[MENTION=105731]Waldläuferin[/MENTION]: Bei uns in der Gemeinde veranstalten wir seit 35 Jahren in jedem Frühjahr einen sogenannten Umwelttag, organisiert vom örtlichen Siedlerverband und vom örtlichen Parteiverband, der bei uns in der Gemeinde die Mehrheit stellt (ist eh' seit mehr als 35 Jahren derselbe

). Unterstützt werden wir dabei von der Stadtverwaltung, die einen offenen Pritschenwagen, jede Menge Müllsäcke, Handschuhe, Leuchtwesten und Zangen zur Verfügung stellt.
Jedes Jahr versammeln sich also 20-30 Freiwillige, meistens Leute mittleren und auch schon fortgeschrittenen Alters an einem Samstagmorgen und ziehen, mit Müllsäcken, Leuchtwesten, Handschuhen und Zangen "bewaffnet" über die Waldwege und auch die Landes- und Bundesstraßen aus unserer Gemeinde, sammeln den Müll auf und lassen die gefüllten Müllsäcke am Straßenrand stehen. Zwei Mann sitzen auf dem Wagen, fahren die Wegstrecken ab, sammeln die von den Freiwilligen abgestellten Müllsäcke ein und verbringen sie zur zentralen Sammelstelle bei uns im Ort, wo sie in von der Stadtverwaltung aufgestellte Container verfrachtet werden, die am darauf folgenden Montag von der Stadt abgeholt werden.
Umwelttag 2014, der Herr, der da so freundlich in die eigene Kamera grinst, bin übrigens ich selbst
Was man auf dem Foto sieht, ist nur ein Bruchteil dessen, was wir im Frühjahr dieses Jahres innerhalb einer ca. vierstündigen Sammelaktion zusammengetragen haben. (Ich erspare euch jetzt weitere Fotos, insbesondere solche der ekeligeren Sachen, die wir dort schon gefunden haben.) Natürlich finden sich regelmäßig Elektrogeräte, Matratzen und Bauschutt. Einmal stolperte einer unserer Sammler sogar (buchstäblich) über ca. einen halben Kubikmeter (!!!) an Glasereiabfällen, die irgendein gewissenloses Ar***l*** einfach in die Landschaft gekippt hatte. Mit normalen Handschuhen und Säcken war dieser Sondermüll gar nicht zu bergen, wir mussten uns erst mit schnittfesten Sicherheitshandschuhen, Schuhen mit Durchtrittschutz und geeigneten Behältnisse (in dem Fall nahmen wir Plastikkübel, wie man sie normalerweise zum Anmischen von Mörtel verwendet) ausstatten, um diesen Scherbenberg ohne Gefahr für unsere eigene Gesundheit entsorgen zu können.
Man sollte nun meinen, dass nach mittlerweile mehr als einem Dritteljahrhundert das Müllaufkommen, das wir jedes Jahr aus Wald und Flur holen, immer weniger wird. Doch leider ist das Gegenteil der Fall; es wird immer mehr. An einem Streckenabschnitt, den wir intern nur noch die McD-Meile nennen, wird seit der Eröffnung zweier nahe gelegener Filialen zweier großer Hamburgerketten dermaßen viel Verpackungsmüll durchs Autofenster entsorgt, dass wir alleine damit einen großen Müllcontainer zu etwa einem Drittel bis zur Hälfte befüllen können.
Allerdings lassen wir uns nicht entmutigen, sondern machen jedes Jahr im Frühling weiter, damit unsere eigene Gemeinde nicht zur Müllkippe verkommt. Statt zu klagen und immer nur nach "Vater Staat" zu rufen, kann man also auch selbst etwas tun. Und auch wenn einem vieles davon wie eine Sisyphusarbeit anmutet, so gilt hier das Wort des französischen Philosophen Albert Camus: "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen." Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gemeinde hat unter unserem fortgesetzten Müllsammeln jedenfalls nicht gelitten, was wohl daran liegt, dass man sich anschließend in geselliger Runde zu Speis und Trank trifft.
Sorry fürs Länglich-Werden, ich möchte damit auch keinesfalls einen fremden Thread kapern, sondern einfach mal eine alternative Sichtweise aufzeigen.