die Tiere ungewöhnlich
lebhaft waren, bis spät in die Nacht keine Ruhe fanden und keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zeigten.
Der Mönch fand heraus, dass die Tiere die gelben und roten, kirschenähnlichen Früchte einer Pflanze
gefressen hatten. Der Mönch fertigte einen Sud aus den Früchten dieser Pflanze an und stellte fest,
dass seine Müdigkeit verschwand und er problemlos nachts wach bleiben konnte.

Der Prophet Mohammed: Eine sehr anderslautende Legende erzählt vom großen Propheten Mohammed.
Orientalische Erzähler berichten, dass der Erzengel Gabriel dem schwer kranken Propheten mit einer
Schale heißer, dunkler Flüssigkeit erschien, die er „quawa“ nannte. Nach dem Genuss dieses Getränks
wurde Mohammed sehr schnell gesund und gewann seine Lebensgeister zurück. So konnte er mit Hilfe
dieser himmlischen Stärkung ein riesiges islamisches Reich zusammenführen, wie es die Welt bis dahin
noch nicht gesehen hatte.

Der Derwisch Omar: Die Legende, die nicht fehlen darf, ist die des jungen Derwisches
(muslimischer Bettelmönch) namens Omar. Dieser wurde verleumdet, unschuldig verurteilt und dann mit
seinen Gefährten in eine abgelegene Steinwüste verbannt. Am Ende seiner Kräfte, halb verhungert und
verdurstet, versuchte er von den Früchten eines ihm unbekannten Strauches und kochte daraus einen Sud.
Dadurch wie durch ein Wunder genesen, konnte er in die Stadt zurückkehren und er erzählte von der
magischen Frucht. Nun wollte jeder von dieser Frucht kosten, Omar wurde mit Ehrungen überhäuft und vom
Kalifen bekam er sogar einen Palast geschenkt.





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Äthiopischer Kaffee



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Kommentar

Der Name des Kaffees

Über die Herkunft unseres Namens „Kaffee“ gibt es unterschiedliche Theorien. Die erste lautet, dass
Kaffee seinen Namen von „Kaffa“ bekommen hat, also dem Namen der Region, in der er entdeckt wurde. Die
zweite Theorie, die man in der Literatur weit häufiger als Erklärung vorfindet, besagt, dass der Name
um das Jahr 1600 herum teilweise aus dem arabischen Original „qahwah“ und teilweise aus der türkischen
Form „kahveh“ in die europäischen Sprachen adaptiert wurde.

Auch wenn sich in sehr vielen Ländern der Welt der Namen für das Getränk auf dieser Basis durchgesetzt
hat, so heißt der Kaffee auf Amharisch, der äthiopischen Amtssprache, aber „bunna“, in anderen
äthiopischen Sprachen „bun“, „buna“ oder „bona“ (aber auch z.B. „kawa“). Den Namen „Bunna“ für Kaffee
vergaben früher die Karawanenhändler, die ihn über das gesamte äthiopische Hochland transportierten.
Diese Händler wurden damals oft zum Kaffee zu Hause bei einer lokalen Familie eingeladen, die Frau des
Hauses bereitete den Kaffee für die Karawanenhändler zu. Diese Frau wurde „Genne Bunno“ oder „Genne
Bunne“ genannt, wobei „Genne“ Frau bedeutet. Bis heute ist es eine gute Tradition und Sitte bei den
Menschen in Kaffa, denen die Kaffeepflanzen gehören, dass sie ihren Familien und Freunden
Kaffeekirschen oder -bohnen per Paket schicken mit der Aufschrift „Bunno-Kaffa“, was „Kaffee aus
Kaffa“ bedeutet.





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Äthiopischer Kaffee mit dem süßlichen Gewürz „Tena Adam“





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Frisch aufgebrühter Kaffee mit äthiopischer Kaffeekanne „Jebena“





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In guten Restaurants bekommt man den Wohlgeruch des frisch gerösteten Kaffees an den Tisch gebracht!


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Kommentar
Nun, ich habe gewartet bis zum Ende, Jochen ... wieder eine hervorragende Reportage, reich bebildert und mit fantastischen Texten ... :):up::up::up:
 
Kommentar
Hallo Jochen,

vielen Dank für diesen eindrucksvolle Bericht. Da musste ich mir doch sofort eine frisch gemahlene Tasse Kaffee gönnen.
 
Kommentar
Herrlich, Jochen!
Nicht nur über den Kaffee habe ich gerade wieder viel gelernt, sondern auch über Äthiopien und seine Menschen.
Ganz vielen Dank dafür und für die viele Mühe, die du dir wieder mit deiner Reportage gemacht hast!

Viele Grüße,
Sylvia
 
Kommentar
Jochen, wie immer wunderbare Bilder und großartige Information zu den Bildern..:up::up::up:

Grüße,
Jan
 
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Lieber Jochen, ich bin froh das es Menschen wie Dich gibt, die mit so einer Leidenschaft ihr Wissen an andere weitergeben. Ich kenne niemand, der bei solchen brillanten Texten auch noch in der Lage ist, diese mit den dazu passenden aussagekräftigen Bildern zu untermauern. Mal wieder die beste Gelegenheit den Hut zu ziehen :applause::applause::applause:
 
Kommentar
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