Von Beijing nach Kathmandu, quer durch Tibet und den Himalaya

Endlich war es soweit: Am späten Nachmittag kamen wir in Lhasa an.

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(Auf dem anderen Gleis sieht man den baugleichen Gegenzug zurück nach Xining.)
 
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7. Tag

Lhasa war, nun ja, atemberaubend, und das (auch) im Wortsinn. Die Stadt, in der etwa eine halbe Million Einwohner leben, also so viele wie in Hannover, liegt auf einer Höhe von 3.650 Metern.

Schon beim Ausstieg aus dem Zug am Vortag hatte sich eine gewisse Kurzatmigkeit eingestellt, die am folgenden Tag tendenziell zunahm. Ich hatte vorgesorgt und von unserer Hausärztin für alle eine halbe Apotheke gegen Höhenkrankheit verschreiben lassen. Prophylaktisch gab es schon im Zug Viagra, in kleinen Dosen auch für die Kids (bitte keine faulen Witze). Das sorgt nämlich für eine Erweiterung der Gefäße und somit besseren Blutfluß sowie bessere Sauerstoffversorgung des Gehirns, wofür das Mittel ursprünglich auch entwickelt wurde. Meine Frau hat es dennoch an diesem Tag erwischt: Sie fühlte sich so schlecht, dass sie lieber den ganzen Tag im Bett blieb. Mithilfe eines anderen Mittels hat sie sich gottseidank bis zum Morgen danach wieder erholt.

Somit ging ich an diesem siebten Tag allein mit den Kindern auf Exkursion. Na, allein stimmt natürlich nicht: Seit der Abholung vom Bahnhof hatten wir zwei konstante Begleiter, den Fahrer unseres komfortablen Kleinbusses und unseren Reiseführer.

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dembi64
dembi64 kommentierte


Hast du am Cotopaxi Koka-Tee getrunken?

den haben wir praktisch täglich in größeren Mengen getrunken. Dafür hat schon unser Guide gesorgt.
Legal war der, den konnte man überall problemlos kaufen.

Bei mir waren die Höhenprobleme nach zwei Tagen vorbei. Es war auch nicht sonderlich dramatisch. Nur Kopfschmerzen.
Allerdings haben wir am Cotopaxi erlebt wie es genau nicht laufen soll. Vier Ärzte, die es hätten wissen müssen, sind am morgen in Guayaquil augebrochen und waren am Abend mit uns im Cotopaxihaus auf 4900 Meter. Deren Zustand hat sich stündlich verschlechtert. In der Nacht wurden zwei von denen in einer Rettungsaktion nach Quito gebracht, wo sie in eine Druckkammer mussten. Die wären beinahe drauf gegangen, hätte ein Guide nicht sofort reagiert. Von 0 auf 5000 Meter in wenigen Stunden packt der beste Körper nicht mehr. Die beiden anderen hatten etwas mehr Glück, mussten aber in der Nacht auch sofort wieder in tiefere Lagen.
 
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lokatz kommentierte
"In Ecuador wird der Konsum zwar geduldet, ist aber nicht wirklich legal" finde ich in einem Forum. In Kolumbien gab's den Tee zwar problemlos in einem Cafe auf 3.000 Metern Höhe. Unser Führer dort meinte aber, dass er schon in ziemliche Schwierigkeiten kommen könnte, wenn ihm der Konsum nachgewiesen würde. Also etwas Vorsicht, auch wenn das wirklich ein eher theoretisches Risiko ist.
 
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dembi64
dembi64 kommentierte


mag sein das es heute anders ist, habe mich schon lange nicht mehr damit beschäftigt. Wir waren 2003 in Ecuador und Peru unterwegs.
 
schneemann
schneemann kommentierte
Nach Deiner Erläuterung über die alterntiven Wirkungen von Viagra hatte der folgende Satz ein Schmunzeln bei mir verursacht:

"Meine Frau hat es dennoch an diesem Tag erwischt"
 
L
lokatz kommentierte
Aua!
 
Beide würden uns bis zur nepalesischen Grenze begleiten.

