Zu Besuch beim Kakao

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ARBEITEN IM FELD - DIE PRODUKTION
(‚Trabalhos na roça – a produção‘)






DIE KAKAOERNTE
(‚A colheita de cacau’)


Die Haupternte des Kakaos findet im September statt, dennoch ernten die Arbeiter das
ganze Jahr über reife Früchte, und dies tun sie nach wie vor von Hand: mit einem sehr
scharfen Messer an einem langen Holzstab schneiden sie die reifen Früchte mit einem
schnellen Schnitt am Stiel vom Stamm; aber auch herkömmliche Gartenscheren finden ihren
Einsatz.

Geerntet wird dabei immer zu zweit: einer trennt die Früchte ab, der andere sammelt sie
auf und bildet einen großen Haufen. Ebenso öffnen die beiden gemeinsam die Kakaofrüchte
sofort nach dem Sammeln an Ort und Stelle, um ein Keimen der Samen in der Frucht zu
verhindern.







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Kakaoernte mit dem langen Messer, dem ‚podão‘










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Kakaoernte (‚colheita do cacau‘)










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Kakaoernte











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Kakaoernte mit der Gartenschere











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Auflesen des Kakaos bei der Kakaoernte (‚bandeirar o cacau‘)











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Kakaohaufen (‚pilha de cacau‘): Hier sieht man rechts unten ein paar vom Pilzschädling ‚vassoura-de-bruxa‘ befallene Früchte.





 
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Hallo Jochen!

Das ist mal eine wirklich richtig tolle Reportage - in Bild und Wort!

Vielen Dank dafür!



Viele Grüße, Sylvia​
 
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....eine sehr spannende, in Wort und Bild wunderbare und informative Reportage....:up::up::up:
 
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Hallo Jochen,

vielen Dank für die tollen Bilder und die super Erläuterungen rund um den Kakao. So wird Wissen schön plastisch vermittelt. Da könnten sich manche Lehrer eine Scheibe von abschneiden.:up:
 
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Einfach toll! Da werden einem förmlich die Augen geöffnet, was man alles nicht weiß. Sehr anschauliche Bilder mit super-informativem Text. Besser kann man dies Thema nicht abhandeln.
 
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KAKAO SCHÄLEN
(‚Quebrar cacau‘)




Nach der Ernte machen sich beide sofort daran, die Kakaofrüchte zu öffnen und die Samen
herauszuholen. Der Eine, ‚o quebrador‘ (der Brecher), öffnet die Früchte mit einem
herzhaften, schrägen Schnitt unterhalb des Stiels. Den größeren oberen Teil der Frucht
gibt er seinem Kollegen, ‚o tirador‘ (der Zieher), der mit Daumen und Zeigefinger die
Kakaosamen aus der Schale pult. Den verbleibenden Teil der Frucht müsse er selbst leeren,
sollten sich noch Samen darin befinden – dies sei eine uralte, eherne Regel, erklärt mir
der ‚tirador‘ nebenbei.

Von den Arbeitern der Farm besitzt fast jeder einen Hund als treuen Begleiter. Eigentlich
sei es nicht erlaubt, die Hunde zur Arbeit ins Feld mitzunehmen, trotzdem war immer
mindestens ein Hund mit dabei. :)






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Kakaoernte: Kakao öffnen - Hunde sind immer mit dabei.









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Kakaoernte: Kakao öffnen









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Öffnen der Kakaofrüchte, Detail








Das Fruchtfleisch schmeckt süßlich, lecker und erfrischend und deshalb lutschen
die Arbeiter die Kakaosamen mit ihrem Fruchtfleisch auch sehr gerne.








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Kakaoernte – Gerne werden die Kakaosamen gelutscht










Sehr beliebt, oder besser: noch beliebter ist bei den Arbeitern ein Saft, den sie „Kakao-
Honig“ (‚mel de cacau‘) nennen: Sie pressen vor dem Abtransport der Kakaosamen den
nahrhaften, super-süßen Saft aus dem frischen Fruchtfleisch, und trinken ihn noch vor Ort.
Natürlich lassen sie mich diesen Kakao-Honig versuchen und warnen mich dabei verschmitzt
lachend: „Achtung, das Zeug ist nicht nur sehr lecker, es ist auch ein Aphrodisiakum“.

