Ein Koffer für die Ewigkeit ...

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Heute habe ich mich kurz gefragt, wann das letzte Bild kommt. Dann schlösse mein Thread. Was dann.

Was mache ich am Ende von einem Film. Ich stehe auf, gehe aus dem Kino, ein Gespräch mit meiner Frau, erste Eindrücke, setzen lassen. Nach Hause fahren, vielleicht noch ein Schlummertrunk, ins Bett. Und am andern Tag nach Programm, was halt so alles anfällt.

Ein Leben ein Film. Chaplin mochte mein Vater. Nicht weil er nur lustig war, sondern weil er vermutlich auch einen Teil von Mensch mit all seinen Stärken aber auch Schwächen karikierte.

Ich mag Filme. Filme mit ruhigen Bildern, gehaltvollen Dialogen, mit Fragen ohne Antworten. Ich mag staunen, mit leben und mit fühlen...Ein Leben, ein Film, oder eine Bildreihenfolge ...

Und wenn wir unsere kleine Sammlung von Filmen um weitere vier Gestelle erweitert haben heute, dann sammeln wir nur Geschichten. Unsere, fremde...


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Ich habe täglich Kontakt mit meiner Mutter. Jene die bleiben in diesen Tagen und Wochen brauchen auch Nähe.

Hie und da stehe ich vor meinem Schreibpult in meinem Fotozimmer und schaue ins Leere. Ein Versuch, etwas Ordnung zu schaffen. Innerlich etwas aufzuräumen, was mir den Tag durch nicht gelang ...

In den Tod nehmen wir nichts mit. Ausser uns selbst. Und vielleicht Bilder. Vielleicht nehme ich das Bild der Madonna mit aus dem Val Bavona. Ein Bild einer Sängerin bei uns im Konzertlokal. Sonnenstrahlen, ein Wochenende am Atlantik bei Freunden, ein Bild einer Kirche, oder der Versuch eines unserer Pflegekinder sich übend in der Kalligrafie. Oder ein Bild von diesem Thread....


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Der Thread wird bald enden. Die letzten paar Tage ...

Ein eigenartiges Gefühl, dennoch, es ist so. Trotz allem gehen wir heute Abend ins Kino, ein ruhiger Film, ein Film aus dem Leben ...

Ein Blick aus dem Dachfenster. Ich sehe Licht und versuche mir Engel vor zu stellen. Und ich versuche mir den Empfang vor zu stellen und ich weiss, dass mein Vater innert kürzester Zeit mit allen per Du ist ...

Der Mensch hat ihn sein Leben lang interessiert. Wer auch immer er war, wie er auch immer ausgesehen hat, woher er auch immer kam.

Nicht Trauer macht sich breit. Dankbarkeit. Ein schönes Gefühl, eine Kindheit gehabt zu haben mit einer solchen schönen Begleitung ...


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Hallo Sam,
vielen Dank für diesen offenen und wundervollen Beitrag. Ich habe hier aus den Beiträgen diese Zeilen von Dir kopiert.

#1 Heute habe ich mich kurz gefragt, wann das letzte Bild kommt. Dann schlösse mein Thread. Was dann. Was mache ich am Ende von einem Film.

#2 Ich habe täglich Kontakt mit meiner Mutter. Jene die bleiben in diesen Tagen und Wochen brauchen auch Nähe.

#3 Der Thread wird bald enden. Die letzten paar Tage ...
Ein eigenartiges Gefühl, dennoch, es ist so. Trotz allem gehen wir heute Abend ins Kino, ein ruhiger Film, ein Film aus dem Leben ...

Aus meiner Sicht beantwortest Du die #1 mit #3. Der Film hört nicht auf. Ich denke, dass es Deinen Vater freuen würde wenn Du Dein Leben weiter lebst und so intensiv wahr nimmst. Dein Vater wird immer ein Teil von Dir sein. Er wird in allen Deinen Emotionen und Erinnerungen weiter leben. Wir haben immer nur diesen Moment den wir mit den Menschen in unseren Herzen verbringen dürfen. Für mich ist das ein großes Geschenk in meinem Leben. Wie viele Andere weiß ich sehr genau worüber Du schreibst. In meinem Fall in Bezug auf die Mutter bzw. auf mich selbst. Fakt ist, wir sind am Leben und dürfen dieses Leben genießen, wahr nehmen usw. Und wie Du schreibst es ist schön für die Menschen da zu sein, die bleiben. Ich habe dafür einen eigenen Spruch von mir: "Ich wünsche Dir die Menschen, die Dich umarmen wenn Du es brauchst. Ich wünsche Dir die Menschen die Dir die Luft zum Atmen lassen, die Du benötigst." Alles Gute für Dich und Deine Familie und generell für Euch Alle.
FG
Christian
 
