Chile 2016, Teil 1/3: Osterinsel

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BeST

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Am Ostersonntag auf die Osterinsel - Warum nicht?

Geplant als Reise in 3 Kapitel begab ich mich Ende März 2016 mit meinem deutschen Fotoreisefreund wieder auf Fernreise.
Diesmal sollte es Chile sein mit einer Woche Osterinsel, der zweiten Woche Atacama und als dritte Woche Santiago mit Umland.
Als eingespieltes Zweierteam wussten wir nach Jordanien, Usbekistan usw. bereits, welche Probleme wir (miteinander) haben. :)

Auf direktem Weg war ich nach 4 Flügen und einer Anreisezeit von schlappen 42 Stunden schließlich am späten Abend des Ostermontag in Hanga Roa.
Warum gerade dieser Zeitpunkt? Klarerweise wegen der Mondphase! Ein Fototrip wird natürlich nach Sternenstand und Lunation geplant.

Dieser Bericht zeigt den 1. Teil meiner Reise nach Chile: Osterinsel = Easter Island = Isla de Pascua = Rapa Nui

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Hallo Bernhard,

bist du sicher das du auf den Osterinseln warst?
Der Krieger sieht aus wie ein Maori, vielleicht doch Neuseeland?:fahne:
Schöne Bilder, freue mich schon auf mehr.
 
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Meine Anreise geht über die Flughäfen von Wien, Frankfurt, Sao Paulo, Santiago de Chile und I. Pascua.
Die Grenze zwischen Argentinien und Chile bilden die Anden und das ist eine derart wesentliche Information, dass explizit vom Flugkapitän vor dem Überflug darauf hingewiesen wird.
Der höchste Berg Amerikas, der Aconcagua mit knapp 7000 Meter, ist dabei ganz hervorragend zu sehen ... wenn man auf der richtigen Seite am Fenster sitzt.

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Am nächten Morgen dann die erste Enttäuschung. Auf dem Kontinent, in dem ich den besten Kaffee und die echte Bohne erwartet habe, gibt es nur heißes Wasser und Bröselkaffee. Das ist Standard hier und vollkommen normal. Welche Auswirkungen das auf die Trinkkultur hat und welche (weibliche) Rolle die Beine in der Hauptstadt spielen, sollte ich dann in Santiago hautnah (sic!) erfahren.

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Noch in der Nacht habe ich die Tierwelt erleben dürfen. Ab 4 Uhr beginnen die Hähne zu klären. Alle. Ständig.
Daneben gibt es noch Kühe, Pferde, Katzen und vorallem viele, viele herrenlose Hunde.
Bedrohliche Fauna existiert auf der Insel nicht, am gefährlichsten sah noch dieser Saurier in Daumengröße aus.

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Die Osterinsel ist eine isoliert gelegene Insel mit 180 km² im Südostpazifik, die politisch zu Chile gehört, geographisch jedoch zu Polynesien. Der Hauptort Hanga Roa ist über 3800 km von der chilenischen Küste und mehr als 4200 km von Tahiti entfernt. Die Zeitdifferenz zur Hauptstadt Santiago de Chile beträgt -2 Stunden.
Für die Bewohner war diese überschaubare Landfläche mitten im Ozean der Mittelpunkt allen Seins. So nannten sie ihre Insel: Te pito o te Henua - Nabel der Welt.

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Bis zur Mitte des vorherigen Jahrhunderts war die Osterinsel überhaupt nicht mit dem Flugzeug zu erreichen, heute besitzt sie mit 3,4 Kilometer die längste Landebahn Südamerikas. Diese wurde 1984 für das Space Shuttle Programm der USA erweitert, um als mögliche Notfalllandebahn der NASA zu dienen.

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Mittlerweile landet die Fluggesellschaft LAN Chile täglich nach einem fünfstündigen Flug aus Santiago auf dem Flughafen Mataveri. Einmal pro Woche geht's auch noch weiter nach Papeete auf Tahiti. Das kann für Touristen am Flughafen Santiago schon mal verwirrend sein, weil der Flug damit gleichzeitig ein Inlands- und Auslandflug wird und über zwei Gates geboarded wird.

Und diese Touristen sind nun auch die wichtigste Einnahmequelle auf Rapa Nui geworden. Laut einer Doku waren es in den 1980ern erst 2000 Gäste pro Jahr, nun besuchen ca. 70.000 Menschen die Insel mit den Steinköpfen. In der Folge ergibt sich auch ein eklatantes Abfallentsorgungsproblem bei den etwa 6000 Insulanern.

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Eine Methode die Besucher abzuschrecken ist die saftige Erhöhung des Touristentickets (= Nationalparkgebühr) auf CLP 30.000, was umgerechnet USD 45 entspricht, den dollarzahlenden Besuchern jedoch mit USD 60 verkauft wird. Dieser sportliche Wechselkurs (/1000*2) wird dann auch überall auf der Insel angeboten. Wer auf sein Budget achtet, der wechselt seine Dollars besser in der örtlichen Bank zum realen Kurs (/1000*1,5) und zahlt in Pesos um 25 % weniger.

