Die Angelegenheit ist viel komplizierter,
als sie auf ersten Blick aussieht …
Ich habe mich über eine halbe Stunde
intensiv mit dem Bild beschäftigt und
zwar mit der großen Datei.
Das Ergebnis ist folgende Analyse:
1. Das Bild hat einen historischen Look,
der durch Körnigkeit simuliert wird.
2. Die Körnung soll den Einsatz eines
höchstempfindlichen Films suggerieren.
3. Der historische Look wird gleichzeitig
mittels durchgängiger Unschärfe betont.
Intermezzo I.:
… ich bin kein freund von digitalen bildern die nachtraeglich auf analog getrimmt werden. …
Einem guten Bild ist egal, wie es
entstanden ist. Dieses Bild ist ein
gutes Bild.
Intermezzo II.:
… wenn dir der bildlook so gefaellt, ist's auch ok. da gibt's ja kein falsch oder richtig.
In der Tat, so ist es …
Denn wie heißt es so schön:
Beauty lies in the eye of the beholder.
Intermezzo III.:
...Das ist kein Bild mehr, das ist Matsch.
Drastisch, aber leider wahr. …heul:
Wie meine technische Analyse zeigt:
4. Die Simulation des Filmkorns wirkt
nur oberflächlich überzeugend und echt.
5. In der 100%-Ansicht wirkt die Struktur
des Bildes wie ein Low-ISO-Film, also
au contraire zum visuellen Eindruck.
6. Richtig auffällig wird diese Diskrepanz,
wenn man das Bild mit dem Scan eines
Analog-Negativs (1600 ISO) vergleicht.
7. Mit zunehmender Vergrößerung werden
die Unterschiede drastisch deutlicher –
wo der Negativ-Scan klar erkennbare Pixel
als grau abgestufte Quadrate zeigt, bietet
das Digital-Bild nur diffusen Matsch.
8. Diese Matsch-Struktur bestimmt aber als
Subkontext die Anmutung des Bildes und
führt zu dem, was man auch als kognitive
Dissonanz bezeichnen könnte. Die Folge ist
eine visuelle Irritation, weil die technische
Realisation und die fotografische Intention
nicht miteinander harmonieren.
Intermezzo IV.:
…wenn schon analoges feeling, dann auch authentisch und nicht so.
Aus o.g. technischer Analyse folgt m.E.,
daß für einen authentischen Analog-Look
weitere EBV erforderlich ist, wie z.B. eine
Pixelierung:
100%-Ausschnitt: oben Original, unten Pixelierung
Entscheidend dabei ist, daß sich nur der
Subkontext der Anmutung ändert, nicht aber
die Auflösung und Druckqualität des Bildes:
Verkleinertes, pixeliertes Bild vom Original
Ich hoffe, daß mein Exkurs verständlich
und nachvollziehbar ist.
Abschließende Bemerkung:
Mir gefällt das Bild, Mark, auch wenn ich
das Seitenverhältnis von 2,42 etwas apart
finde – 2,5 wäre drucktechnisch besser.