Ein Koffer für die Ewigkeit ...

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Es gibt keine toten Bäume, sagte mein Vater immer. Wenn man genau hinschaut, dann leben sie, werden zersetzt und bieten wiederum Nahrung für andere Bäume...

Wir haben viele "tote Bäume" untersucht und Käfer und Larven gesehen. Und irgendwie war es uns schon sehr früh klar, dass auch gestorbenes lebt. Ein Gedanke, welcher mich gerade in dieser Zeit sehr berührt ...


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Hallo Sam

Hör mir gerade "La resurrezione" an. Leider nur auf You tube.
Gefällt mir sehr gut.
Ich liebe Klassik. Gerade die Barock Musik hat es mir angetan.

Danke für den indirekten Tipp. :applause:
 
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Nebel. Seit Tagen. Ich gehe Wege die ich kenne. Und der Nebel ist so dicht, dass ich von Weitem die Umrisse der Bauernhöfe kaum erkennen kann.

Wie das Leben. Um Konturen und Kontraste zu sehen, muss man es nun in der Nähe betrachten. Der Nebel lässt keine Oberflächlichkeiten zu ...


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Es ist ein Eintauchen in eine Welt, aus der man die letzten Tage nicht mehr heraus kommt.

Gute Freunde, gute Menschen finden sich aber auch im Nebel. Aber es setzt voraus, dass man Freundschaften pflegt. Das tat auch mein Vater, meine Eltern. Nachtragen, da sein, wenn man einander braucht. Vielleicht auch nichts sagen, da sein ist wichtiger ...


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Ich vergrabe mich richtig in die Musik, seit ein paar Tagen in Händels Oratorium. Mein Vater konnte auch begeistert sein von Musik, immer wieder. Und vielleicht machte seine Neugier ihn auch grundlegend zufrieden in seinem Leben.

Heute genoss er das Mittagessen, als ob er nichts anderes kennen würde. Was heute ist weiss er nicht mehr, was morgen ist auch nicht. Aber wenn ich die Nebeltage so ansehe, dann weiss ich auch nicht mehr, wann das letzte Mal die Sonne geschienen hat ...


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Nebel mag fotografisch zu erfassen einfach sein. Dem Nebel aber auf Augenhöhe zu begegnen nicht. Zumindest für mich nicht. Nebel lässt wenig zu für das Auge. Und weil das so ist, lässt er mich alleine mit mir selbst. Dichter Nebel fällt auf mich selbst zurück. Und das ist gut so ...

Im Nebel muss man sich selbst aushalten. Und bin ich zufrieden, so eben, wie es mein Vater ist, auch jetzt noch. Und so gehe ich meinen Weg.


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Lieber Sam,
deine Worte und Bilder vermitteln mir ein großes Maß an Verständnis, Respekt, Freundschaft und ganz besonders Liebe zwischen Vater und Sohn.
Ich wünsche euch von ganzem Herzen noch eine innige gemeinsame Zeit.
 
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Meine Mutter ginge heute Nachmittag einkaufen. Wir haben abgemacht, dass wir unseren Vater nicht mehr alleine lassen - auch wenn er schläft.

So ging ich mit unseren Hunden zum Vater, und ich schlief erstmal eine Runde. Die letzten Wochen waren nur Drittbestimmt. Keine Zeit für mich und obwohl ich meine D4 und das Nikkor 50mm, 1.2, MF dabei hatte, mochte ich überhaupt nicht fotografieren.

Eine Stunde haben wir geschlafen, mein Vater, die Hunde und ich. Still wird es um meinen Vater. Eigentlich wollte ich seine Hände fotografieren. Seine Hände, die unglaublich kräftig waren. Ich mag mich erinnern, dass er die Kinderhände meines Bruders und mir festhalten konnte, ohne dass wir uns lösen konnten. Das hat mir Eindruck gemacht.

Überhaupt. Meine Eltern haben mich auch in Amerika besucht. Sie haben den weiten Weg zu mir gemacht. Und wir verbrachten drei Wochen Ferien zusammen. Ich habe sie fast ein Jahr lang nicht gesehen, wegen meiner Weltreise.

Kinder. Ja, Kinder. Mein Vater liebt Kinder, meine Mutter auch. Und alle Kinder sind und waren immer willkommen bei ihnen. Als wir unsere Pflegekinder aufgenommen haben, wurden sie aufgenommen wie ihre eigenen Kinder. So geht das, selbstverständlich, ohne Fragen, ohne Diskussion ...

Mein erstes Bild ist in einem Magazin abgedruckt worden. Jenes der Indianerkinder. Kinder. Und das stelle ich hier hin. Ein Koffer für die Ewigkeit. Und wenn ich Händels "Auferstehung-Oratorium" höre, dann läuft es mir kalt den Rücken hinunter....es ist Weihnachten ....

Still war es heute, mit meinem Vater. Innig.


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Lieber Sam,
verfolge schon eine ganze Weile deinen Weg "Ein Koffer für die Ewigkeit". Dieser Weg berührt mich sehr. Ich wünsche dir und deiner Familie viel Stärke. Sich auch zu verinnerlichen, es geht weiter auf diesem schweren Weg. Sich auch an besonders schöne gemeinsame Zeiten erinnern oder an besondere Glücksmomente, das zeigst du auch mit deinen Bildern.
 
