... Wo ist bei Euch die Grenze und besteht nicht die Gefahr, dass auf der Jagd nach dem perfekten Bild nur noch Illusionen präsentiert werden?
Gruß Peter
Designtheoretisch:
Jedes Foto ist eine Illusion. Es gaukelt uns vor, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendetwas so war, wie es auf dem Foto zu sehen ist. An einem Foto sind mehr oder weniger bewusst gewählt: Motiv, Zeitpunkt, Ausschnitt, Standpunkt, Licht, alle Belichtungsparameter (Schärfe, Unschärfe, Bewegungsunschärfe etc), alle Parameter der Wiedergabe (color, sw, Korn etc.).
Da von Realismus zu sprechen, halte ich für naiv. Ob ich die Stromleitung vor dem Haus wegretuschiere (wird gemacht seit es Fotos und Stromleitungen gibt), warte, bis sie aus Wartungsgründen abgebaut ist oder sie abbauen lasse, oder so weit nach vorne gehe, das ich darunter durchschaue - völlig egal.
Schaut mal in die FAZ von heute. Ein deutscher Fotograf (Alexander von Riesenbach oder ähnl.) reist durch die Welt und bittet spontan zusammengesuchte Menschen für ein "Familienbild" zu posieren. Absolute Illusion! Die Leute nehmen sich in den Arm, drücken, wenn noch ein Baby gewünscht ist, der posierenden "Mutter" ihr Kind in den Arm und fragen kein bisschen, warum und wieso.
Ob da noch eine Verkehrsschild wegstempelt wird, ist eine Gestaltungssache.
Praktisch: Ein Foto darf alles, nur nicht langweilen.
Wenn ich ein Werbefoto mache, wird es so lange getrimmt, bis es passt.
Vor, während und nach der Aufnahme.
Wenn es eine Illustration sein soll, genauso. Die wird, wenns einfacher ist, aus n Bildern zusammengeschraubt.
Bei den vier Bildreportagen, die ich gerade für ein Wettbewerbsprojekt mache, wird nichts retuschiert. Da komme ich gar nicht auf die Idee, auch nur eine Kippe vom Pflaster wegzustempeln.
Grüße
Christian