Gibst du noch Infos wie du zu dieser Reise kamst? Auch Anreise etc..
Also, einfache Internetrecherche, Empfehlung, evtl. irgendein Verband, Kosten?
Danke! Auch für die teilweise atemberaubenden Bilder.
Meddi
Meddi,
ich arbeite als Guide auf den Expeditionskreuzfahrtschiffen, vor allem auf der Plancius und der Ortelius von Oceanwide Expeditions. Das Expeditionsteam organisiert das Reiseprogramm und führt die Landgänge durch, begleitet die Gäste, bringt ihnen nahe, was sie sehen, erklärt Land und Tierleben, fährt Schlauchboot und passt auf, dass niemand heimlich einen Pinguin mitgehen lässt
Meine erste Begegnung mit der Antarktis hatte ich aber als Gast auf dem Schiff, und damit zu Deiner Frage, wie man zu einer solchen Reise kommt: Es gibt verschiedene Reedereien, die sowas anbieten – die Antarktis ist schon aufgrund der Vorschriften keine Region für individuelle Touren (es sei denn, man ist Millionär). Die Schiffe und die Routen unterscheiden sich etwas, aber im Grunde genommen bilden die Reisen zur Antarktischen Halbinsel – so wie hier beschrieben – das Basisprogramm aller Schiffe. Es geht von Ushuaia, seltener auch vom chilenischen Punta Arenas über die Drake Passage zur Antarktischen Halbinsel. Die Touren dauern meist 10 bis 12 Tage ab/an Hafen.
Dann gibt es Reisen, die in andere Regionen der Antarktis oder auch zu den subantarktischen Inseln wie Südgeorgien führen, aber das ist vielleicht ein Thema für einen späteren Post.
Die Halbinsel-Touren zählen zu den günstigsten Möglichkeiten, die Antarktis zu besuchen, sind allerdings nicht wirklich billig (aber jeden Euro wert). In der Viererkabine ist man für die kürzesten Touren mit etwa 5000 Euro dabei (plus Flug und empfehlenswerter Übernachtung in Ushuaia). Freundlicherweise hat frankolas ja schon zum Reiseveranstalter DIAMIR verlinkt, für den ich Fotoreisen leite, unter anderem in die
Antarktis – dort findest Du die Touren aufgelistet. (Weitere Fragen beantworte ich gerne per PN.)
Was wichtig ist: Den meisten Interessenten ist nicht bewusst, dass die Schiffsgröße – also die Zahl der Passagiere – eine entscheidende Rolle spielt. In der Antarktis dürfen maximal 100 Personen zur gleichen Zeit anlanden. Das heißt, bei einem Schiff mit 150 oder 200 Passagieren muss man das in zwei Schichten machen. Die Gesamtzeit pro Schiff und Landestelle ist aber immer gleich. Wenn ich also insgesamt vier Stunden an einem Ort habe (weil sich nie zwei Schiffe eine Landestelle teilen – das wird so ausgetüftelt, dass es passt), kann ich auf einem größeren Schiff als Passagier nur maximal zwei Stunden an Land bleiben, weil ich nach der Hälfte der Zeit zurück muss, um der anderen Hälfte der Passagiere die Landung zu ermöglichen. Kleine Schiffe haben da einen entscheidenden Vorteil: Bei rund 100 Passagieren wie unter anderem bei der Ortelius und der Plancius können alle gleichzeitig ausgebootet werden und an Land gehen – man hat also deutlich mehr Zeit zur Verfügung. Ich finde das wichtig, auch wenn die Antarktis keine zwei Stunden braucht, um einen zu überwältigen, aber das ist eine andere Geschichte
Ich persönlich würde mir, wenn ich zur Antarktischen Halbinsel will, eine möglichst lange Tour aussuchen – also lieber 11 oder 12 Tage statt 10. Der Preisunterschied ist nicht so heftig, und man ist ohnehin schon lange unterwegs, um überhaupt nach Ushuaia zu kommen. Je mehr Zeit für die Antarktis, desto besser. Kabinentechnisch sind die geteilten Vierer- oder Dreier-Kabinen völlig ausreichend, wenn es für einen selbst in Frage kommt, mit fremden Menschen auf engem Raum zusammenzuleben – aber es ist ja nicht für Monate. Man verbringt außer zum Schlafen und Duschen nicht viel Zeit in der Kabine, sondern entweder an Deck, in der Lounge oder auf der Brücke. Das Naturerlebnis steht im Mittelpunkt, der Umgang ist leger, Wanderhose und Fleecejacke bzw. Gore-Tex-Jacke sind die Standardklamotten. Die meisten Trips sind international – Englisch ist die Bordsprache, es gibt aber auch deutschsprachig begleitete Touren. Gummistiefel werden kostenfrei an Bord zur Verfügung gestellt.
Das Expeditionsteam besteht üblicherweise aus Biologen, Geologen, Geografen, Historikern und ein paar Generalisten; während der Fahrt werden Vorträge angeboten zu allen möglichen Themen, von Pinguinen, Robben und Walen über Eis und Gletscher, Geologie und Geschichte bis hin zu Fotografie. Das heißt, die Zeit in der Drake Passage wird schon gut genutzt, und man kommt informiert in der Antarktis an. An Land geht's per Schlauchboot, und mitunter sind auch Schlauchboot-Panoramafahrten (zodiac cruises) möglich, dann geht es meist an Gletschern entlang und zwischen Eisbergen durch. Die Buchten der Antarktischen Halbinsel eignen sich perfekt für sowas.
Wer's ein bisschen aktiver mag, kann sich für Abfahrten mit Kajak-Option oder für eine Campingnacht an Land entscheiden (unbedingt empfehlenswert!). Es gibt auch Termine mit explizit ausgeschriebenen Bergtouren oder Gelegenheit zum Tauchen (ausschließlich für erfahrene Kaltwassertaucher!).
Noch ein Wort zur Anreise: Die erfolgt üblicherweise über Buenos Aires nach Ushuaia per Flug. Lufthansa fliegt direkt von Frankfurt nach Buenos Aires (13 Stunden), von dort sind es noch einmal drei Stunden bis Ushuaia. Alternativ kann man auch mit der LAN über Madrid fliegen. Es empfiehlt sich, in Ushuaia eine oder zwei Nächte zu übernachten – zum einen, um sich zu akklimatisieren nach dem doch recht langen Flug, zum anderen, um möglichen Problemen bei Flugverspätungen oder Gepäckverschwinden aus dem Weg zu gehen. Und Ushuaia ist nun wirklich ein schönes Ende der Welt, da gibt es genug zu sehen für ein paar Tage.
So, ich glaub, das war das Wesentliche in Kurzform … Bei Fragen: fragen, gern auch per PN.
LG Sandra