Chrily schrieb:
... sollte man es lieber gleich lassen und nicht gegen das Sonnenlicht fotografieren?
Meine Mutter hat immer mit Sonne im Rücken fotografiert. Blende 8, 1/125sec, Agfacolor. Irgendwo muss es noch schachtelweise Fotos von meinen Schwestern in weissen Kleidchen vor den Pfingstrosen geben. Jedes Jahr ein paar Zentimeter größer. (Falls jetzt wer fragt "die Schwestern oder die Rosen?" - Sowohl, als auch.).
Der Sohn fotografiert auch Gegenlicht. Recht oft sogar. Wie das am besten zu belichten sei, kann man nicht generell sagen. Wie soll die Bildwirkung aussehen? Will ich den hellen Lichtsaum um das von hinten beleuchtete Objekt betonen? Will ich den Hintergrund richtig belichtet und den Vordergrund als Silhouette? Will ich den Vordergrund im Schatten richtig belichtet, egal was mit dem hellen Hintergrund passiert? Oder möchte ich sowohl im Hintergrund, als auch im Vordergrund noch Details erkennen? Je nach Aufgabenstellung ergeben sich daraus angepasste Vorgangsweisen. Die Matrixmessung - wie schon angedeutet ein unbekanntes Wesen - kommt allenfalls zum Einsatz, wenn die Situation erfordert "erst knipsen, dann denken". Im umgekehrten Fall ist eher Spotmessung auf die bildwichtige Zone angesagt, plus allfällige Korrektur, wenn es eher heller oder dunkler sein soll. Ungeachtet aller Rechnereien, Matrixereien, Zonenmessungen oder was auch immer, sollte man beachten, dass die Parameter ohne Zusatzbeleuchtung eh nur Belichtungszeit und Blende sind. Die Zeit für lange Rechnereien spare ich mir daher gern und mache einfach drei, vier Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungszeiten. Eine davon ist die Richtige und weder Film noch Chip stürzen mich in ernsthafte Unkosten.
Komplizierter ist der Fall Zusatzbeleuchtung. Im großen und ganzen sieht es so aus, als könnte man da heute den Automatiken vertrauen. Früher sah man gerne überblitzte Aufnahmen, bei denen sofort eine unnatürliche Lichtwirkung auffiel.
Bei Architekturaufnahmen würde ich da mal den Fall "Fassade korrekt" als den gewünschten annehmen. Wie schon vorgeschlagen, kann man hier ein "HDR" versuchen, um einen ausgefressenen Himmel zu vermeiden. Allerdings würde ich hier ein stark vereinfachtes Verfahren anwenden. Vom Stativ eine Aufnahme auf das Haus belichtet und eine auf den Himmel. In der Bildbearbeitung übereinander legen. Ausgefressenen Himmel ausschneiden. Korrekten Himmel einsetzen. Blaustich von der schattigen Fassade weg nehmen. Helligkeit und Farbton Himmel und Fassade nach Gefühl aufeinander einjustieren, dass ein halbwegs harmonischer Eindruck entsteht.
Wesentlich giftiger als frontales Gegenlicht wäre hier Streiflicht, wodurch die Fassade oder der Straßenzug teilweise im Licht und im Schatten liegt. Wenn die beabsichtigte Bildwirkung es erlaubt, würde ich eher auf Lichter belichten und die Schatten absaufen lassen. Geht das nicht so einfach, wäre wahrscheinlich HDR/Tonemapping eine gute Sache, um Licht und Schattenzonen so abzustimmen, dass bildwichtige Details erhalten bleiben und trotzdem ein einigermaßen natürlicher Bildeindruck entsteht.