Ein letzter Beitrag hier von mir. Ohne Bild.
Ich bedanke mich noch einmal für die durchgehend positive und herzliche Resonanz.
Ich möchte aber noch die Gelegenheit nutzen, um noch etwas zur Fotografie zu sagen:
Seit Jahren beschäftige ich mich mit dem Sterben, nicht nur beruflich, auch privat. Ich habe viele Menschen in solchen Situationen begleitet, ebenfalls beruflich und privat. Und ich habe genau hingeschaut. Ich habe für mich daraus geschlossen, dass ich die Zeit bis zum Ableben intensiv nutzen möchte. Mich noch ein letztes Mal mit dem Leben zu beschäftigen, mit dem Hier und Jetzt.
Ich hätte die Fotografie beiseite legen können in dieser Zeit. Das war ebenfalls ein Gedanke gewesen. Nur hätte ich mir dann etwas genommen, was mir lieb geworden ist. Aber gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren in meinen Bildern auch eine Bildsprache entwickelt, welcher ich mich selbst nicht mehr entziehen kann. So wäre jedes Bild für mich, ohne etwas zu erwähnen, für mich zur Farce geworden, wäre unecht gewesen und mir nicht zugetan.
So entschloss ich mich für diese Offenheit, auch mit dem Risiko, dass es allenfalls auch nicht goutiert werden wird.
Ich habe mich in diesen Wochen immer und immer wieder an das Bild von van Gogh erinnert. Diese düstere, aber magische Bild von Christi Geburt im Stall, wo man ganz zuhinterst ein helles Licht sieht. Zu diesem Zeitpunkt war er schon hoch depressiv und vermutlich auch arg verzweifelt. Auch er hat nur das gemalt, was er gefühlt hat.
Und so ist und bleibt meine Bildsprache ein Stück mich selbst. Mir war aber ganz wichtig, dass ich die Würde und den Respekt der Situation berücksichtige. Und das scheint mir gelungen zu sein.
Diese Zeit mit allem Erleben, etwas mehr als vier Wochen gehören wohl zu meinen intensivsten Wochen in meinem Leben. Aber dieses Wochen gehören wohl auch zu meinen intensivsten Erfahrungen mit Ausdruck, mit Fotografie. Es war eben genau das Geheimnisvolle von der Fotografie, dass sie mich bei jedem Bild zwingt, mich mit der Gegenwart auseinander zu setzen. Ich hatte schwierige Momente mit der Gegenwart, aber auch sehr schöne. Das ist Fotografie, sich der Gegenwart zu stellen. Es gibt nichts älteres, als ein Bild auf dem Bildschirm zu betrachten. Das wurde mir immer und immer wieder bewusst.
Ein weiterer Gedanken, welcher mich immer wieder getragen hat ist jener, dass ich so viel tragisches immer wieder lese und sehe. Und ich kann keinen Bezug mehr dazu herstellen, weil es irgendwie zu viel wird. Meine einzige Aufgabe als Mensch besteht darin, immer und immer wieder Bezug zu mir und meiner Umwelt aufzubauen und zu leben.
Vorhin war ich im Schnee mit den Hunden. Heute Morgen auch. Die Kamera kam mit. Sie blieb aber die ganze Zeit an meiner Schulter hängen. Dank der intensiven Zeit konnte ich abschliessen.
Meinen Vater trage ich immer im Herzen. Nicht wegen der Bilder, aber die Bilder helfen mir immer wieder, mir diese schöne Zeit mit ihm zu vergegenwärtigen.
In diesem Sinne. Noch einmal ganz herzlichen Dank an alle von Euch. Und immer gut Licht. Und sollte das Licht nicht stimmen, dann kann man trotzdem fotografieren, auch ohne Kamera ...