Es ist eine Herausforderung, den beiden (‚quebrador‘ und ‚tirador‘) etwas von ihrem
„Kakao-Honig“ abzuluchsen. Mehrfach ist es gelungen ...







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Frisch geschälter Kakao (‚cacau mole‘)








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Gewinnung von „Kakao-Honig“ (‚mel do cacau‘), mit Plastikfolie und Mulde








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Gewinnung von „Kakao-Honig“, mit Stein und Brett zum Auspressen








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Raub des „Kakao-Honigs“ I: Eine kleine Unaufmerksamkeit der beiden wird gnadenlos ausgenutzt ...








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Raub des „Kakao-Honigs“ II: wieder nicht aufgepasst!






 
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KAKAOTRANSPORT
(‚Transporte de cacau‘)



Everaldo ist ein ‚tropeiro‘ – ein Viehtreiber. Als solcher ist er für die Maultier-Herde
(‚a tropa‘) verantwortlich - und somit auch für den Transport des Kakaos. Er holt den
frischen, weichen Kakao von der Plantge ab und bringt die Ladung in Körben direkt
zum Fermentierungshaus auf der Fazenda.








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Everaldo, der Viehtreiber, holt den frischen Kakao vom Feld











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Der Maultier-Zug in der Plantage












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Der Muli-Zug bringt den Kakao













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Ankunft des Kakaos (‚chegada do cacau‘)













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Dienstältester der Truppe, etwas geschafft (mein Lieblingsmaulesel)













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Fridundino, ‚tropeiro‘




 
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DIE FERMENTIERUNG
(‚A fermentação‘)




Sofort wenn Everaldo mit seiner ‚tropa‘ und dem Kakao in der Fazenda ankommt, sind die
Arbeiter zur Stelle und verladen die schweren Körbe mit den frischen Kakaosamen von den
Mulis in die Behälter im Fermentierungshaus.







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Im Fermentierhaus (‚casa de fermentação‘)









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Manuel ist einer der ‚barcaceiros‘ der Farm. Ein ‚barcaceiro‘ ist verantwortlich für
das Fermentieren und Trocknen des Kakaos (in sog. ‚barcaças‘, daher der Name).





Ab jetzt kümmert sich der ‚barcaceiro‘ um den Kakao. Einer dieser ‚barcaceiros‘ ist
Manuel, wir kennen ihn bereits vom Beginn der Reportage. Seine Aufgabe ist es, darauf
zu achten, dass die Kakaosamen richtig fermentieren und danach gut trocknen. Die Samen
fermentieren eine Woche lang in ihren Behältern, wobei Manuel streng darauf achtet,
sie nicht mit ‚älteren‘ oder ‚frischeren‘ Samen zu vermischen, da die Fermentierungs-
zustände zu unterschiedlich wären.

Zwischen zwei Behältern mit derselben Nummer schaufelt er aus diesem Grund die Kakao-
samen während des gesamten Prozesses 3-4 Mal hin- und her. "Dadurch wird verhindert,
dass sich Schimmel bilden kann", erklärt Manuel.






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Manuel öffnet den Fermentierungsbehälter






Beim Hin- und Herschaufeln gerät Manuel ins Schwitzen, denn die Kakaosamen sind in
ihrem Fruchtfleisch noch sehr schwer. Außerdem entsteht bei der Fermentierung – neben
einem strengen, süßlich-säuerlichen Geruch – durch die Bioreaktion zusätzlich eine
Wärme bis zu 60° Celsius: das zuckerhaltige Fruchtfleisch zersetzt sich und löst sich
mit der Zeit fast vollständig von den Samen ab.

Diese verlieren beim Fermentieren ihre Keimfähigkeit und werden somit lagerfähig. Sie
färben sich braun, bauen einen Teil ihrer Bitterstoffe ab und beginnen, ihren typischen,
leckeren schokoladigen Geschmak auszubilden. Nach dem Fermentierungsprozess heißen die
Kakaosamen dann Kakaobohnen (‚amêndoas de cacau‘).








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Manuel schichtet den Kakao um. Dies dient der Vermeidung von Schimmelbildung während der Fermentierung.







 
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Hallo Jochen,

deine Reportage ist wirklich ein "echte" Reportage!
Ein wunderbarer Text ist mit prima Bildern verzahnt und synchronisiert - Respekt.

