Heiterkeit, Vernunft und Würde ...

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sam25

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... ist die Zusammenfassung im hinteren Buchdeckel der beiden Autorinnen der Händel Biografie über sein Leben.

Ich nehme Euch mit auf eine Reise mit Georg Friedrich Händel und bitte Euch, den Thread nicht zu unterbrechen. :)

Ich nehme dabei meine Notizen zur Hand, welche ich über die letzen Wochen als Vorbereitung für unsere Deutschlandferien handgeschrieben zu Papier gebracht habe und lege Bilder bei, welche alle in diesen zwei Ferienwochen entstanden sind.

Händels Leben und mehr noch seine Musik haben mich unglaublich berührt. Ein Musik, welches nicht nur die Preussen überlebt hat sondern bis heute alles, und sie vermutlich noch viele Generationen nach mir überleben wird. Das nenne ich eine Leistung. Da wird manch' anderes zum Abklatsch, zur Farce.

Ich schreibe diesen Thread auch, um mich zu entlasten. Ich habe mich den Tönen und den Werken Händels hingegeben. Bildern entstanden wie sie kamen, und sie waren oft so erschlagend, dass ich die Fotoapparate zur Seite legen musste. Ich schaff' es seit den Ferien nicht mehr zu fotografieren, bis auf die Suri Bilder.

Aber es ist so, dass wenn ich Bilder zulasse, dann muss ich sie auch wieder loslassen. Und so verstehe ich auch Händel: solche Werke wie er schrieb, sind alleine nicht zu tragen...



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Ich werde nicht alle Örtlichkeiten nennen. Die Bilder sind teil meines Erlebens von Händels Musik.

Alle Bilder entstanden rund um unser Feriendomizil, Königs Wusterhausen, Potsdam, Berlin, der Spree, Fürstenwalde und noch einige andere Örtlichkeiten.
Ich stand in Schlössern, in Parks auf Strassen, sass im Boot und überall habe ich Töne gesehen und gehört.


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Aber warum Händel und die preussischen Könige? Warum dieses Thema? Ich muss da etwas Vorgeschichte einfügen, dass Ihr mir auch folgen könnt.
Es ist wohl müssig zu erklären, dass Bilder für mich immer mit Geschichten zu haben. Und das ich immer Bilder immer mit vielen Formen von Wahrnehmung zusammen bringe. Musik und Fotografie ist so eine Verbindung, ich sehe Musik und höre Bilder und umgekehrt. Dass ich bei der Vorbereitung auf unseren Familienurlaub in Königs Wusterhausen auf Händel gestossen bin, habe ich eigentlich Carl Stamitz zu verdanken.

Und wenn ich nun mit einem Glas Weisswein und Händel's Messias hörend vor dem Bildschirm sitze, dann bin Händel und diesen bildnerischen Momenten wieder ganz nahe. Ich verliere mich wieder in den endlosen Wäldern rund um unser Feriendomizil und höre Musik.


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Zufälligerweise hörte ich eine Sinfonie Stamitz am Radio und ich habe mich über ihn näher informiert. Da ich annahm, dass wir von unserem Feriendomizil auch nach Berlin gehen würden, suchte ich nach einer Verbindung von Stamitz zu Berlin. Die gab es durchaus, wenn auch mit einer Fehlinformation. Stamitz soll in Berlin den Messias von G.F. Händel als erstes dirigiert haben. Es ist richtig, dass Stamitz im Orchester bei der Aufführung Geige gespielt hat. Das Werk an sich aber hat Hiller aufgeführt und auch soweit umgeschrieben und ergänzt, dass es zur damaligen Zeit auch für das Berliner Publikum „geniessbar“ sein sollte.

Ja Berlin, in diese Stadt bin ich verliebt ...


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Und weil ich mich Händel schon lange fotografisch aber auch biografisch widmen wollte, so habe ich Händel auserkoren, mich musikalisch in die Ferien zu begleiten. Auch Thierry, mit welchem ich einen Tag in Potsdam unterwegs war, war der Meinung, dass Händels Leben und seine Musik sehr gut hier hin passen.

Und so nahm ich innerlich immer wieder Platz, schaute auf die Bühne, aufs Orchester und genoss die Musik von Händel.