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Ich nähere mich mit der Kamera dem Zimmer von meinem Vater. Ich lege sie auf den Esstisch und begegne zuerst meinem Vater...

Meine Geschwister sind auch da. Wir blättern im Fotoalbum, welches mein Vater letztes Jahr auf seinen Geburtstag vom Patenkind erhalten hat. Alte Bilder von Familie, seine Brüder, Jugenderinnerungen und Erinnerungen an unseren gemeinsamen Ausflug vor zwei Jahren ...

Die Kamera geht mit. Bilder. Sprechen kann mein Vater kaum mehr, aber es ist wie immer eine sehr würdevolle und schöne Stimmung. Er schaut uns immer wieder lange an, als ob er sagen würde: meine Kinder, es ist alles gut ...

Die beiden Bilder haben wir von zu Hause abgenommen. Sie hingen über Jahrzehnte im Schlafzimmer. Und nun hängen sie über seinem Bett im Pflegeheim. Ich nehme sie undeutlich war, aber Undeutlichkeit macht mir keine Angst. Ich nehme sie hin, auch in dieser Zeit. Sterben ist und bleibt mystisch und eben auch undeutlich ...


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Wir drei, die Kinder. Wir haben es gut zusammen. Ja, sogar sehr gut. Ein intensiver Austausch, ruhig im Gespräch. Eine schöne Beziehung, welche gerade jetzt wieder zum Tragen kommt ... Das erleichtert es uns, unserer Mutter, auch Vater ...

Wir schwimmen im gleichen Gewässer, tauchen gemeinsam und schwimmen weiter im Leben ...

Ein Bild von meinem Nachmittag im Naturschutzgebiet vor wenigen Wochen mit meiner langen 800mm Tüte. Es hat sich heute, als ich meine Speicherkarte bearbeitete plötzlich gezeigt. Und heute passt die Szene genau so wie sie ist. Gerade heute wo das Thema aufkam, welche Kleider der Vater tragen soll, wenn er gestorben ist...


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Lange bin ich diesem deinem Faden ausgewichen, Sam. Nicht wegen deiner Bilder, deiner hervorragenden Bilder. Sondern wegen meiner tiefen Skepsis gegenüber dem web als Ort, Persönliches zu offenbaren, Privates zu veröffentlichen. Und weil es auch in meiner Familie viel Bewegendes gab. Gestern abend habe ich ihn nun doch gelesen, betrachtet.
Ich muss sagen, es bewegt und beeindruckt mich, in welcher Weise du deine Gedanken mitteilst, deinen Vater und deine Familie würdigst, Reflexionen des Lesers anstößt, mit Bildern vortrefflich unterlegt, ohne Grenzen zu überschreiten. Respekt! Dir und den Deinen wünsche ich weiterhin Kraft und Mut.
 
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Aufgewühlt? Nein. Seit Monaten haben die Bäche wieder viel Wasser. Letztes Jahr, als wir unseren Vater oft für einen Tag bei uns hatten, machten wir noch Spaziergänge. Wir beobachteten, sprachen über die Bäche, das Wasser, das Wetter, über dies und das. Viel mehr brauchten wir nicht zu sagen. Oft gingen wir auch schweigend. Das Gehen hat ihn genug angestrengt. Schweigen ist auch eine Form des Gesprächs. Vor allem wenn man weiss, dass man trotzdem eine innige Beziehung mit der Begleitung pflegt ...


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Wasser kommt und Wasser geht. Ich stehe eine ganze Weile auf der kleinen Brücke über den Bach. Wasser besteht aus Wassertropfen, welche sich vereint haben. Sie gehen zusammen einen Weg. Und irgendwann nehmen die Tropfen andere Formen an. Und kommen wieder...

