[MENTION=72773]Flat D[/MENTION] : zunächst mal bin ich gottlob kein Programmierer. Und wer mit 35 noch vom Programmieren lebt (ich bin knapp 50), sollte sich gleich einsargen lassen. Ich habe fälschlicherweise Versicherungsmichmal gelernt und dann mein anschliessendes Studium der Ingenieurinformatik mit Diplom abgeschlossen. Das hilft mir in meinem heutigen Job aber überhaupt nicht. In deiner langen und ausführlichen Antwort sind einige sachliche Fehler, die gern wiederholt werden, dadurch aber nicht an Wahrheitgehalt gewinnen. Ich werde mir Zeit nehmen, und Einiges erklären:
Anfänglich ist MS sicherlich auf den Macintosh-Zug aufgesprungen, als sie mit Windows 1 und 2 (in Farbe!) auch irgendwie mit Maus und aufpoppenden Fenstern herummachen wollten. Das ganze leitet sich von der LISA ab, und zu diesem Zeitpunkt hatte Apple mit dem genialen Chefingenieur Steve Wozniak auch keinerlei Probleme zuzugeben, dass die Idee der Maussteuerung tatsächlich von der Xerox Company entwickelt und vorgestellt wurde.
Der ursprüngliche, kleine Mac mit dem Motorola 68k Prozessor und seinem erbärmlich winzigen Bildschirm war zwar eine Design-Ikone, hat Apple aber quasi umgebracht. Deshalb musste Jobs auch (1987 ?) gehen, wohingegen "The Woz" weiter an neuer Technik gearbeitet hat.
Intermezzo NeXT, der neuen Super-Duper Gesellschaft von Jobs. Er wollte quasi das Geschäft von DEQ, SUN oder IBM A/S Maschinen angreifen und Unix Maschinen mit prickelndem Design verkaufen. Entwickelt wurde dazu ein graphischer Aufsatz auf einem freien, Open-Source Unix namens Free-BSD (Berkeley Software Distribution) - um es ganz klar zu sagen: die freie Unix Version der Universität in der Volksrepublik Berkeley ist das Betriebsystem. Darauf wurde ein Klickibunti gefummelt und fertig ist/war NeXTstep. Diese OS war so erbärmlich hässlich, dass es kaum zu beschreiben ist:
http://www.inventinginteractive.com/wp-content/uploads/2010/12/next.jpg
NeXT ging voll vor die Wand. Ich müsste nachschlagen, aber aus dem Kopf würde ich sagen, dass die keine 1000 Rechner verkauft haben, dann war die Klitsche wieder hin. Woz hatte zu diesem Zeitpunkt (späte 90er) Apple längst verlassen und Jobs brachte bei seiner Rückkehr NeXTstep mit, welches heute OS-X heisst. Mit dem Auslaufen der Produktion der Motorola 68k Serie (Power PC) stellte Apple dann auch endgültig auf "branchenübliche" PC Hardware um.
Linux ist ein Unix Derivat (wie BSD auch) und darauf lassen sich seit 1994/1995 eine Reihe graphischer Oberflächen aufsetzen, damit es mehr oder weniger bunt aussieht und man eine Maus über den Bildschirm schubsen kann. Unter der Haube sehen sich die Systeme teils erschreckend ähnlich, und sowohl Linux wie viele andere Unices können mit dem GNU Befehlssatz gesteuert werden. An dieser Stelle sollte ich auch die Frage nach den Repositorien aufgreifen, denn auch hier herrsch Einigkeit: das sind die offiziell freigegebenen Software Quellen, und sie entsprechen beim Mac den "Ports". Werden solche Quellen von einem erfahrenen Maintainer (ich will das mal falsch mit "Verwalter und Aufseher" übersetzen) gewartet, so sind diese sicher. Hier kommt nur rein, was wirklich haargenau überprüft und getestet wurde. Bei Apple und RedHat sind es Unternehmensabteilungen, die über Aufnahme und Freigabe entscheiden, bei debian ist dies ein Komitee von sehr erfahrenen Programmierern und Ingenieuren, die teilweise genau dafür von ihren Arbeitgebern freigestellt wurden. Wenn IBM zum Beispiel eine Milliarde USD in Linux investiert, dann geht ja nicht Herr IBM zu Herrn Linux und drückt dem einen Koffer in die Hand. Vielmehr heisst das, dass IBM zB. eine Abteilung von 1000 Leuten schafft, die komplett in der Linux Infrastruktur arbeiten sollen, und deren Ergebnis 100% gemeinfrei gestellt wird.
