Zurück zu den South Orkneys: Die Inselgruppe liegt südlich des 60. Breitengrades, gehört also laut Definition des Antarktisvertrags zur Antarktis. Der Vertrag sorgt unter anderem dafür, dass territoriale Ansprüche während der Laufzeit des Vertrags ausgesetzt bleiben. Auch bei den South Orkneys gibt es verschiedene Ansichten darüber, welchem Land die Inseln zuzurechnen seien: Argentinien und die Briten streiten sich um die Ansprüche, was historische Gründe hat. Und so gibt es neben der argentinischen Station auch eine britische Station, die auf Signy Island liegt.
Die Inselgruppe wurde 1821 von Walfängern entdeckt, und die Scotia Bay, in der die ORTELIUS vor Anker geht, ist nach der schottischen Expedition von William S. Bruce 1903 benannt. Mitglieder dieser Expedition haben hier eine Steinhütte errichtet, deren Überreste heute noch zu sehen sind.
Omond House, die Überbleibsel einer Hütte der schottischen Expedition von 1903
Unter Bruces Leitung begannen die Mitglieder der Expedition mit Wetteraufzeichnungen – es war die erste permanente meteorologische Station in der Antarktis, und sie liefert bis heute ununterbrochen Wetterdaten. Die ganze Geschichte um die Station ist überaus spannend: Bruce fuhr Ende 1903 nach Buenos Aires, um sich zu verpflegen und auszurüsten, und handelte bei dieser Gelegenheit ein Abkommen mit den Argentiniern aus. Diese würden die Station übernehmen und die begonnenen Messungen fortführen – Bruce selbst hatte dafür kein Geld. 1904 kehrte Bruces Schiff mit einigen argentinischen Forschern zurück zur Station, und zwei Mitglieder der schottischen Expedition führten die Neuankömmlinge in das Stationsleben und die wissenschaftliche Mission ein. So kam es, dass die Station in Orcadas umbenannt wurde und fortan unter argentinischer Leitung stand.
Per Schlauchboot nähern wir uns der Station. Natürlich werden wir schon erwartet – die argentinischen Forscher leuchten in ihren gelben Jacken regelrecht aus der monochromen Landschaft heraus. Einer hat sich sogar in einen Trockenanzug geworfen – man weiß ja nie.
Empfangskomitee in Gelb
Die Jungs von der Station sind allesamt kernige Burschen, aber supernett und unglaublich hilfsbereit. Mit einem Kauderwelsch aus Spanisch und ein paar Brocken Englisch verständigen wir uns, und im Nu sind Führungen für die Gäste organisiert. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich auf Porträts des Stationspersonals verzichte – ich habe keine Freigabe dafür und versuche bis heute erfolglos, den Argentiniern wenigstens die versprochenen Fotos zukommen zu lassen. Das ist nicht so einfach …
Die Landestelle
Zum Entzücken unserer Gäste stoßen wir auf dem Weg vom Strand zur Station auf die ersten Adeliepinguine der Reise. Die kleinen Kerlchen sind etwas irritiert und wissen erst einmal nicht, ob sie flüchten oder mit uns mitlaufen sollen. Schließlich begleiten sie uns ein Stück.
Adelies, Orcadas
Base Orcadas
Das Verkehrsmittel der Wahl: der Skidoo
Wir besuchen das kleine Museum …
… neben dessen Eingang ein Schneemann Wache hält …
… und fühlen uns in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt …
… ehe wir die schmale Landzunge überqueren zum anderen Strand …
… und dann auf einen Tee und Kekse ins Aufenthaltsgebäude eingeladen werden, das sich in dieser Saison insgesamt 17 Mann teilen.
Die kleine Kapelle der Station
Die ORTELIUS vor Anker in der Scotia Bay
Die Zeit verfliegt, und ehe wir uns versehen, müssen wir schon wieder Abschied nehmen. Mucha gracias – es war ein wunderbarer Besuch!
LG Sandra
PS: Natürlich hat die Kiste mit den Lebensmitteln ihren Weg an Land gefunden, und witzigerweise hatten die Argentinier ihrerseits ebenfalls eine Kiste mit Leckereien zusammengestellt …