Der Abreisetag. Tag 6. Das Wetter war wieder durchzogen. Meine Frau packte die Koffer und ich machte mich noch eimal mit unseren Hunden in das Val di Prato. Um Abschied zu sagen.
Und auch hier verabschiede ich mich mit den letzten Zeilen aus meinem Selbstgespräch.
Was ist der Kern deiner Herangehensweise?
Respekt und Achtung vor dem was ich vorfinde als Motiv haben sich in letzten Jahren intensiviert. Und gleichzeitig auch meine Möglichkeiten eingeschränkt. Es ist ja nicht so, dass ich mir damit neue „Spielfelder“ eröffnet habe. Im Gegenteil. Sie haben sich offensichtlich reduziert, dafür habe ich mir neue erschaffen. Jene eben, mich intensiv mit dem Aussen was ich vorfinde zu beschäftigen. Und das wiederum bedeutet, dass ich mich zunehmend als „Player“ als Spieler, als Gleichgesinnter in diesem ganzen Prozess rund um die Fotografie wahrnehme. Ich glaube, dass nur ein gutes Bild entstehen kann, wenn mein Innen dem Aussen auf gleicher Augenhöhe begegnet, auch mit dem Risiko, dass das Resultat, also das Bild, letztlich eine Interpretation von mir ist und bleiben wird.
Ich vergleiche es immer wieder mit der Malerei. Früher, vor der Zeit der Fotografie hatte man nur die Möglichkeit Menschen zu malen. Dort spielten doch die gleichen Prozesse. Das Wesen vom Gegenüber auf Leinwand zu bringen, oder eine völlige verschönte Version. Ein Beispiel wäre das Mozartdenkmal in Salzburg. Mozart hat nie so ausgesehen, seine Nase ist komplett falsch, seine Grösse komplett daneben und seine Figur ebenfalls. Mann hat dazumal versucht aus dem Menschen Mozart etwas zu machen, was er nie war. Aber wer bringt schon ein Bild zusammen von einem Menschen, der einem mit seiner Musik dermassen berührt, und einem Bild von einem Menschen mit einer Knollennase, kleinem Wuchs und Umgangsformen, welche zum Himmel schreien?
Ich mag das Bild von Mozart. So wie es ist. Ich mag sein Gesicht, sein Wesen, was auch immer. Und er ist zusammen mit seiner Musik vollkommen, auch wenn ich nie seine Frau hätte sein wollen – vielleicht...