1000 Mitarbeiter kosten 6.000.000 Dollar im Monat - mal 12 plus Material, Infrastruktur, Räume, Strom und Weihnachtsfeier: 100 Mio USD im Jahr (wir wollen nicht kleinlich sein). Wenn sie das zehn Jahre lang machen, ist die Milliarde weg. Zwei oder 12% davon sind Maintainer. Man darf also nicht glauben, dass Linux (oder Open-Source Software überhaupt) nur von ungewaschenen und übergewichtigen Spinnern mit lächerlich dicken Brillengläsern in zugemüllten Studentenbuden entwickelt wird. Zu allermeist sind das ungewaschene und übergewichtige Spinner mit lächerlich dicken Brillengläsern in hell erleuchteten Büroetagen, und die werden typischerweise branchenüblich und von einem der Giganten bezahlt. Bevor SUN (Stanford University Network, mitgegründet vom Deutschen Andreas von Bechtolsheim, als dieser noch in Stanford studierte) von Oracle übernommen wurde, hat zB. SUN 20 Gehälter für die Weiterentwicklung von Open-Office gezahlt. Die Jungs in Hamburg (Open Office basierte auf Star Office von der deutschen "Star Division") sind komplett entlassen worden, als Larry Ellison Sun geschluckt hat.
Back to Entertainment: es gibt für Unices (Unix-Mehrzahl) graphische Oberflächen, die sich im Look&Feel an Windows orientieren (KDE -
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cf/Screenshot_of_KDE_4.3.png)
oder die sich an Leute wenden, die die Apple Optik schätzen (XfCE mit X Panel -
https://tux93.org/files/screenshots/steam_05.12.12.jpg)
und es gibt elegante Lösungen ohne solche Bezüge, wie zB. E18
https://www.enlightenment.org/ss/e-535d29397bc8c7.63688520.jpg
oder Unity
http://3.bp.blogspot.com/_lh7jyvHkwS4/TOgD3FbtWRI/AAAAAAAAA_o/xlEEK8IitCk/s1600/unity+settings.png
und natürlich Gnome
http://static.micahcarrick.com/media/images/gnome3-taskbar/MGSE-gnome3-taskbar.png
Jede diser Desktop Umgebungen (graphischen Oberflächen) hat eine eigene Bedienlogik, und während Unity zB. gerade für Einsteiger besonders leicht erlernbar sein soll, bin ich Gnome und XfCE Fan (allerdings ohne X Panel - das frisst Leistung). Ich KANN jede davon nutzen - alle meine Programme laufen weiterhin. Ich muss mich nicht mit einer Oberfläche abfinden, nur weil ich eben das Betriebsystem ABC verwende.
Ich kann sogar Windowmaker verwenden und ihn als NeXTbox laufen lassen
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/57/Windowmaker.jpg was die Frage aufwirft, wer hier eigentlich Koch und wer Kellner ist! Windowmaker ist überraschend hässlich - und die Oberfläche, die Jobs für NeXTstep verwendet hat.
Es gibt so unendliche viele GUIs (graphic user interfaces), vielleicht hilft diese Liste:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fenstermanager daher ist es sicherlich grundfalsch anzunehmen, Irgendjemand hätte bei Apple oder Microsoft klauen müssen. Geklaut haben sie alle bei Xerox - danach gingen die Wege sehr schnell und weit auseinander.
Und meine 13-Jährige Tochter kann tatsächlich ganz allein ihr Betriebssystem installieren. Vom Stick auf den Rechner. Dazu braucht sie Papa nicht. Allerdings HASST sie jede Befehlseingabe im Terminal (dieser doofe schwarze Kasten), wohingegen ich alles im Terminal mache, was ich nicht im Emacs machen kann. Schön ist, die Wahl zu haben. Deshalb nutzt sie auch nicht die gleiche GUI wie ich.
PS: NUR Apple hatte im iTunes store die Beschränkung der Überspielzahl per DRM. Das hat ihnen Niemand vorgeschrieben, und das war bei zB.
Amazon (die ja nun auch keine Engel sind) nie ein Thema. Wer seine CDs selbst rippt oder Musik bei den Bands direkt kauft, hat damit ohnehin nix zu tun.