Eine aktuelle Pressemitteilung des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG) hat mich diese Woche zum Nachdenken gebracht. Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften beschäftigt sich das Institut unter anderem mit Deepfakes und synthetischen Medien.

Fotografie als Zeugenschaft: Was bleibt von dieser Idee, wenn Bilder ohne Kamera entstehen können? (KI-generiertes Symbolbild (sic!) )
Eigentlich kein neues Thema. Und doch blieb bei mir nach dem Lesen eine Frage hängen:
Was passiert eigentlich mit einer Bildgattung, deren größte Stärke seit fast 200 Jahren darin bestand, Zeugnis von der Realität abzulegen?
Natürlich war Fotografie nie objektiv. Perspektive, Ausschnitt, Brennweite oder Bildbearbeitung beeinflussen unsere Wahrnehmung. Dennoch gab es immer eine grundlegende Vereinbarung zwischen Bildautor:innen und Betrachter:innen:
Das Gezeigte hat sich tatsächlich vor einer Kamera befunden. Es hat stattgefunden.
Genau deshalb besitzen Fotografien eine besondere Glaubwürdigkeit. Sie zeigen nicht nur etwas. Sie bezeugen etwas.
Wenn über KI-Bilder diskutiert wird, landet man häufig bei der Frage, ob das noch Kunst oder noch Fotografie ist. Ich glaube inzwischen, dass das gar nicht die entscheidende Frage ist. Zum ersten Mal entstehen heute massenhaft Bilder, ohne dass dafür überhaupt eine Kamera benötigt wird. Damit trennen sich zwei Eigenschaften, die bislang fast selbstverständlich zusammengehörten: das Bild als visuelles Ergebnis und das Bild als Dokument einer realen Situation.
Eine KI kann eine Szene erzeugen. Sie kann aber nicht Zeugin eines Ereignisses sein.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass die eigentliche Stärke der Fotografie nie ihre technische Perfektion war. Sondern die Tatsache, dass jemand tatsächlich dort war. Deshalb bleibt für mich am Ende vor allem eine Frage:
Wie erkennen wir künftig, welchen Bildern wir vertrauen können?
Eure Meinung?
Wird die Rolle der Fotografie als Zeugin der Realität durch KI geschwächt – oder vielleicht sogar wertvoller als je zuvor? Brauchen wir künftig stärkere Nachweise für die Echtheit dokumentarischer Fotografien?Hinweis
Wer morgen in Berlin ist und Lust hat, sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen: Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) beteiligt sich an der Langen Nacht der Wissenschaften mit Vorträgen und Diskussionen rund um Deepfakes, KI und digitale Gesellschaft. Der Eintritt kostet 7,50 Euro.Weitere Informationen:
Was unterm Strich noch an Wahrheit bleibt, ist aktuell schon nicht mehr in allen Fällen sicher festzustellen.
Momentan geht es noch um Meinungshoheit. In Zukunft wird die Realität vielleicht von Politik und einzelnen Konzernen sowie Interessensverbänden vorgegeben. Wird spannend werden.