"Ich kann Dir meine Empfindung nicht erklären,
es ist eine gewisse Leere - die mir halt wehe thut, -
ein gewisses Sehnen, welches nie befriediget wird,
folglich auch nie aufhört."
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) an seine Frau Constanze, fünf Monate vor seinem Tod
Ich öffne heute eine Tür. Eine Türe hinter der das Reich von Mozart weilt. Von Mozart, von seinem Leben, von seiner unglaublichen Musik.
Es soll ein Projekt werden, ein Projekt in dem ich mich über einen längeren Zeitraum mit der Musik und dem Leben von Mozart fotografisch auseinander setzen werde. Ich habe verschiedenen Bücher schon gelesen. Zur Zeit liegt eines auf meinem Nachttisch, welches ich schlicht fantastische finde Und ich noch häufiger drauf zurück kommen werde.
Es war wohl Mozarts Musik, welches ich als Kind zuerst gehört habe. Und das sind sicher weit über 40 Jahre her. Seither hat er mich nie mehr losgelassen.
Und wenn ich nun zu diesem Thread sein "Regina Caeli", KV 127 höre, welcher er mit 16 Jahren geschrieben hat, dann schüttelt es mich, weil es mich genau so stark berührt, wie als ich es das erst Mal hörte.
Es soll eine Auseinandersetzung werden mit einem Menschen, den ich nur durch die Musik kenne. Einem Menschen aber, welcher viel durch seine Musik sagt.
Meine Innenwelt ist meine Aussenwelt und umgekehrt. Und so wird es ein fotografischer Dialog werden.
Es werden unregelmässig Bilder und Begleittexte hier eingestellt. Ich brauche immer wieder Zeit, Text und Musik zu setzen und mich öffnen für die Fotografie. So wie ich mich dieser wunderschöner Stimmung heute Abend öffnete. Und ja, ein leises Halleluja ist mir dann schon über die Lippen gegangen...
Ich nutze alle meine Kameras und Optiken. Ich setze mich aber auch ganz bewusst über Regeln hinweg, ich spiele mit Kontrasten, hell und dunkel, mit Schärfe und Unschärfe. Und man darf alles kommentieren. Aber alles ist so gewollt, aus der Vorbereitung oder aus der Spontanität. Ich fotografiere farbig und s/w. Nur zwei Dinge haben sie gemeinsam: das Thema Mozart und der feine schwarze Rahmen mit dem dicken weissen Rahmen.
Das untenstehende Bild ist unscharf. Es erinnert mich an diese alten Platten, welche bei uns in einem Gestell standen. Mein Blick als Kind auf diese Namen war unscharf, heute stehen sie zusammen in einem Gestell in unserem Wohnzimmer. Und meine "Grossen" stehen zusammen: neben Mozart, Beethoven, Vivaldi und Händel.
Mit einigen von ihnen, auch mit Christoph Willibald Gluck habe ich mich literarisch, musikalisch und fotografisch befasst. Und nun ist Mozart dran. Und für heute ist fotografisch Schluss. Nicht aber literarisch ...
Für eure Begleitung meines Projekts danke ich schon jetzt ganz herzlich.
Ich kehrte heute zu den Eingangsworten von Mozarts Brief an seine Frau zurück. Mir ging er bei diesem mystischen kurzen Spaziergang auf einer Jurahöhe nicht mehr aus dem Kopf.
Jene Leere die Mozart schmerzte. Eine Leere, welcher er schon als Kind nur mit Tönen auffüllen konnte. Ein Vater der ihn puschte, und ihn schon als Kind auf Reisen mitnahm, um das Wunderkind bekannt zu machen.
Eine Leere ohne Inhalt schmerzt und die muss man füllen. Leere bedeutet ohne Inhalt zu sein. Und auf ein Kind oder Menschen bezogen, ist es auf die Dauer der Anfang vom Ende.
Mir ist heute aufgefallen, dass Musik hören und Motive sehen ein sehr oberflächlicher Zustand ist. Wenn ich jene beiden Sinnesebene ergänze mit Wahrnehmung, dann entsteht Inhalt. Es füllt Leere mit etwas, was eigentlich nur einem selbst gehört.
Die letzten beiden Bilder haben mich zwangsläufig an das Finale von Mozarts Zauberflöte erinnert. Der Nebel kämpfte eine ganze Weile gegen die Sonne an, bis er sich dann irgend wann geschlagen geben musste.
Mozart hat schon längst seine ersten Werke geschrieben, als ich noch nicht einmal schreiben konnte.
Wenn ich mich recht erinnern kann, dann war es nicht die Zauberflöte, welche ich als erstes hörte. Es war noch ein anderes Werk. Das Konzert für Querflöte und Harfe (KV 299). Das mag meine Mutter so gerne.
Aus der Leere entsteht Sehnsucht. Und so lange die Leere da ist, ist die Sehnsucht präsent. Irgendwann musste Mozart ja etwas greifbares haben. Stunden- und tagelang in der Kutsche. Stundenlang und tagelang irgend wo in einer Absteige, wartend auf seinen Vater, welche sich unglaublich bemühte, für seinen kleinen Sohn Auftritte zu organisieren.
Es passt sehr gut hier hin, das Konzert für Harfe und Querflöte. Leise habe ich die Melodie vor mich hingesummt und mich der Leere hingegeben. Und ich empfand auch Sehnsucht. Sehnsucht auch in mir, nach diesem und jenem.
Schon als kleiner Junge hat Mozart mit Tönen versucht, seine Leere zu füllen. Und ich kann ihn gut verstehen. Vielleicht kommt mein Drang zu fotografieren auch von einer Leere.
Aber vielleicht ist sie auch einfach eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht in mir im Aussen Dinge wahrzunehmen und ihnen einen würdigen Rahmen zu geben.
Längst ist mir klar, dass auch ich komponiere. Dass wenn ich mich den Motiven hingebe, ich eine Komposition daraus mache. Manchmal - so wie Mozart - gefällt sie einem selbst nicht. Man schreibt sie um oder sie landet im Rundordner.
Einmal ein Wunderkind, dann ist die Marschrichtung gegeben. Das wusste Mozart schon früh. Und ich bin froh, dass ich kein Wunderkind bin. Ich wollte nicht, ich müsste...
Die Sehnsucht treibt mich weiter in die Fotografie. Für heute habe ich die Leere gefüllt. Mit Mozarts Musik, mit Harfen- und Flötenklängen...
Ich stand als Kind oft am Fenster, als ich Mozart hörte. Ich schaute hinaus und versuchte seine Musik zu verstehen.
Ich verstehe sie wohl heute noch nicht. Und ich habe Mozart wohl nur emotional erfasst. Aber ich finde mittlerweile Worte und Bilder für seine Musik und ihn als Mensch.
Manchmal hat es mir fast die Seele zerrissen ob seiner Musik. Ich empfand, wie heute auch noch - Freude und Schmerz zugleich. Und ich merke, dass ich vermutlich nur mit meiner kindliche Herangehensweise ihm näher komme.
Mozart's Musik wird im Laufe der Zeit wohl schon erwachsener. Aber nie ganz. Und was man versucht kognitiv zu erklären, versteckt Mozart geheimnisvoll in Tönen.
Es ist ein ständiger Dialog mit Tönen, welches dann zu Sinfonien oder Konzerten führt. Und es scheint mir, als ob meine Bilder ähnlich entstehen. Erst der Dialog mit den Motiven ergibt das Bild. Meine Bilder entstehen niemals im Kopf. Sie sind Produkte und Abbilder meiner Dialoge.