Ein schöner Gedanke im Zusammenhang mit meinen Vater ....


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Fotografie ist Ablenkung in dieser Zeit. Aber nicht nur. Es ist, mich selbst im Aussen wahrzunehmen. Nicht immer gelingt es mir in innigster Weise. Manchmal bringt mich auch das Aussen auf mein Inneres. Es ist ein Wechselspiel: Innen-Aussen, Aussen-Innen.

Aber irgendwie bin ich auf der ständigen Suche nach Bildern. Nicht festhalten im Sinne von nicht loslassen. Gedanken und Gefühle festhalten, im Sinne von bildlich machen.

Meine Frau fotografiert nicht, oder nur sehr wenig. Aber sie gestaltet unsere Räume. Wie jedes Jahr lässt sie auf besondere Art und Weise die Weihnachten ausklingen ... Ein Anblick, der wohl auch meinem Vater gefiele ...


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Ich plane keine Bilder und keinen Text. Sie kommen und gehen, als ob mir Bild und Wort vor die Füsse gelegt würden. Ich empfinde das als äusserst angenehm. Nicht nach allen Motiven greife ich. Muss ich auch nicht.

Seine grösste Freiheit, hat mein Vater einmal gesagt, sei jene der Entscheidung. In den meisten Fällen im Leben entscheiden zu dürfen, was man tut, was man macht ...

Kein grösseres Privileg, fürwahr...

Die Weihnachtskugeln liegen in einer grossen gläsernen Bodenvase und geben dem Alltag und dem Raum Farbe. Man kann sie wahrnehmen oder nicht. Man ist frei in dieser Entscheidung. Wenn die Kugeln für Menschen stehen, habe ich gedacht, dann ist es eine Vase voll bunter Menschen ... ein Lächeln rang mir dieser Gedanke ab ...


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Welche Motive heute im Jura. Sonne, Wolken und Wind ... eine Kombination, welche ich liebe. Entsprechend flogen mir die Motive nur so zu und irgendwie war ich dauernd daran, zu überlegen, durch welches Wolkenloch wohl die Seele meines Vater gehen würde ...

Ich habe mir das als Kind immer so vorgestellt. Die Seele fliegt durch ein Loch in den Wolken. Und ich inständig immer gehofft, dass ich einmal bei schönem Wetter sterben würde ...


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Vorstellungen, Fantasien sind Bilder. Bilder welche wir in uns tragen. Manchmal bringen sie Menschen zu Papier oder stellen sie dar. Manchmal berühren sie, manchmal findet man den Zugang nicht dazu.

Aber es sind Bilder. Bilder wie diese. Die grelle Öffnung über dem Hügel, ins Licht gehen. Es wird warm und es wird einem wohlig ...


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Ich brauche nicht viel Zeit bis mich Motive fangen. Bäume. Als würden sie winken, guten Tag sagen. Freundlich stehen sie dort, einladend.

So wie mein Vater auch immer war, und noch jetzt ist. Auch wenn er uns nur noch mit seinen Augen betrachtet. Bäume höre ich auch nicht, wenn sie zu mir sprechen. Aber verstehen tue ich sie trotzdem ...


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Nachtessen bei meinem Vater. Antworten kann er nicht mehr. Wir sprechen Zeichen ab. Er nimmt den Löffel in die zittrigen Hände. Ein Zeichen für mich, dass ich ihm etwas Essen auflade, und es ihm gebe.

Eine Hand ist immer an seinem Rücken oder auf seiner Hand. Wir sprechen miteinander und ich versuche keine Fragen zu stellen. Fragen kann er nicht mehr beantworten, auch wenn er sie versteht und gerne eine Antwort geben würde. Und ich kenne meinen Vater. Wohl muss es ein Frust sein, Fragen nicht mehr beantworten zu können. Also erzähle ich ihm Geschichten ...

Geschichten wo ich heute Nachmittag war, erzähle von den Wolken und dem Jura und der Sonne ...


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Auf Höhen kann man den Gedanken freien Lauf lassen. Schöne wie traurige. Der Wind hat sie heute alle mitgenommen.

Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, dass wenn ich Gedanken in die Luft schicke, dass sie dann irgend wo ankommen. Und von irgendwem aufgenommen werden. So auch heute ...


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