Ich lese und schaue mit Genuß und freue mich über die Weiterführung :)

Viele Grüße,
Jochen
 
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DIE BARKASSEN
(‚As barcaças‘)



Die Wohnhäuser der Arbeiter haben auf ihrem Dach eine sogenannte ‚Barkasse‘ (‚barcaça‘):
Ein Wellblechdach kann auf Schienen komplett zurückgeschoben werden, und auf der frei
werdenden Holzfläche trocknet der Kakao dann in der Sonne. Nachts und bei Regen schließen
die ‚barcaceiros‘ ihre Barkassen.





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Wohnhaus mit ‚Barkasse‘: In der Regenzeit werden die Fenster gern mit Planen abgehängt. Hunde wärmen sich nach dem Regen in der Sonne.








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In der ‚Barkasse‘ (barcaça) säubert Manuel den trocknenden Kakao.









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Haus mit ‚Barkasse‘: Die Schienenkonstruktion des Daches hinter den Häusern.









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Die ‚Barkassen‘ von hinten





 
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KAKAO TRETEN
(‚Pisar cacau‘)





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Narcísio (‚barcaceiro‘)




Narcísio – und das ist kein Spitzname! – ist ein weiterer ‚barcaçeiro‘. Vor dem Trocknen ‚tritt‘
er mit rythmischen Bewegungen und nackten Füßen auf die Kakaobohnen. Zuvor schiebt er sie
zu einem kleinen Haufen zusammen und feuchtet sie leicht an. Dann beginnt er, auf den
unteren Bohnen rythmisch im Kreis herum mit den Füßen zu treten – das macht er stundenlang
und baut dabei langsam den Haufen ab - es sieht aus, als würde er ohne Musik tanzen. Durch
die Reibung seiner Bewegungen und den Druck auf die Bohnen reibt er die getrockneten Reste
des vergärten Fruchtfleisches ab und verhindert damit eine spätere Schimmelbildung, die bei
der vorherrschenden Wärme und Feuchtigkeit sehr schnell entsteht.






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Der Kakao wird zu kleineren Haufen zusammengeschoben











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Kakao treten (‚pisar cacau‘)













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"... auf dem Kakao tanzen ..."



"... ausgebreitet in den Barkassen, trocknete der Kakao in der Sonne. Auch dort tanzten
wir auf ihm und sangen dabei. Unsere Füße waren platt und unsere Zehen gespreizt. Nach
acht Tagen waren die Kakaobohnen schwarz und sie rochen nach Schokolade."
(aus: Jorge Amado, Kakao)









 
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KAKAO TROCKNEN
(‘Secar cacau’)




Die Kakaobohnen enthalten nach der Fermentierung noch ungefähr 60% Wasser. Um sie haltbar
zu machen, legen die ‚barcaceiros‘ sie ungefähr eine Woche lang in der Barkasse aus und
trocknen sie unter der Sonne; in der Regenzeit behelfen sie sich mit einem Warmluftofen.

Da die Kakaobohnen direkt nach der Fermentierung noch weich und glitschig ist, wendet
Manuel die Bohnen am Anfang des Prozesses, indem er mit den Füßen durch die rutschige
Masse ‚pflügt‘. Auf diese Weise wendet Manuel die Kakaobohnen immer wieder, den ganzen
Tag. Während des Trocknens reduziert sich das Gewicht der Bohnen um mehr als die Hälfte
und ihr Wassergehalt sinkt auf ca. 5 bis 7%.







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Kakao trocknen (‚secar cacau‘)










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Kakao trocknen







Wenn insgesamt alles richtig gemacht wird, von der Auswahl der richtigen Früchte (Sorte,
Reifegrad) bis zum Trocknen ohne Schimmelbildung – erhält man, so wie hier, einen Edelkakao
(‚cacau fino‘) - die Kakaosorte alleine reicht dazu noch nicht ausm auch wenn uns die Werbung
dies oft glauben machen möchte.









