Vom Prinzip her ist es wieder eine ähnliche Tour, aber selbst wenn man die gleichen Anlandestellen besucht, sorgen Wetter, Licht, Tiere und Zeit für komplett andere Eindrücke. Ich hab's noch nicht erlebt, dass ich das Gefühl hatte, "zweimal das Gleiche" gemacht zu haben …
Wir sind also wieder zur Antarktischen Halbinsel unterwegs. Diesmal führt uns eine der ersten Anlandungen auf die kleine Insel Cuverville. Das felsige, größtenteils vergletscherte Inselchen liegt im Errera Channel, ein landschaftlich wunderschöner kleiner Durchlass direkt an der Westseite der Antarktischen Halbinsel.
Es liegt noch viel Schnee, und der ist so tief, dass wir an der Anlandestelle die Schneeschuhe ausgeben – damit geht es sich viel leichter, weil man kaum einsinkt, und außerdem verursachen unsere Gummistiefel dann keine tiefen Löcher, in die Pinguine hineinfallen könnten. Einer der Guides spurt den Hang hinauf, alle anderen folgen im Gänsemarsch. Die ungewohnte Gangart sorgt für viel Heiterkeit und Gelächter, auch für die eine oder andere Slapstick-Einlage.
Cuverville Island, Aufstieg mit Schneeschuhen
Am Nachmittag geht es weiter, wir sind erneut in der Paradise Bay zu Gast. Die eine Hälfte der Gäste landet an der Station Brown an, die andere Hälfte nehmen wir mit zur Schlauchbootrundfahrt in der Bucht. Nach einer Weile wird getauscht.
Zodiac Cruise, Paradise Bay
Das Wetter ist gut, kaum Wind, Wolken und Sonne, alles bestens. Und ja, natürlich sind auch die Eisberge da mit ihren verrückten Formen und allen Schattierungen von Weiß und Blau – und mit den Spiegelungen …
Wer gedacht hatte, dass es das für heute schon war: denkste! Nach dem Abendessen macht sich eine kleine Gruppe Abenteuerlustiger auf, um auf einer winzigen Insel zu übernachten – mitten in der Wunderwelt der Antarktis. Die Campingnächte gehören auf manchen Touren zum Angebot, und zwei Guides begleiten die Gäste. Jeder trägt einen wasserdichten Sack mit Isomatte, Schlafsäcken, Biwaksack und Inlett, und an Land geht es dann erstmal darum, einen Schlafplatz zu finden und dort die Einzelteile zu einem funktionierenden Ganzen ineinanderzustecken. Es ist immer ein Riesen-Hallo, die Gäste sind mindestens so neugierig wie unsicher und begeistert, aber mit ein bisschen Hilfe haben dann alle ihre Behausungen für die Nacht ausgelegt. Es wird auch nachts nicht dunkel, sodass man sehen kann, wo man hinsteigt, und für dringende Bedürfnisse steht unten an der Landestelle ein Camping-WC.
Die Gletscher rumpeln um uns herum, Küstenseeschwalben keckern, ansonsten ist es still. Die
Plancius liegt unterdessen weit draußen vor Anker.
Einheimischer Wächter in der Camping-Nacht
Ich hatte auf schönes Licht gehofft, wie ich es an dieser Stelle schon einmal hatte, aber es hat sich zugezogen und fängt in der Nacht sachte an zu schneien. Am frühen Morgen kommt uns das Schiff abholen. Viel geschlafen habe ich nicht, weil es viel zu schön ist, der Natur zuzuhören und über die Schläfer zu blicken, die nie gedacht hätten, dass man in den dicken Schlafsäcken selbst inmitten von Schnee und Eis selig schlummert, aber für mich sind diese Campingnächte immer wieder etwas ganz Besonderes. (Wer mal die Chance hat: unbedingt machen!)
LG Sandra