"...ein gewisses Sehnen..."

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Mozart wurde nicht nur von meinen Eltern als der unantastbare wundersamste Komponist aller Zeiten hochgelobt. Ich erfuhr auch wenig über Geschichte als ich Kind war. Aber ich war genug damit beschäftigt, mich mit seiner Musik auseinander zu setzen.

Salzburg, Mozerts Geburtsort, war ihm nicht immer wohl gesinnt. Aber das war wohl weniger Wolfgangs Verschulden als jenes seine Vaters. Wenn man dann überhaupt von Verschuldung reden kann. Die Vaterfigur war zeitlebens umstritten. Aber ihm oblag Schmerz. Schmerz von fehlender Anerkennung. Seine Karriere stockte, eigentlich, nein nicht eigentlich, ist Leopold ein brillanter Musiker gewesen. Aber wie es zu dieser Zeit so war, das kamen alle Musiker zu spüren, waren sie abhängig vom Goodwill der Obrigkeiten.

Manchmal denke, dass sich Schmerz und Sehnsucht übertragen kann. Zumal bei Mozarts bekomme ich den Eindruck, dass der kleine Wolfgang auch den Schmerz seines Vaters spürte. Jene Enttäuschung über die Nichtakzeptanz seines Könnens.

Und so empfinde ich dies folgende Bild als passend. Viel Mist wurde - auch schon dazumal - ausgeführt. Nur sehr vage sieht man das Dorf. Das Dorf oder die Heimat, welche Mozart wohl nie hatte. Seine Heimat waren die Töne: sie haben auch den Vorteil, dass sie immer mitreisen und somit geografisch ungebunden sind.


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Wer schon Briefe von Mozart gelesen hat, der weiss nun welches Thema kommt. Aber im Übrigen war es nicht nur Mozart, der sich oft der vulgären Sprache hingab. Es war zu dieser Zeit üblich, dass man so hie so kommunizierte.

Ich wusste das als Kind nicht, weil ich nur das "Wunderkind" kannte. Ich konnte mir zwar durchaus vorstellen, dass man beides in sich tragen kann, aber das war und ist vielen Bewunderern von Mozart nicht geläufig.

Ein Furz beim Klavierspielen, ein Rülpser und Lacher an der Geige. Und wer weiss, vielleicht sind ihm auch brillante Ideen auf der Toilette gekommen.

Jenes ist nicht Schmerz, jenes ist Kind, ist Mensch. Und das habe ich irgend wie als Kind gespürt. Vielleicht ist mir deshalb so vieles von Mozart so unglaublich zugänglich. Mozart spricht durch die Musik und er peilt nicht nur das Gute im Zuhörer an.

So wie die Motive und ich. Manchmal erschüttern sie mich, manchmal bringen sie mich zum Lachen. Aber sie peilen immer mein Innerstes an.


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Und mit dem letzten Bild über und mit Mozart verabschiede ich mich auch von heute.

Auf den alten LP's waren oft alte Portraits abgebildet von ihm. Ich sah ihn aber auf keinem der Portraits irgendwie nur annähernd lächeln. Klein Mozart hat früh verstanden wie die Erwachsenenwelt tickt. Und er hat früh verstanden, dass man sich "privat" einige Frivolitäten leisten kann, wenn man seine Sache im Geschäft gut macht. Nein, nicht gut macht. Besser als die andern.

Als Kind stellte ich mir vor, dass Mozart in einer wohl behüteten Familie aufgewachsen ist. Dass er ein Übungszimmer für sich alleine hat. Und dass jeder seine Musik liebt und sie ihm Gaben brachten und ihn nur bewunderten. Eine kindliche Vorstellung. Und dann die Musik. Die Musik.

Und so nehme ich sein "Tantum ergo" in D-Dur, KV 197 mit ins Wochenende. Wann er diese Motette geschrieben hat, weiss man nicht. Aber schön ist sie. Und voller kindlicher Hoffnung.


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Ich merke schon, ich kombiniere wieder Thema und Tagebuchform. Mir kommt eine Idee und ich weiss dann nicht wohin sie führt und wo und wann sie endet.

Mozart trage ich schon lange in mir. Ich liess in zu, stiess ihn weg über Wochen und Monate. Aber jetzt habe ich ja gesagt. Ja, dass ich ihn über einen unbestimmten Zeitraum hereinlasse.

Mozart ist farbig. Aber nicht nur so, wie ihn Erwachsenen gerne sehen. Man darf zu seiner Musik seine eigenen Farben wählen.


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Fotografisch, so wie ich es angedeutet habe, bediene ich mich dem, zu was ich Lust habe.

Mozart hat ein zweites "Tantum ergo" (KV 371). Wunderschön, anders als das erste, aber ebenso gehaltvoll. Aber es bleibt mir etwas verschwommen. Ich fasse es nicht verstandesmässig. Vom Gefühl her schon.


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Aber es ist so wie das Shooting der Blumen in der Vase die von der Sonne beschienen werden.

Leise Mozartmelodien vor mich hinsummend entstehen Bilder. Unscharfe, kuriose aber farbige.

Mozart's Amen in seinen Tantum's stellen mir Fragen. Sie sind direkt, deutlich und radikal. Fast so wie "hingeschmissen": "hier, nimm' das Amen und denke darüber nach...!"


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Ich sah als Kind Mozart idyllisch. Ich wusste nichts von seinen frühen Reisen nach Italien und Frankreich. Ich wusste nichts über seinen Vater.

