Weil mir die Sucher das Scharfstellen leichter machen und weil die „Beinahe-Spotmessung“ der F3 meinen Fotografiergewohnheiten eher entspricht, als die mittenbetonte Messung einer A1.
Dafuer hat die Canon A-1 im Sucher eine Zeit-/Blendeanzeige, die man auch bei schlechtem Licht problemlos ablesen kann (blutrote LEDs). Da kann das Grablichterl der F3 nicht ganz mithalten, zumindest nicht, was das Aktivieren betrifft. Auch das trägt zum technisch guten Bild bei.
Aber weil du vorhin geschrieben hast, wenn die Analogen 2009 qualitativ mit den Digitalen mithalten sollen - ich denke, genau das ist nicht gefordert bzw. halte ich KB-Film für sehr viele Anwendungen qualitativ für immer noch konkurrenzfähig. Wenn nicht - künstlerische Fotografie - für überlegen. So schönes Korn wie SW- und Colorfilm liefert mir kein PlugIn für Photoshop!
Wer heute mit einer MF-Kamera KB-Film fotografiert, wird das vermutlich nur in den seltensten Fällen professionell machen, weil hier AF und digital wesentlichen Zeitgewinn bringen. Das ist gegessen, darüber gibt es für mich nichts zu diskutieren, hier hat die Technologie einfach neue Möglichkeiten gebracht. Gut ist es. Und Bilddateien aus Digis mit eingebetteten EXIF-Daten und ICC-Profilen sind Basis für jede halbwegs verwendbare Sortierung/Archivierung bzw. für Workflow mit Farbmanagement. Da kann der eingescannte Film nur bedingt mithalten etc.
MF/KB-Film - und aus diesem Grund bin ich wieder von Digital auf Analog "zurückgegangen" - ermöglichen ein ganz anderes Fotografieren. Vielleicht spielt da auch ein bisschen Nostalgie mit, wenn ich mit 43 Lebensjahren wieder mit den Gerätschaften der Jugendzeit unterwegs bin (zu einer F3 reichte es finanziell damals allerdings nicht). Entscheidend ist jedoch, dass MF/KB schlicht und einfach höchste Konzentration verlangt und das wirkt sich bei mir immer positiv auf den Inhalt meiner Aufnahmen aus:
Ohne Matrixmessung muss der Objektkontrast wieder beurteilt und mit passender Zeit/Blende umgesetzt werden. Auch wenn das bedeutet, dass eine Bildvorstellung - so wie ich mir das wünsche - nicht realisierbar ist. Ich fotografiere nicht dehnbare RAW-Files, deren clippende Lichter vielfach noch in der anschließenden Bildbearbeitung gerettet werden können, sondern Film mit seinen bekannten Grenzen. Fotografiere ich Dias, wird "das Endgültige" überhaupt in Reinform kultiviert.
Beim manuellen Fokussieren betrachte ich die Details meines Motivs genauer als mit dem AF meiner Einser-Canon, der so gut wie immer Halt findet - Schnittbildindikator und Mikroprismen wollen zu guten Scharfstellplätzen geführt werden. Dabei setze ich mich mit meinem Motiv zwangsläufig intensiver auseinander, als wenn ich eben einmal schnell mit dem roten Leuchtvisier anlege (...).
Ja, auch auf die Kamerahaltung muss ich wieder achten, unlängst rotierte bei Hochformat die Rückspulkurbel in meiner Stützhand, richtig erschrocken war ich und musste meine Greifweise neu überdenken, die eigentlich gar nicht so optimal bis jetzt war.
Unlängst stand ich mit MF/KB (motorlos) vor einem Motiv, alles Gesagte wurde überlegt und durchgeführt und auf dem Höhepunkt meiner Versenkung drückte ich auf den Auslöser - aber nichts geschah, denn ich hatte vergessen, den Verschluss vorher zu spannen. Und als dann die Programmautomatik anzeigte, suchte ich nach dem Rändelrad für den Programmshift - Fehlanzeige, der kam erst Jahre später, also musste ich mir auch da überlegen, wie ich zum beabsichtigten Ergebnis kam und drehte auf Zeitautomatik usw. Schön zu bemerken war, dass das einst Ge- und Eingelernte noch immer präsent ist und die alten Handgriffe teilweise wieder wie von selbst abliefen ...
Wer da jetzt sagt, Gott sei Dank, die modernen Kameras befreien uns von all dieser Mühsal und wir sollten doch alle froh sein, dass wir uns um den Bedienungskrempel nicht mehr groß scheren müssen, der hat nicht verstanden, dass Fotografie auch Konzentration und Versenkung bedeutet. Die beschriebenen Finger- und Denkübungen gehören für mich dazu, das Fehlen x-facher Kameraoptionen bzw. ein Sucher ohne Infogehalt eines Airbus-Cockpits sind kein Nachteil, sondern helfen, die Übersicht über die wesentlichen Infos/Funktionen zu behalten etc.
Und so geschieht es mir jetzt häufiger, dass ich ein Bild gar nicht erst mache, weil ich beim Einstellen und Analysieren erkenne, dass es die Belichtung nicht wert ist.
Wer sich den Luxus dieser zeitaufwändigen Fotografie leisten kann (weil er zB nur nach eigenem Auftrag fotografiert) ist in Wahrheit zu beneiden und nicht zu belächeln. Aber ich hab selbst Jahre gebraucht, um das zu erkennen.
Ich fotografiere mit grosser Begeisterung auch rein digital. Aber erst, seit auch wieder Film in meinen Kameras ist, habe ich das Gefühl, komplett zu sein als Fotograf.
Gruesse
Andreas