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… Eigentlich wollte ich seine Hände fotografieren. Seine Hände, die unglaublich kräftig waren. …


Sam, mach das unbedingt noch, bitte!


Ich bedauere es seit Ewigkeiten, daß ich weiland
die riesigen, total abgearbeiteten Hände meines
Stiefopas nicht fotografiert hatte.


Möget Ihr alle frohe Weihnachten haben!


 
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Ich bedauere es seit Ewigkeiten, daß ich weiland
die riesigen, total abgearbeiteten Hände meines
Stiefopas nicht fotografiert hatte.


Die Hände, insbesondere die von hart arbeitenden Menschen, sagen manchmal mehr über den Menschen aus als 1000 Worte.

Ich habe sehr viel Kontakt zu Landwirten, Waldarbeitern und schwer arbeitenden Handwerkern wie Zimmermännern, Schmiede, Schlosser etc.

Und manchmal bilde ich mir ein, an ihren Händen ihren Charakter erkennen zu können :gruebel:

Gruß

Jürgen
 
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Es berührt mich sehr diese Begleitung hier. Ja, Sven und Jürgen, danke Margrit und allen, die still und leise mit dabei sind. Ich fotografire die Hände noch. Für mich, für Euch. Hände ... so wie ich eben immer Hände fotografiere bei Konzerten ...

Es ist schon unglaublich, wie sehr unterschiedlich jeder von uns Geschwistern Abschied nehmen kann und tut.
Ich verstehe das Leben als Geschenk. Aber auch der Tod. Weil er - wie die Geburt, zum Leben gehört.

Aber jeder macht das anders. So wie dieser Tisch auf dem Flohmarkt. Nicht jeder Weihnachtstisch sieht gleich aus. Und das ist gut so. Liebevoll, würdevoll und respektvoll soll er sein. Nicht mehr und nicht weniger ...


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Sam, ich kann nachfühlen wie es dir geht. Meine Mutter ist ebenfalls an Demenz erkrankt, noch ist sie zwar noch recht klar im Kopf, aber sie vergisst nun viel bzw. kann sich vieles gar nicht mehr erst merken. Innerhalb einer halben Stunde hat sie mich heute dreimal gefragt wann ich denn morgen komme. Mein Vater leider sehr darunter, zumal man hilflos daneben steht.
Um so mehr wünche ich dir Kraft und innere Ruhe um diesen Weg gemeinsam mit deinem Vater zu bewältigen. Ich bin mir sicher deine Hingabe Bilder zu machen und deine Liebe zur klassischen Musik helfen dir dabei, die innere Ruhe zu bewahren.
 
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Hoi Sam,

ich oute mich auch als bisher stiller Mitleser, der es bewundernswert findet, wie offen du Deine Gedanken und Gefühle in diesem größtenteils anonymen Forum teilst. Scheinbar ohne Dir Gedanken oder Sorgen zu machen, was die vielen Dir unbekannten Menschen mit Deinem nach Außen gekehten Innersten anfangen.

Hut ab und nutze die verbleibende Zeit mit deinem Vater. Sie ist unwiederbringlich...

Einen lieben Gruß in die Alpen,
Peter
 
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lieber Sam,
es tut wohl, daß du auch die hände thematisierst.
ausnahmslos habe ich ganz tiefe empfindungen, wenn ich mich an das >fühlen der hände< der geliebten menschen erinnere, die ich verloren habe.
ich danke dir und wünsche euch allen eine innige, vertraute zeit. :)
 
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Es ist alles anders, dieses Jahr ... Heute Morgen mussten wir meinen Vater ins Spital bringen....

Ja, auch meine fotografische Kreis schliesst sich. Ich stelle mich Lebensthemen und habe gelernt, sie fotografisch umzusetzen. Für mich.

Sterben ist nicht privat, sterben ist persönlich. Ich würde meine ganze fotografische Ausrüstung sofort verkaufen, wenn ich mich meinem (fotografischen) Leben nicht mehr stellen könnte. Es ist für mich nicht immer einfach, damit umzugehen.

Und so nehme ich die Worte von Händels Auferstehung. Heute.

"Diasi lode in Cielo, in terra, A chi regna in terra, in Ciel! Diasi lode, etc.
Ch’è risorto oggi alla terra Per portar la terra al Ciel. Diasi lode in Cielo, etc.2

Euch allen eine innige Zeit ...


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es kommen einem fast schon die tränen wenn man deine worte liest... mein vater ist nun auch schon vor 10 jahren von uns gegangen. ich war 25 und er er kurz vor seinem 53 geburtstag... das schlimmste für mich war damals das ich nicht die möglichkeit hatte mich von ihm zu verabschieden... ich wünsche dir viel kraft in dieser schweren zeit...
 
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Ein Koffer für die Ewigkeit. Heute Morgen.

Ich mag mich knapp an einen Traum erinnern von heute Nacht. Aber ich muss geschrien haben. Und ich weiss, dass der Traum mit meinem Vater zu tun hatte.

Gestern Abend. Alles Kinder bei uns zu Hause, der Weihnachtsbaum schön geschmückt, ein feines Essen, eine schöne und fröhlich Stimmung. Ich habe es genossen.

Meine Frau ging arbeiten. Ich erwachte, trank einen Kaffee und ging mit meinen Hunden in den Jura ...


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