Ich empfand ihn nur, seine Musik und sinnierte über ihn. Und liess die Musik wirken. Und heute? Ich komme langsam voran in diesem wundervollen Buch. Es ist gespickt von Chronologie aber tollen Fragen. Fragen, welche ich auch habe. Fragen aber ohne Antworten. Aber sie bringen mich zur nächsten Frage.

Es bleibt so für heute. Fragen und Empfindungen. Und Farben und Unschärfe. Und Fotografie.


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Es hat etwas Spielerisches sich mit Mozart zu befassen. Die Farbserie von neulich mit dem 50mm, F2 und einem Zwischenring sind von Hand aufgenommen. Im mag Blumen auf dem Esstisch. Ich mag Blumen überhaupt. Aber oft sehe ich sie anders. Und so sind sie wie ich sie sehe.

Über Mozarts Pathalogien und Psychopathologien wird noch heute spekuliert. Man sei sich sicher das Mozart ein ADHS Kind war. Zumal man das meint aus den Studien vorhandenen Daten.

Möglich sage ich. Es würde vermutlich das Eine erklären, nur eben das Zentrale nicht. Seine Musik. Aber bitte, wenn ich die drei Bilder heute einstelle, dann fragt mich auch nicht, warum mich ausgerechnet diese Motive angesprungen haben... :)


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Und was er immer gemacht hat, trotzdem dass er Geld verdiente mit Auftragswerken war, seine eigenen Nuancen in die Musik zu verpacken. Mozart's Musik muss man doppelt hören. Was er zwischen den Zeilen von sich preis gibt, ist eine Wucht.

Und in diesem Sinne lasse ich es für heute wuchtig. Mit dem Mondo für Horn und Orchester, KV 371.

Einen schönen Abend wünsche ich noch. :)


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Am 11. Februar habe ich dieses Thema eröffnet. Am 12. Februar habe ich dieses Bild mit der V2 gemacht. Ich habe es vergessen.

Heute ging ich wieder an diesem Feld vorbei. Und sie haben es geschnitten. Eine Aufnahme also, welche es so nie mehr auch nur annähernd gibt. Und heute habe ich die Todesanzeige in der Zeitung gelesen von einem älteren Mann vom Dorf, der irgendwann die letzten Tage gestorben ist.

Er spazierte mit seiner Frau oft auch an diesem Feld vorbei. Der dürre Stengel ist weg. Der Mann ist auch gegangen. Irdisches ist vergänglich. Und für einen Moment wurde ich sehr demütig. Die Musik hat uns Menschen etwas vor. Die Musik von Mozart auch. Sie hat bis heute überstanden und berührt mich immer und wieder auf's Neue.

Mit diesem Bild habe ich mich von diesem Mann verabschiedet. Still und mit Mozart, dem "Agnus Dei" aus der Krönungsmesse, KV 317.


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Ja, jenes "Agnus Dei" aus Mozarts Krönungsmesse. Ich hatte, nach dem ich es gehört habe, Lust etwas Farbiges zu fotografieren. Ohne "Agnus" und "Dei". Die Tulpen auf dem Esstisch fotografiert mit dem Nikkor Micro, 200mm, F4.

Und alle Bilder waren Schrott. Ein Wink...? Ich packte die Hunde und ging für einen kurzen Spaziergang. Und dann die Stelle. Nachdem "Agnus Dei". Langsam, zuerst gesungen von Solostimmen, das "Dona nobis pacem".


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Oh ja, die Musik war schon richtig. Switschen und Themenwechsel funktionieren nicht einfach so. Die Krönungsmesse, dieser einzige Satz, der etwas mehr als sechs Minuten ging, hat mich zurück gepfiffen.

Friede beginnt nicht Aussen, sondern Innen. Diese dubiose Krönungsmesse, der viel unbeweisliches unterstellt wird. Und sollte Mozart sie dann auch für kirchliche Zwecke komponiert haben, dann spricht die Musik doch auch etwas anderes.

Hinaus zu den Menschen gehört diese Musik. Nicht eingesperrt.


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Ich hoffe doch, dass ich mit diesem Thread nicht allzu (über-) fordernd daherkomme. Für mich persönlich, einer der spannendsten, reichhaltigsten, herausforderndsten und fotografisch vielseitigsten Thread ....:)
Danke für die bisherige Begleitung ...:)
 
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Ich hoffe doch, dass ich mit diesem Thread nicht allzu (über-) fordernd daherkomme....
Danke für die bisherige Begleitung ...:)

Sehr gerne folge ich diesem anregenden Faden und betrachte deine schönen Bilder, Sam. Doch muss ich mir dafür Zeit nehmen, deshalb bin ich nicht jeden Tag hier.;)
 
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Sehr gerne folge ich diesem anregenden Faden und betrachte deine schönen Bilder, Sam. Doch muss ich mir dafür Zeit nehmen, deshalb bin ich nicht jeden Tag hier.;)

Danke herzlich, Waldemar. :) Meine Aussage zielte ja nicht drauf ab, Jemanden zu drängen. Das Projekt "Mozart" hat mich ohnehin gepackt. Aber es ist auch so, dass ich dann manchmal so damit beschäftigt bin, dass ich das Gegenüber nicht mehr oder ungenügend wahrnehme....:)
 
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lieber Sam, du bist wie du bist und lässt es fließen wie es kommt. ist einfach schön, daß du uns teilhaben lässt. ich nehme mir soviel wie es für mich passt, kann nicht allem folgen. aber das macht nichts, deine arbeiten sind offen.
bleib wie du bist. :) [MENTION=5768]sam25[/MENTION]
 
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