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Kakao trocknen









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Kakao wenden










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Kakao wenden (‚revolver cacau‘)










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Kakao wenden









„Duft des Kakaos: tanzend im Takt der Trommel,
verströmt er sein verschwenderisches Aroma.”
(Aztekischer Dichter)





 
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DIE KAKAOBOHNE
(‚A amêndoa de cacau‘)




Bei der Trocknung bekommen die Bohnen ihre typische, braune bis dunkelbraune Färbung
und das leckere, schokoladige Aroma bildet sich aus. Gleichzeitig verlieren sie einen
Teil ihres bitteren Geschmacks. Als Inhaltsstoffe der Bohnen sind u.a. Fett (über
50 %!), Stärke (7 %), Eiweiße (12 %), Theobromin und auch Coffein zu nennen.






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Trocknende Kakaobohnen










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Längsschnitt durch eine Kakaobohne. Den hohen Fettanteil kann man deutlich sehen.










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Poster „Kakaobohnen“ (Poster „Amêndoas de Cacau“)










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Kakaolager (‚armazém do cacau‘). Gelagert werden die Kakaobohnen in Jute- oder Plastiksäcken.








 
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ARBEITEN IM FELD – DIE PFLEGE
(‚Trabalhos na roça – a manutenção’)





Auch wenn die Arbeit morgens offiziell um 7.00 Uhr beginnt, ist Osmundo meistens
schon ab 6.30 Uhr, immer irgend etwas hantierend, auf dem Hauptplatz der Farm zu
finden. Osmundo ist einer der vier Vorarbeiter (‚fiscal‘) der Farm und der lebende
Beweis für brasilianischen Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

Er weiß, dass eine gute Pflege und Weiterentwicklung der Kakaoplantage sehr
arbeitsintensiv, aber ebenso wichtig für die Produktivität und die Bekämpfung des
Pilzschädlings ‚vassoura-de-ruxa‘ und anderer Plagen ist. Bei den wichtigsten
Arbeiten im Feld konnte ich Osmundo begleiten: "Ja klar, du kannst doch nicht hier
wieder weggehen, ohne alles kennengelernt, fotografiert und aufgeschrieben zu
haben!"







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Mulchen (‚Cobertura-morta‘)






Beim Mulchen (‚cobertura-morta‘) plaziert Osmundo halbierte Bananenstämme (mulch = engl.
für unverrottetes organisches Material) um einen Kakaobaum. Dabei erklärt er: "Bananen
haben einen riesigen Wasserspeicher, der den Kakaobaum zusätzlich bewässert und außerdem
störendes Wachstum von neuem Gras verhindert. Deshalb heißt diese Methode ‚cobertura-
morta‘!). Zusätzlich schützen die Bananenstämme die Pflanze vor Insekten und Schädlingen."









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„Fliegennest“ (‚Ninho de mosca‘)




Als Osmundo dann einen Bananenstamm in Scheiben schneidet und diese um einen Kakaobaum
herum legt, nennt er dies „Fliegennest“ (‚ninho de mosca‘): Die Wirkung sei dieselbe wie
beim Mulchen, nur dass hierduch zusätzlich die kleine Mücke angelockt werde, die dann die
Kakaoblüten bestäubt. "Sie liebt besonders den Strunk des Bananenstamms. Auf diese Weise
erhöhen wir die natürliche Bestäubung und somit die Produktivität der Kakaobäume."









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„Hinführung der Wurzel“ (‚indução de raiz‘)




Es ist beeindruckend, mit welcher Präzision Osmundo seine Machete einsetzt. Das Stück des
Bananenstammes für die Methode der „Hinführung der Wurzel“ (‚indução de raiz') passt
haarscharf auf den ersten Schlag.

Diese Maßnahme hilft einem Ast, der mit der Pfropfen-Veredelungsmethode (s. weiter unten)
neu angesetzt wird , schneller eigene Wurzeln zu schlagen und zu wachsen. Dazu presst
Osmundo das abgeschlagene Stück des Bananenstamm unter den neu angewachsenen
Ast. Der neue Ast nutzt nun den Bananenstamm, um eigene Wurzeln schneller in die Erde
zu treiben. Sobald der neue Ast beginnt, Früchte zu tragen, wird der alte Baum
abgesägt.








