Ohne dass wir es wussten haben wir, nur 15 Minuten von unserer Unterkunft entfernt, einen riesigen lost place zu erkunden.
Es handelt sich um eine (fast) aufgegebene, richtig große Ferienanlage.
Dyonisos Greek Village.
Ein Projekt welches im, touristisch eher spärlich ausgestatteten, Osten der Insel wohl damals ein ziemlicher Knaller war.
Die Anlage ist wesentlich größer als man sich einen herkömmlichen Urlaubs-Club vorstellt, es handelt sich wirklich um ein "größeres Dorf" direkt an der Küste - gebaut in sechs bis sieben Reihen mit jeweils zehn bis zwölf Häusern, mal als größerer Komplex, mal sehr vereinzelt. Ein Prinzip bestand wohl darin, dass im Prinzip kein Gebäude dem anderen genau gleicht und so eine typisch verwinkelte Struktur entsteht, wie man sie eben von vielen griechischen Dörfern her kennt. Das alles durchzogen von Gassen und Treppchen - viel Grün, es war wohl recht idyllisch als es lebendig war.
Man hat dort nicht nur Urlaub gemacht, sondern man konnte dort "Eigentum" in der Siedlung erwerben, also ein eigenes Haus besitzen - und für die Versorgung wurde auch vor Ort alles organisiert. Es gab dort eine eigene Ladenzeile mit allem was man so an Urlaubs-Zubehör, Lebensmitteln oder sonstigem benötigt. Alles im 5-Sterne-Style der späten 90er Jahre aufgezogen, mit einem eigenen Stück Strand, einer wahrhaft gigantischen Meerwasser-Pool-Anlage zur Seeseite, fettem Süßwasser Pool am zentralen Platz und und und. Wellness, Sport, ärztliche Basis-Versorgung, Kiddie-Bespaßung - dort wurde alles organisiert und war vorhanden.
Warum die Anlage dann tatsächlich aufgegeben wurde, und wie schnell das ging, habe ich nicht genau recherchieren können. Die Infos schwanken um drei Hauptfaktoren.
1. Es gab Schwierigkeiten mit den lokal gültigen Umwelt-Restriktionen was Bauvorhaben direkt an der Küste betrifft. ||| 2. Ein paar windige Manager sind irgendwann mit den letzten liquiden Mitteln über alle Berge. ||| 3. Covid19 war dann der Sargnagel.
Jetzt streiten sich wohl die Besitzer, Investoren und staatlichen Gruppen schon seit Jahren um den Fortgang, und die Anlage ist dem Verfall überlassen. Da die Regierung in Kreta während der Bauphase und des Betriebes mehrmals wechselte, und die Bestimmungen für Bauvorschriften damit auch wechselten, besteht wohl für die restlichen Besitzer dort kaum eine Chance jemals Ihren Besitz fertig auszubauen.
Das Interessante ist - man kann dort tatsächlich noch Urlaub buchen, und die Ferienanlage ist noch bei Portalen gelistet, hier zum Beispiel bei tripdavisor:
Ich meine auch bei AirBNB hatten wir Anzeigen gefunden.
Wer auf den morbiden Charme solcher lost places steht könnte dort also evtl. den Urlaub seines Lebens verbringen.
Die Stimmung in der verlassenen Stadt ist
volle Lotte "Walking Dead" like.
Wir sind einmal durch mäandert, haben aber nicht versucht in die Gebäude rein zu gehen - zum einen sind eben noch ein paar Leute dort tatsächlich zu Hause, und man müsste wohl auch einiges "erzwingen", mit eher unsicherem Ausgang und vielleicht sogar Verletzungsrisiko. Der Foto-Walk dort ist jedenfalls eine Wucht und die Bilder bringen den Vibe des Ortes sofort wieder zurück. Ich habe dort vor allem die s/w Möglichkeiten der kleinen Ricoh GR III ausgelotet, was imho zu den Bildern genial passt. Wer mal auf Kreta ist und einen Foto-Hieper hat sollte dort auf jeden Fall(!) hin. Eintritt oder Gitter gibt es keine - ab 16 bis 17 Uhr ist das Licht optimal, die Anlage ist so gebaut, dass man den ganzen Sonnenuntergang komplett frontal miterleben kann. Fantastische Schatten und Kontraste. Aber Obacht mit alten Plastikteilen, Ziegeln an baufälligen Dächern usw... mit kleinen Kindern würde ich eher nicht hin.
Man stellt das Auto einfach beim Eingangs-Gate ab und zuckelt los.
Viel Spaß mit den Bildern dazu.