Nur komm ich einfach nicht dahinter wie das gehen soll.
Nachdem Frank.W sich zwar ausgiebig dazu geäußert hat, warum dein Bild schlecht ist, dich aber im Unklaren lässt, warum seines besser ist, wollen wir das mal nachholen.
Wie du siehst, klettert seine Raupe an einem Stengel hoch. Das sieht nicht nur bedeutend besser aus, als Fensterrahmen und verrosteter Dosendeckel, es bringt das Tierchen auch ganz automatisch dazu, sich senkrecht auszurichten. Du musst bedenken, dass bei den Abbildungsmaßstäben, in welchen sich die meisten Insekten bewegen, die Schärfentiefe in Millimetern zu messen ist. Diese Raupen sind zwar eher groß, aber trotzdem macht es bereits einen Unterschied, ob du auf die Vorderseite oder auf den Umriß fokussierst. Abblenden kann die Schärfentiefe vergrößern, aber auch hier gibt es Grenzen. Abhängig vom Abbildungsmaßstab setzt bei jedem Objektiv irgendwann die Beugungsunschärfe ein, ab welcher zwar die Schärfentiefe immer noch ansteigt, die Allgemeinschärfe aber sichtbar abnimmt. Bei diesem Motiv und einem 105er wird wohl die Grenze bei etwa Blende 16 sein. Bedenke auch, dass kleinere Blendenöffnungen (= größere Blendenzahl) zu längeren Belichtungszeiten führen. Auch wenn Raupen zu den weniger hektischen Insekten gehören, wird hier Verwacklung bei Freihandarbeit und Bewegungsunschärfe des Modells recht rasch ein Thema.
Damit man den Vorteil der so schön gerade ausgerichteten Raupe auch lukrieren kann, muss man natürlich - wie schon erwähnt - so weit wie möglich senkrecht auf die Motivebene anhalten. Das kann bei der Stativarbeit eine Herausforderung sein, weil man z. B. bei der Arbeit an Insekten im Brombeergestrüpp schwer das Stativ hin und her rücken kann, ohne die Motive von den Zweigen zu schütteln.
Es ist auch für Anfänger ein Problem, dass sie den Sucher der Kamera zu sehr als Fenster empfinden, durch das sie ihr Motiv betrachten. Dabei geht allzu leicht der Sinn für Details und der Blick für Schärfe und Unschärfe verloren. Beides springt allerdings dann am fertigen Bild um so heftiger ins Auge. Das ist wirklich ein Problem der richtigen Selbsterziehung und auch der richtigen Einschätzung der Aufnahmesituation, denn gerade bei agilen Insekten hat man nicht beliebig Bedenkzeit, um mal lang und breit am Bildaufbau herum zu rücken. Pflanzen sind da üblicherweise geduldiger und als Motive durchaus ebenso interessant.
Wenden wir uns dem Hintergrund zu. Er ist unscharf und nur schwach strukturiert. Damit dies trotz stärkerer Abblendung so erscheint, sollte der Hintergrund nicht zu nahe am Hauptmotiv sein. Insekten, die im Gras oder im dichten Geäst krabbeln, sind schwer frei zu stellen. Und zu viele scharfe Objekte im Hintergrund können das Bild unruhig machen. Wenn man übrigens Raupen, die man auf dem Gehweg eingesammelt hat, zur besseren Ablichtung auf einen Ast setzt (Fritz P. bitte weg hören), dann sollte man sich nicht allzu sehr blamieren, indem man eine Pflanze wählt, welche diese Raupe freiwillig nie betreten würde. Es gibt Leute, die erkennen sowas. Ist im Feld ohne google-Zugang schwer zu entscheiden, ich weiss.
Werfen wir noch einen Blick auf das Hauptmotiv. Es ist dunkler als der Hintergrund, was der Abgrenzung ja gut tut. Trotzdem säuft es nicht im Schatten ab, wie dies in solchen Fällen leicht passieren kann. Die gut strukturierte Vorderseite der Raupe und die hellen Härchen des Pflanzenstengels lassen auf zusätzliche Aufhellung schließen. Von selbst sind die Verhältnisse selten so günstig. Da ist die richtige Dosierung gefragt. Aufheller wie weisses Papier oder Silberfolien sind ganz gut, um Schatten bei ungünstigen Sonnenstand aufzuhellen. Sitzt man komplett im dunklen Wald, nützen sie allerdings auch nichts. Blitzlicht erfordert ein erfahrenes Händchen bei der Dosierung, denn klappt man nur den internen Blitz aus und lässt die Kamera machen, knallt die mit einem grellen Blitz die Raupe vom Ast und der Hintergrund wird pechschwarz. Hier ist - wenn erforderlich - eine sehr dezente Lichtzugabe gefragt, um die natürliche Lichtstimmung nicht tot zu blitzen. Das heben wir uns aber vielleicht doch für den nächsten Level auf. Zu viel auf einmal verwirrt nur.