Ich habe mir etwas Zeit gelassen, weil ich eure Beiträge erst mal im Kopf sortieren musste. Ganz ehrlich: Aus den bisherigen Antworten könnte man vermutlich mindestens drei neue Diskussionsthreads machen
Ein Gedanke ist mir durch den Kopf gegangen, auch ausgelöst durch Giantys Frage, von welchen Bildern wir eigentlich sprechen: Vielleicht behandeln wir gerade sehr unterschiedliche Bildarten so, als wären sie dasselbe.
Wenn ich ein Landschaftsbild bearbeite, ein Composing erstelle oder ein Bild als Kunstwerk verstehe, dann habe ich persönlich wenig Probleme damit, wenn die Realität verändert oder sogar komplett neu erschaffen wird. Das Bild soll in diesem Fall nicht unbedingt etwas belegen. Es soll vielleicht berühren, faszinieren, unterhalten oder eine Idee transportieren.
Anders wird es für mich bei Bildern, die den Anspruch erheben, etwas zu dokumentieren. Ein Pressefoto, eine Reportage. Ein Foto, das als Beleg für ein Ereignis dient oder für die Nachwelt festhalten soll, was tatsächlich geschehen ist (Hochzeit im Regen, z.B.). Dann geht es für mich nicht mehr um Bildgestaltung oder Kreativität. Dann geht es um den Zweck des Bildes.
Und vielleicht diskutieren wir deshalb auch zu viel über die Technik und zu wenig über ihren Einsatz. Ob Belichtungsmessung, Autofokus, Rauschreduzierung oder Motivverfolgung nun als KI bezeichnet werden können oder nicht, finde ich ehrlich gesagt zweitrangig.
Entscheidend erscheint mir etwas anderes: Wofür wird die Technik eingesetzt?
Bildmanipulation gab es schon lange vor KI. Darüber sind wir uns ja einig. Der Unterschied könnte sein, dass solche Manipulationen früher meist aufwendig waren. Früher musste jemand ein Bild manipulieren können (Fachwissen, Zeit, technischer Aufwand). Heute muss jemand nur noch beschreiben können, was er sehen möchte. Es genügen ein paar Prompts.
Ob uns das tatsächlich überrollen wird, weiß ich nicht. Vielleicht unterschätze ich die Medienkompetenz der Menschen. Vielleicht überschätze ich auch die Fähigkeiten aktueller Systeme.