Etwa 8,5 Jahre nach dem Abschluss dieser Reportage über unsere insgesamt vier Reisen nach bzw. durch Afghanistan - 1974, '76, '77 und '78 - folgt nun aufgrund neu aufgetauchter Fotos (siehe #137) ein Anhang. In das kürzlich fertiggestellte Buch konnte ich sie leider nicht mehr integrieren. Einige der "neuen" Fotos berühren diesen Aspekt, den Sam im Faden über das Buch erwähnte:
Ich weiss nicht, ob Du Dir der ethnologischen Bedeutung deiner Ausführungen und Fotos bewusst bist, Da finden sich wohl unikate Fotos, Portraits und Szenen von Menschen, welche wohl schwer zu finden sind.
Es sind viele Portraits unter diesen 16 Fotos. Paschtunen, Balutschen, Hazara, Tadschiken. Männer und Kinder, die sich gerne fotografieren ließen. Einvernehmlich Fotos von afghanischen Frauen zu machen ist schwierig und oft unmöglich. Einzig Frauen der nomadisch lebenden Kuchi und der Hazara waren hierzu bereit. Es sei denn, die Frauen trugen die Burka. Dann sind sie ja nicht zu sehen.
Ich beginne mit den
Kuchi.
Die Bezeichnung ‚Kuchi‘ für die afghanischen Nomaden ist eine Ableitung vom persischen Wort
kotsch (Wanderung). Sie sind überwiegend Paschtunen, die im Nordosten und Süden Afghanistans sowie in Pakistan leben und wandern. Von Ethnologen werden sie nicht als Stamm gesehen, sondern als eine Art Kaste bezeichnet. Ihr sozialer Status ist schwierig. Sie leben am Rande der Gesellschaft, gehören nirgendwo hin, niemandem an und queren Staatengrenzen je nach Jahreszeit und Bedarf ihrer Kamele, Ziegen, Schafe und Esel. Politische Grenzen zwischen den Weiden bedeuten ihnen nichts.
Große Kamelherden sind für die Kuchi das Fundament ihrer Lebensweise und der kulturellen Identität. Kamele sind Transportmittel, sie geben Wolle, Milch, Leder und Fleisch. Insbesondere die nährstoffreiche Milch, aus der Joghurt und Qurut - ein haltbarer Käse, siehe #12 - produziert wird, ist essentielles Nahrungsmittel in Afghanistan. Laut unseren Erinnerungen haben wir hier den weltbesten Joghurt gegessen. Aus der Wolle und dem Leder werden Zelte, Decken, Kleidung und Schuhe hergestellt. Durch den Tausch von Kamelen bzw. Kamelprodukten können die Kuchi von sesshaften Bauern Getreide, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Tee, Zucker und anderes erwerben.

Die Frauen der Kuchi sind bekannt für ihre meist rote Kleidung und die traditionellen Paizar-Schuhe. Der oft sehr umfangreiche Schmuck ist Teil der kulturellen Identität und dient auch als mobile Kapitalanlage.
Kann man so ein Buch bei Dir erwerben? Danke für einen Rückmeldung.