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G. F. Händel ist ja alles andere als der klassische deutsche Komponist zu dieser Zeit. Er hat Deutschland früh den Rücken gekehrt und hat die meiste Zeit seines musikalischen Lebens in England, genauer gesagt in London verbracht. Händel hat zwischen 1685 und 1759 gelebt, geboren wurde er in Halle. Er hat also 1701 sehr deutlich die Selbstkrönung von Friedrich III. zum ersten König von Preussen mitbekommen, Friedrich I. Ebenfalls hat er den Tod des ersten Preussenkönigs 1713 miterlebt. 1699 hat er bei Sophie Charlotte auf ihrer Residenz bereits das erste Mal im Orchester gespielt, nach dem Händels Vaters der musikalischen Förderung seines Sohnes missmutig und nicht ganz freiwillig zugestimmt hat. Händel erlebt auch von der Insel aus den Tod von Friedrich Wilhelm I. 1740., welcher die Nachfolge von Friedrich I. angetreten hat. Die kriegerischen Auseinandersetzungen unter dem Reich von Friedrich II., liessen ihn in London nicht immer unberührt.

Also schaute er immer sehr genau über den Teich ...


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Ich habe früh festgestellt, dass ich die Zeit eigentlich überhaupt nicht verstehe.

Denn, wenn ich das schreibe, dann schreibe ich das als Schweizer, aber vielmehr als Sam, komplett Monarchie unerfahren, jeder Obrigkeit äusserst kritisch gegenüber, als grosser Liebhaber klassischer Musik, als jemand, welche Händel und Mozart und Bach und Beethoven gerne kennen gelernt hätte. Ich schreibe das als jemand, der keine Ambitionen hat auf irgendwelche Titel und Orden, der missbrauchte Macht in irgendwelcher Form von irgend jemanden als Unvermögen von Kooperation und Toleranz betrachtet.

Oft musste ich die Literatur weglegen, weil mich das alles verwirrte. Ich suchte krampfhaft noch einem hellen Punkt und versuchte mich an ihm zu orientieren.



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Aber ich schreibe das auch, und vielleicht bin ich da Händel sehr ähnlich, mit einer gewissen Zweideutigkeit. Ich habe mich mit Thierry köstlich darüber amüsiert bei der Vorstellung, selbst in dieser Zeit gelebt zu haben, ein abtrünniger oder querschlagender Prinz gewesen zu sein, umgeben von Hofdamen aber verbannt auf so ein „kitzkleines Jagdschloss“ mit viel Umschwung. Und ich habe mir vorgestellt, wie ich da dann „lustwandeln“ würde und dreimal pro Tag lustvoll speisen würde und mit den Damen im Garten verstecken spielen würde und ich würde mir zwar nicht die Königskrone aufsetzen aber zum Spass würden mich alle mit „Prinz Sam I.“ anreden. Ich hätte mich vermutlich krumm gelacht, wenn die Herren vor mir den Bückling hingelegt hätten und die Damen den ehrwürdigen Hofknicks vor mir gemacht hätten.



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Man muss wissen, dass England zur damaligen Zeit eng mit Preussen verbunden war, da die Fürsten aus dem Hause Hannover, welche mit Preussen ebenfalls verbunden waren, die Herrschaft in England inne hatte. Händel aber litt wesentlich mehr unter den innenpolitischen Verhältnissen Englands, als unter jenen in Deutschland.


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Mich hat das alles sehr beeindruckt. An die Orte zu gehen, wo irgendwie alles eine Beziehung hat zur Musik und zur Person von Händel. Und ich staunte immer wieder über die Weite dieser Orte, wo doch alles so verworren ist in der Schweiz.


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Bis auf wenige Kontakte hatte Händel zu Deutschland keine Verbindung mehr, obwohl er hie und da in Deutschland weilte. Lediglich zu seiner Mutter verbanden ihn bis zu ihrem Tode enge Kontakte, und zu seinem Jungendfreund, Georg Philipp Telemann, welche sich nicht nur menschlich sondern auch musikalisch sehr schätzten. Mit ihm verband ihn aber noch eine weitere Affinität, nähmlich jene Liebe zu exotischen Pflanzen.
Auch zu seiner Nichte verband ihn eine Beziehung, welche gut war.

Beziehungen: Händel schafft mit seiner Musik Beziehungen. Keine Geschäftsbeziehungen, welche er sehr erfolgreich geführt hat. Händel schafft Beziehungen zu Menschen mit seiner Musik. Und das hat mich enorm berührt.


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Händels Musik aber hat alle preussischen Könige bis in die heutige Zeit überdauert. Händels Musik steht über alle Querelen, Aufständen, Kriege und Friedenszeiten. Händels Musik ist göttlich wie irdisch zugleich und wer in seinen Oratorien den streng gläubigen Menschen sieht, der irrt sich wohl gewaltig.

Ich musste immer etwas schmunzeln, wenn ich Kirchen besuchte. Aus dem Messias hat er genau das gemacht, was er wollte. Das hat dem Werk dann auch über lange Zeit den Ruf von Blasphemie eingebracht.


