Solche Behauptungen halte ich für gewagt. Nikon ist nach wie vor eine gesunde Firma, die sich nur gerade radikal vom Diktat der Umsatzsteigerung um jeden Preis ab- und sich weiterer Profitabilisierung zuwendet.
Jeder, der solche Prozesse in anderen Unternehmen miterlebt hat, kennt die Option, Kosten zur Restrukturierung in das auslaufende Geschäftsjahr zu packen, um das neue Geschäftsjahr möglichst unbelastet und kosteneffizient angehen zu können. Dass man sich damit ein ohnehin nicht gutes Jahr weiter versaut ist dabei akzeptierte Bedingung.
Wir reden hier aber nicht über ein schlechtes Jahr sondern um einen konstanten Umsatzrückgang seit 2013 (nimmt man den Forecast rechnen sie mit einem Umsatz von der Hälfte von 2013 ungefähr auf dem Niveau 2005) und Umsatzrenditenrückgang seit 2014. Ein geringerer Umsatz mit einer höheren Rendite ist -so man in der Lage ist den Laden auch entsprechend umzustrukturieren (u. A. Massenentlassungen)- durchaus kein Problem.
Vergleicht wir aber mal die 1. drei Quartale der Imaging-Sparten von Fuji und Nikon (Restrukturing-Costs sind da noch nicht drin) sieht es danach aber nicht wirklich aus
Fuji Umsatz - 5,9% Gewinn +5,9%
Nikon Umsatz - 29% Gewinn - 18,4%
Umsatzrendite Fuji 11%, Nikon 8%
Nur am Rande erwähnt, das Nikon vom besten Jahr (2013) bis aktuell fast die Hälfte seines Umsatzes verloren hat, während Fuji-Imaging ihn nahezu konstant halten konnte. Das ist wohl einem Gutteil den Instax-Kameras geschuldet, so jedenfalls der Financial-Report. Ist jetzt aber auch nicht so verwunderlich, denn bei den kleinen Film-Sofortbildknipsen handelt es sich um nahezu eine USP, also ein Alleinstellungsmerkmal, welches Nikon komplett fehlt.
Wir können auch noch einen Blick auf den wichtigsten Wettbewerber mit dem Roten C werfen und nehmen einfach mal einen Umsatzvergleich
2000 hatte Nikon 46% des Umsatzes von Canon
2005 waren es nur 40%
2013 (Nikons bestes Jahr so far) 52%
2016 (Nikons eigene Projektion, Canon hat Kalenderjahr als Wirtschaftsjahr) 35%, also nur noch 1/3
Schlimmer noch wenn wir auf die aktuellen Umsatzrenditen schauen. Für die ersten 3 Quartale (also ohne die Restrukturierungskosten für das DL-Desaster) lag Nikon bei 8% (nun geplant 6,6%). Canon hingegen hat eine Rendite von 13,2% erwirtschaftet
Damit aber nicht genug. Nikon plant mit einem Rückgang der Stückzahlen bei Wechselobjektivkameras von 23%, Canon hingegen hatte ein (Mini)-Wachstum von 2% in dem Segment.
Noch eine ganz interessante Zahl läßt sich aus den Veröffentlichungen herauslesen. Der Stückzahl-Anteil der Wechselobjektivkameras betrug 2013 bei Canon 38% und bei Nikon 29%, aktuell sind es bei Canon 58%, bei Nikon hingegen nur 50%.
Canon veröffentlicht auch noch eine -fast noch wichtigere- Zahl: Wertmäßig machen die Wechselobjektivkameras samt der Objektive bei denen aktuell 86% vom Gesamtumsatz der Imaging-Sparte aus. Berückscihtigt man nun noch, das es -im Gegensatz zu Nikon- auch noch ein paar hochwertige/hochpreisige Fest-Optikkamera gibt, kann das endgültige Aus der Point-n Shoot Kameras Canon ziemlich am A... vorbeigehen.
Werfen wir nun noch einen kurzen Blick auf dei Playstation-Bastelbude, Sony hat auch gerade die Quartalsergebnisse / Forecasts vorgelegt. Der Riese ist auch durchaus schwankend, die Imaging-Sparte ist da allerdings weniger dran schuld. Während Nikon die Umsatzplanzahl mal eben um 35Mrd Yen nach unten korriegiert hat, hat Sony sie um 10Mrd erhöht.
Die Stückzahlen bei den Kameras hat Sony um 200.ooo angehoben während Nikon 450.ooo weniger absetzen wird können als ursprünglich mal geplant.
Stückzahlmäßig bleibt Nikon damit zwar mit 6,25 Mio geplanten Einheiten noch vor Sony mit 4 Mio, trotzdem macht die Sony Imaging Sparte (ohne die Sensoren das ist wieder eine eigene Sparte) jetzt schon knapp 200 Mrd. mehr Umsatz als Nikon. Unterstellen wir nun noch, das bei Nikon erheblich mehr Objekrive im Umsatz vorhenden sind als bei Sony, kommt man schnell zum Schluß, das Sony erheblich mehr Umsatz / Kamera macht als Nikon. Man schaue sich nur die Sensorschwestern D610 / A7 II an, die Sony kostet knapp 200,- als Body mehr. Erst die D750 ist signifikant teurer.
Bezeichnend finde ich auch das die TOP-END D500 nur ein paar Wochen ihren Preis halten konnte und inzwischen billiger als eine OM-D M1 Mk II oder Pana GH5 (ok die ist noch fluppneu) verramscht werden muß.
Nur als Randnotiz: Olympus macht mit geplant 65Mrd Yen etwas mehr als 1/10 des Umsatzes von Sony, dabei waren sie zur Jahrtausendwende, also am Anfang von Digitalien Marktführer. Man sieht also leicht wohin einen eine falsche Produktpolitik führen kann.
Das Sinnigste wäre vmtl. nach dem Einstampfen der DL's gleich noch das Coolpix-Zeugs und die Action-Kameras einzustampfen und zu versuchen alle Anstrengungen in die Wechseloptik-Kameras zu investieren. Ich bleibe dabei, daß sie es dem Markt überlassen sollten.
Was spräche z. B. dagegen drei gleichberechtigte Kameras anzubieten. Alle bieten die gleichen technischen Specs und vor allem Möglichkeiten zumindest mit G-Objektiven, kein Marketing-Kastrieren wie bei den 5xxx ern.
Eine als reine Spiegellose u. U. sogar ohne Sucher, dafür aber mit nutzbarem Kontrast-AF, Focus-Peaking, In-Body Stabi und was sonst noch in eine Kamera des Jahres 2017 reingehört
eine als reine D-SLR und
eine dritte als Hybrid, also den Kontrast-AF samt übrigen Funktionen der Spiegellosen und dank optischem Sucher und dem AF-Modul der D-SLR einem schnellen Phasen-AF der D-SLR
Die Spiegellose von mir aus auch mit neuem Bajonett, aber auch einem Adapter der volle G-Optik Kompatibilität liefert. Alles kein Hexenwerk, aber eine Lösung des Dilemmas. Ja sowas ähnliches machen Canon und Sony auch schon, allerdings fehlt beiden der Hybridbolide.