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Der Fahrer war Chinese und sprach kein Englisch. Der Führer, ein Tibeter, beherrschte die Sprache dagegen recht passabel. Dies erwies sich als gute Gelegenheit, etwas mehr über die politische Situation des Tibets der Gegenwart zu erfahren. Er war erstaunlich offen und hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, wenn auch in durchweg diplomatischen Formulierungen.
 
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Wuxi
Wuxi kommentierte
Ich würde fest davon ausgehen dass Deine Beiträge hier auch gelesen werden.

Wir hatten damals 2011 in Xinjiang auch immer einen Fahrer und einen Guide. Mindestens.
Wenn wir abends das Hotel verließen (um Essen zu gehen) folgten immer mindestens zwei Begleiter in 50-100m Entfernung.
Personalmangel gibt es nicht.
 
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Kurzer Ausflug in die Geschichte: Bis 1950 war Tibet ein eigenständiges Land mit weltlichen wie auch geistlichen Führungseliten, unter dem Dalai Lama als spirituellem Führer. Im Oktober 1950 kam es zum Krieg mit Maos Volksbefreiungsarmee, der schnell endete und zur Annexion Tibets führte. 1959 kam es dann über Gerüchte, dass der damals 24-jährige 14. Dalai Lama aus Tibet ausgewiesen werden solle, zu einem blutig endenden Volksaufstand, obwohl das religiöse Oberhaupt zur Gewaltlosigkeit mahnte. In der Folge musste der Dalai Lama tatsächlich (mithilfe vieler Tibeter) nach Indien fliehen. Er erhielt 1989 den Friedensnobelpreis und lebt bis heute, mittlerweile 90-jährig, im Exil in Indien, ohne den Anspruch auf die Alleinvertretung der Tibeter aufgegeben zu haben. Sein Portrait zu zeigen, ist in China illegal.

Lhasas Bevölkerung ist heute zu etwa zwei Dritteln tibetisch und zu einem Drittel chinesich. Es gibt keinen offenen Widerstand gegen die chinesische Herrschaft. Wie aber unserem Führer und auch anderen Tibetern deutlich anzumerken war, sind der Stolz auf die eigene Kultur und die Ablehnung chinesischer Einflüsse ungebrochen. Umgekehrt versuchen die Chinesen weiterhin, ihren Herrschaftsanspruch zu betonen. So ist es z.B. seit etwa zwei Jahren verboten, Tibet auf Landkarten als Tibet zu bezeichnen. Es darf ausschließlich der chinesische Name, Xizang, benutzt werden. Wenn der 14. Dalai Lama stirbt, wird allgemein erwartet, dass China versuchen wird, den nächsten Dalai Lama selbst zu inthronisieren und somit zur Marionette zu machen. Dies wird mit großer Sorge beobachtet.
 
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Aber zurück zu meinem Bericht.


Wir begannen mit einem Besuch des Drepung, 1416 gegründet und vor 1959 mit über 10.000 Mönchen das größte und wichtigste Kloster Tibets. Hier hatten der 1. bis 4. Dalai Lama ihren Sitz. Die Anlage ist beeindruckend und heute noch ein Ausbildungszentrum für die geistige Elite des Buddhismus in Tibet.

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An dieser Stelle muss ich einen Kommentar anfügen, der für alle tibetischen Klöster gilt: So beeindruckend auch die Außenaufnahmen sein mögen, kann ich leider keinen Eindruck von der überwältigenden Schlichtheit und gleichzeitig Pracht der in den Klöstern zu findenden Tempel vermitteln, da in diesen das Fotografieren durchweg verboten ist. Jahrhundertealte Bauten und Schriften sind hier zu finden, bescheidene Versammlungsräume wechseln sich mit prächtigen Thronen und Statuen ab, und die in der Regel mit ranzigem (Yak-)Butteröl betriebenen üppigen Kerzenarrangements wie auch die vereinzelt anzutreffenden uralten Mönche vermitteln eine schwer wiederzugebende Stimmung der Erhabenheit.
 