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Händel ging nur einem Ziel entgegen: seiner Musik, mit oder ohne Herrgott. Es mag komisch klingen, aber es war das einzige, was er konnte. Kein anderer Beruf hätte er, trotz seines abgebrochen Jurastudiums, ausüben können. Aber dies tat er mit grossem Fleiss und grosser Aufopferung und mit einem unternehmerischen Geschick, welches seines gleichen in der Musikgeschichte bis heute sucht.


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Und es war ja nicht so, und so ist es notwenig, dieses Klischee endlich beiseite zu beschaffen, dass die Komponisten nur wegen ihrer Begabung, ihres Talentes frei künstlerisch tätig waren. Der Konkurenzkampf war auch zu damaliger Zeit sehr gross und unerbittlich. Dazu kam die grosse Abhängigkeit der Fürsten und Könige. Denn nur diese konnten es sich leisten, Kunst finanziell zu fördern. Die meisten klassischen Werke in dieser Zeit waren nicht irgend welche freiwillige Musikstücke, sondern ausschliesslich Auftragswerke von zahlungskräftigen Auftragsgebern.

Manch' ein Talent, dass nicht entdeckt oder gefördert wurde war auch dazumal so. Castings bestanden darin, dass die Tonkünstler per Zufall entdeckt wurden oder gar nicht ...


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Mozart erging es nicht anders als Bach, Johann Sebastian hat sich zwar zeitlebens einen guten Batzen verdient, sein musikalisch kreativer Spielraum war aber auch sehr abhängig von seinem Finanzgeber.

Aber was früher die Königs- und Fürstenhäuser waren, sind's heute die grossen Labels. So anders....? Nein, einfach etwas moderner.


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Händel hat mit der Gründung eines eigenen Unternehmens versucht, sich bestimmte musikalische und künstlerische Freiheiten zu schaffen. Unternehmer und Künstler gleichzeitig zu sein, war herausfordernd und verschaffte ihm lange Tage und grosse Risiken. So war er denn auch als künstlerischer Leiter seines eigenen Unternehmens immer wieder verantwortlich dafür, dass er für die Aufführung seiner Werke ein hochkarätiges Ensemble zur Verfügung hatte. Und dafür nahm er auch Reisen nach Italien in Kauf, welche zu jener Zeit der grossen „Opera Seria“ die besten Sängerinnen und Sänger hatten. Händel hatte in London so zu sagen keine Konkurenz. Seit dem frühen Tod des englischen Komponisten Henry Purcell, entstand in England ein „musikalisches Vakuum“. Weit und breit war kein englischer Komponist zu finden, welche der Genialität von Purcell das Wasser reichen konnte. Die Engländer bedienten sich also den italienischen Komponisten und deren „Hits“ und weil Händel dieses Handwerk der „Opera Seria“ und der „Opera buffa“ hervorragend verstand, konnte er das englische Publikum mit seinen grossen Opern lange Zeit begeistern.

Ich mag Opern, nicht alle. Aber es war dazumal die Musik, welche das die Musik dominierte, aber gleichzeitig auch die Komponisten und die Kritiker polarisierten.


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Aber ich habe mich dann schon gewundert, als ich Händels "Discografie":
Händel hat alleine 42 Opern und 25 Oratorien geschrieben, nebst einer stattlichen Anzahl von Konzerten für Soloinstrumente wie die Orgel, Sonaten, Kirchenmusik, usw. Nebenbei war er noch Unternehmer, sein eigener Produzent, Intendant und spielte nicht selten sogar noch bei Liveaufführungen mit.
So hat Händel phasenweise bis zu zwei neue Opern pro Jahr heraus gegeben, nebst sinfonischen Werken. Man stelle sich das heute vor: Wenn ein Musiker pro Jahr zwei bis drei CD’s heraus bringen würde mit einer jeweiligen Spieldauer von zwei, manchmal bis zu drei Stunden und nebenbei seine neuen Werke in eine Tour live aufführen würde!!!

Zur Ruhe kam Händel Zeit seines Lebens nie.


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Ich hörte viel Musik von Händel vor den Ferien, in den Ferien und bis heute. Es fasziniert mich nach wie vor.

Wir hatten zu Hause einen alten Plattenspieler mit einigen Platten von Mozart, Bach und Beethoven. Und bald kamen auch die beiden Werke von Händel dazu: die Wassermusik und die Feuerwerksmusik.


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Ich empfand schon als Kind diese beiden Werke sehr eindringlich und pompös. Aber für mich fast nicht greifbar. Und ich folgte den Äusserungen der Erwachsenen, dass Händel ein zutiefst gläubiger Mensch gewesen sein musste um solche Werke schreiben zu können.


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