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Hanga Roa ist der einzige Ort auf der Osterinsel und bietet an die 1000 Betten in Privatunterkünften, Pensionen und Hotels. Wer vorab gebucht hat, wird am Flughafen abgeholt und mit einer Blumenkette begrüßt. Die Hauptstraße der Insel, der Avenida Atamu Tekena, ist das 'Herz' der Stadt. Hier finden sich Restaurants, Hotels oder auch kleine Läden, Souvenirshops, Bars, ein Supermarkt, eine Apotheke, eine Bank und auch einen Marktplatz.

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Eine Kulthöhle mit zahlreichen Felsbildern ist Ana Kai Tangata, die sogenannte „Menschenfresserhöhle“, bei Mataveri an der Westküste. Bei dieser Höhle handelt es sich eigentlich um eine 9 Meter breite und 15 Meter tiefe Grotte, die vom Meer ausgespült wurde. Sie ist über eine Steintreppe leicht zu erreichen und bietet an der Decke schöne Malereien.

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Thor Heyerdahl (1914 - 2002), ein norwegischer Forschungsreisender, Archäologe, Anthropologe, Ethnologe und Umweltaktivist trug mit seinen Expeditionen 1955-1956 und 1986-1988 wesentlich zur kulturellen Entdeckung des Inselgeschichte bei.

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Die Höhlen wurden als Kultstätten genutzt, wie zahlreiche Felsmalereien beweisen. Die Motive haben ihren Ursprung überwiegend im Vogelmannkult.

Eines der wichtigsten religiösen Höhepunkte auf der Osterinsel war die jährliche Zeremonie zur Findung und Ernennung des neuen Vogelmannes.
Dabei war das erste Ei, das von einer Ruß-Seeschwalbe auf der Insel Motu Nui gelegt und gefunden wurde, Gegenstand der Zeremonie.

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Im Juli eines jeden Jahres kletterten junge Männer (Hopus) die 300 Meter tiefe Steilwand hinab ins Meer, um zur rund 1,5 Kilometer entfernten Felseninsel Motu Nui zu schwimmen und von dort das erste Rußseeschwalbenei zurückzubringen.
Der erste Schwimmer, der ein unversehrtes Ei zurückbringen konnte, genoss für die folgenden 12 Monate besondere Privilegien und hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die politischen und religiösen Entscheidungen. Er war für ein Jahr der Vertreter des Schöpfergottes Makemake, der Vogelmann.

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Der Rano Kau ist einer von drei Vulkanen aus der die Osterinsel entstanden ist. Er durchbrach vor rund einer Million Jahre die Meeresoberfläche. Sein Vulkankegel an der südwestlichen Spitze der Osterinsel ist als solcher zwar noch zu erkennen, er ist aber an der Süd- und Westflanke beeindruckend stark und steil abgebrochen und ins Meer versunken. Der ursprüngliche Vulkan-Krater ist mit 1,6 Kilometer Durchmesser und rund 200 Meter Tiefe aber noch deutlich zu sehen.

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Im Gipfelkrater des Rano Kau befindet sich ein mit Süßwasser gefüllter See, der mit der Süßwasser-Schilfpflanze Totora zugewuchert ist. Dieser See diente den Ureinwohnern in früheren Jahrhunderten als Süßwasserquelle. Totora wurde zum Bau von Schilfbooten und Schwimmhilfen, aber auch Dachbedeckung genutzt.

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An der südwestlichen Spitze der Osterinsel, direkt auf dem 320 Meter hohen Kraterrand des Rano Kau, befindet sich eine der bedeutendsten Zeremoniestätten der gesamten Osterinsel. Diese Stätte nennt sich 'Orongo' und steht in enger Verbindung mit dem 'Vogelmann-Kult'.

Die Orongo-Kultstätte besteht aus etwa 70 Steinhäusern und sind ausnahmslos mit lose aufeinander geschichteten Steinplatten gebaut, die die Baumeister aus dem Fels des Rano Kau gebrochen haben.

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Die Häuser haben eine länglich ovale Form, keine Fenster und einen tunnelartigen, nur 50 Zentimeter hohen und breiten Durchgang. Die Eingänge sind ausnahmslos nach Süden ausgerichtet. Die Höhe der Innenräume liegt etwa bei 1,40 Meter.

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Mit dem Vogelmann-Kult im Orongo-Dorf auf dem Rano Kau Kraterrand untrennbar verbunden ist die kleine Felseninsel 'Motu Nui' am südwestlichen Zipfel der Osterinsel. Diese 3,6 Hektar große Felsformation spielte in den kultischen Handlungen der Rapa Nui bis 1862 eine zentrale Rolle.