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Der Nachmittag diente gleich dem Besuch des nächsten Klosters, des etwas kleineren Sera, drei Kilometer nördlich von Lhasa wiederum malerisch am Berg gelegen. Wesentliche Teile dieses bedeutenden Klosters wurden in der chinesischen Kulturrevolution zerstört, später aber zum Teil wieder aufgebaut. Es ist nach wie vor beeindruckend.

Wir sahen eine Art ‚Lhasaer Stadtmusikanten‘…

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8. Tag

Wer noch nie vom Potala (das zweite ‚a‘ ist sehr kurz, daher wird er eher wie ‚Potla‘ ausgesprochen) gehört hat, hat wirklich etwas verpasst.

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Ich habe schon als Kind ein Bild dieses Palasts gesehen und war völlig fasziniert. Wenn ich ehrlich bin, war er der Hauptgrund dafür, dass ich diese Reise vorgeschlagen hatte. Einmal im Leben wollte ich ihn sehen.

Das Wort ‚Palast‘ wird dieser Anlage übrigens weder von den Ausmaßen noch von der Funktion her gerecht: Sie ist unglaublich groß und diente schon seit dem 5. Dalai Lama nicht nur als Amtssitz des obersten geistigen Führers des Landes, sondern gleichzeitig als an hohen Festtagen genutzter spiritueller Ort, Regierungssitz, Münzprägeanstalt und Banknotendruckerei, Finanzamt, etc.
 
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schneemann
schneemann kommentierte
Vielen Dank für Deine wunderbare Reportage! Scholn als Junge las ich "Sieben Jahre in Tibet" von Heinrich Harrer. Seitdem faszinieren auch mich das Land, der Potala und der Dalai Lama. Selber anschauen werde ich mir das nie, aber Deine Bilder genieße ich sehr.
 
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lokatz kommentierte
Ja, das Buch habe ich auch gelesen. :giggle:
 
ZHR
ZHR kommentierte

Aus dem gleichen Grund wie du, weil ich das Buch von Heinrich Harrer gelesen habe fing ich an mich für den Tibet zu interessieren.

Seit 15 Jahren wohnen wir in Rikon wo sich das einzige Tibet-Kloster der Schweiz befindet. Wir wohnen etwa 15 Velominuten vom Kloster entfern.
Anlässlich eines Besuches von Dalai Lama
konnte ich ihn mit dem Tele fotografieren.
Es ist der gleiche Dalai Lamai von dem es sich om Buch von Heinerich Harrer handelt.
Mit den Tibetern die damals in die Schweiz flüchteten arbeiteten / arbeiten viele in der Pfannenfabrik 'Kuhn Rikon"
Angi und ich leben im gleichen Quartier wie die Tibeter und pflegen mit ihnen ein sehr gutes Verhältnis.
 
China beeindruckt und bedrückt zugleich. Selten wurde dies deutlicher als an diesem Tag.

Eine Provokation ersten Ranges ist der von den Chinesen angelegte, dem Tiananmen in Beijing nachempfundene und mit einem Konterfei Xi Jinpings ‚verzierte‘ Platz direkt gegenüber dem Potala. Seinen südlichen Abschluß stellt das „Denkmal der friedlichen Befreiung Tibets“ dar.

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Äh – wie bitte? Was war denn da friedlich? (Es gab viele Tote, vor allem auf tibetischer Seite.) Und von wem genau wurden die Tibeter befreit? Etwa von sich selbst?

Zynismus pur. :mad:
 
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ZHR
ZHR kommentierte
..Denkmal der friedlichen Befreiung Tibets“ dar.
Ich denke, die Chinesen haben das Denkmal so benannt und gehört doch auch zu den Schilderungen von lokatz.
 
Der Aufstieg war mit Flüchen und heftigen Beschwerden seitens der Kids verbunden: Die sehr langen Treppengänge hinauf in den Potala zu gehen, war in dieser Höhe wirklich anstrengend.

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Wir sind jetzt immerhin oberhalb von 3.700 Metern!
 
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