Die spannendste Entwicklung dürfte im Profisektor zu erwarten sein. Beim analogen Kleinbildformat waren Filmformat und Objektivkonstruktionen optimal aufeinander abgestimmt. Jetzt gibt es zahlreiche Sensorformate, und es stimmt keineswegs „je größer, desto besser“ – auch nicht im Profibereich. Eigentlich wäre nun, als Alternative zum Wechselobjektiv, der Wechselsensor fällig: Kleine Sensoren für extreme Teleaufnahmen und Makroaufnahmen hoher Schärfentiefe, große Sensoren für Fotos, wo es auf viele Pixel, auf hohen Dynamikumfang, extreme Weitwinkel oder/und auf geringe Schärfentiefe ankommt.
Eine Lösung wäre, Wechselobjektiv und den dazu passenden Sensor zu vereinen. Die Preise für Sensoren werden halbleitergemäß weiter fallen, die für gute Objektive wegen der hohen Anforderungen an die Auflösung eher steigen. Eine gegen Staub gekapselte Einheit aus Objektiv und Sensor, in die auch gleich die Anti-Verwacklungstechnik integriert ist, hätte viele Vorteile. Optik und Sensor könnten so ideal zusammenwirken, wie dies bisher nur bei Kompaktkameras möglich ist. Das Bauprinzip herkömmlicher Spiegelreflexkameras ist eigentlich schon jetzt überholt, und es dürfte nur eine Frage der Zeit (und der Displayqualität) sein, bis die voluminösen und komplizierten optischen Umlenksysteme darin ersatzlos wegfallen.
Das hätte auch Konsequenzen für den Objektivbau, denn Weitwinkelobjektive für SLRs müssen derzeit mit zusätzlichen Linsen ausgerüstet werden, weil sie wegen des Spiegels nicht so nah wie eigentlich erforderlich an die Bildebene gebracht werden können. Aber vielleicht haben die Hersteller und die Anwender noch ganz andere Ideen in petto. Eigentlich steht die digitale Fototechnik erst am Anfang und könnte, nachdem der Pixel-Hunger jetzt weitgehend befriedigt ist, noch für manche Überraschung gut sein.