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„Hinführung der Wurzel“: Beispiel eines Ergenbisses dieser Methode








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Osmundo pflanzt einen Kakaobaum




Wenn Osmundo Kakao-Setzlinge neu pflanzt, nimmt er grundsätzlich die Kakao-Sorten, die
widerstandsfähiger gegen die ‚vassoura-de-bruxa‘ sind als andere Sorten. Zusätzlich düngt
und mischt er vorher die Erde, giesst die neue Pflanze und legt einen kleinen Mulch und
erklärt: "Wenn ich will, dass aus meinem Sohn einmal etwas Vernünftiges werden kann,
muss ich ihm schon in der Kindheit alle Chancen dazu eröffnen, nicht?".






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Frisch gepflanzter Kakaobaum mit kleinem Mulch








DIE VEREDELUNG


Osmundo und seine Kollegen der Fazenda Boa Sentença arbeiten intensiv mit der Veredelungs-
methode "Pfropfen" (‚metodo de enxertia‘). Diese Tätigkeit ist existentiell bei der
Bekämpfung des Pilz-Schädlings ‚vassoura-de-bruxa‘, der der Kakaoproduktion Brasiliens
so sehr zugesetzt hat. Osmundo ersetzt mit dieser Methode vom Pilz befallene, aber
auch sonst schlecht produzierende Bäume, durch restistentere, gesunde Sorten: "Wir
setzen einfach einen produktiven Ast eines anderen, gesunden Baumes an den Stamm
eines befallenen oder schlecht produzierenden Baumes an."






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Poster: Veredelungsmethode Pfropfen (‚Metodo de enxertia‘)






Osmundo ritzt die Rinde des befallenen Baumes vorsichtig an, öffnet sie leicht und setzt
dann den schräg angeschnittenen Ast in die Schnittstelle ein. Mit dem hohem Druck eines
fest zugeschnürten Plastikbandes presst er den neuen Ast fest an die Nahtstelle. "Den
neuen Ast müssen wir mit einer kleinen Plastiktüte abdecken, damit darunter die nötige
Feuchtigkeit und Wärme entstehen kann", erklärt er. Als letzten Schritt schützt er aber
dann die Nahtstelle vor zu starker, direkter Sonneneinstrahlung mit einem alten Blatt, da
der neue Ast sonst verbrennen würde. Innerhalb von ca. 3-4 Wochen wächst der neue
Ast an.






 
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Jochen, so eine toll bebilderte und geschriebene Reportage!

Eigentlich viel zu schade, sie nur im Internet zu präsentieren (mich freut es natürlich!)
Oder gab es schon andersartige Veröffentlichungen?
Gar in Buchform?
Verdient hättne es Deine Reportagen auf alle Fälle! :winner:
 
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Hallo Elmar,

vielen Dank Dir und allen anderen für Eure netten Kommentare. Die Reportage ist Prinzip ein "Nebenprodukt" eines schönen Auftrages für eine Ausstellung. Natürlich wäre eine weitere Veröffentlichung eine schöne Sache. Wer also einen Verlag kennt, gerne ... :)

Viele Grüße,
Jochen


Ach ja: gleich wird es noch ein wenig schokoladig ...!
 
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KLASSIFIKATION (hier: Schnittprobe)
(‚Classificação (aqui: prova de corte’))




Überall, wo Kakao verkauft wird, muss er auch bewertet werden. Dies geschieht mittels
der Klassifikation: Die Kakaobohnen werden durch eine Schnittprobe, eine Feuchtigkeits-
messung und eine geschmackliche Bewertung analysiert. Für die Schnittprobe schneidet ein
‚classificador‘ 300 Kakaobohnen der Länge nach auf und legt die Hälften in die Mulden der
Klassifikationstafel. Mit Hilfe dieser Schnittprobe werden Defekte wie z.B. Schimmel-
bildung, Insektenschäden, gekeimte oder z.B. plattgedrückte Bohnen erkannt und der
Kakao in entsprechende Güteklassen eingeteilt.




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Klassifikation der Kakaobohnen








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Schokolade ist wundebar: mild, sinnlich, tief, dunkel, üppig, befriedigend,
potent, massiv, cremig, verführerisch, anregend, prachtvoll, exzessiv, seidig,
glatt, luxuriös, himmlisch. Schokolade ist Ruin, Glück, Vergnügen, Extase,
Phanatsie … Schokolade lässt uns sündigen, macht uns gesund, elegant
und glücklich.
(Elaine Sherman)


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