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Das Ballet Kari Kari gilt als eine der besten traditionellen Tanzgruppen auf der Insel und existiert seit 1996. Deren Show läuft Dienstag, Donnerstag und Samstag von 21 bis 22 Uhr bei freier Platzwahl. Um CLP 15.000 bin ich dabei und für den besten Sitzplatz natürlich eine Stunde vorher da. Die Show ist kurzweilig, lebt von Rhythmus, Tanz und Gesang und gegen Ende werden auch einzelne Leute aus dem Publikum auf die Bühne geholt.

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Ich konnte mich zweimal erfolgreich verweigern. Ich musste schließlich meine Kamera festhalten.

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Hinterher bereue ich aber, dass ich mich nicht antanzen ließ. Die Omis im Saal hätten mich sicher auch gerne auf der Bühne hampeln gesehen.

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Das ist Mokomae Tumatauenga Araki, er betreibt ein Tattoo-Studio in Hanga Roa.
Abends tanzt er beim Ballet Kari Kari. Der Anteil weiblicher Zuseher ist über 90 %.
Die Muster im Gesicht sind aufgemalt, der Rest ist subkutan.

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Der erste Gedanke bei der Osterinsel sind sicherlich die Steinköpfe der Rapa Nui - die Moais.
Als Moai ('steinerne Figur‘ auf rapanui) werden die kolossalen Steinstatuen der Osterinsel genannt. Sie sind Bestandteil größerer Zeremonialanlagen und deren Anzahl wird mit 887 angeführt. Rapanui ist ein polynesischer Dialekt, der nur auf der Osterinsel gesprochen wird.

Die größte, jemals auf der Osterinsel, angelegte Zeremonie-Anlage befindet sich in der Hotu-iti-Bucht an der südlichen Küstenlinie der beginnenden Poike-Halbinsel. Diese Anlage nennt sich 'Ahu Tongariki'.

Die Nacht war mild, die Gegend menschenleer und der streunende Hund nicht aufdringlich - da läßt sich unbekümmert mit der Milchstraße spielen.

Das rechte Bild ist nachts im Laufe einer halben Stunde entstanden und besteht aus 60 Einzelaufnahmen mit je 30 Sekunden. Durch die Erdrotation ergibt sich die Kreisbewegung der Milchstraße mit den Sternenspuren.

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Wer stundenlang unter einem Stativ liegen kann und auf die Ausrüstung aufpasst ohne lästig zu sein, hat sich ein Portrait verdient.

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Die Ahu-Anlage Tongariki ist nicht nur die größte religiöse Anlage auf der Osterinsel, sondern auch die größte in ganz Polynesien. Der bekannteste Fotopunkt auf der Osterinsel zeigt 15 Moais, die bereits eine sehr bewegte Geschichte hinter sich haben.

Im 17. Jahrhundert hat hier die Anlage mit 15 Moais gestanden. Sie wurden etwa um 1680 im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den 'Langohren' und den 'Kurzohren' umgeworfen. Ein Tsunami am 23. Mai 1960 riß die Anlage dann komplett auseinander und spülte die bis zu 90 Tonnen schweren Moais und die gesamte Plattform ins Landesinnere. 1993 begann man die Moais wieder aufzustellen.

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Beliebteste Zeit am beliebtesten Ort ist bei Sonnenaufgang. Da sammeln sich dann doch einige Leute am Platz, um mit mehr oder weniger tauglicher Ausrüstung vorzugsweise sich selbst zu fotografieren.

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Die Anlage ist heute rund 100 Meter lang, sechs Meter breit sowie vier Meter hoch. Auf der Anlage stehen alle 15 Moai´s, der kleinste Moai misst 5,4 Merter, der größte Moai 14 Meter. Ein einziger Moai trägt einen Pukao (Hut oder Haarschopf, da ist sich die Wissenschaft nicht ganz sicher).

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Als Eingang zur Anlage dient ein Drehkreuz, bei dem jemand auch um 0600 die Touristenkarte kontrolliert. Aus Versehen hatte ich das Ticket für die Tanzshow Kari Kari gezückt, was kommentarlos abgenickt wurde. Ab sofort habe ich mir den Spaß gemacht bei den Hotspots diverse Zettel, Kassabons oder Boardingpässe vorzuweisen. Hat meistens funktioniert!

Abends kamen wir nochmals für die Nachtaufnahmen, da war eine ausweislose Dame dort, die kontrolliert hat. Ich hielt die für einen Fake, weil sie auch ihre Familie im Schlepptau hatte. Sie meint, wir sollen uns beeilen, weil es wäre schon 18:30 Uhr. Wir fragen, wie lange denn 'offen' sei. (Die Anlage ist hürdenfrei zugänglich!) Sie meint, 'bis 5 Uhr'. Häää???

Na jedenfalls gehen wir rein, verstecken uns hinter einem Moai bis zur Dunkelheit und können bis Mitternacht ungestört langzeitbelichten.

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Tolle Reportage, Bernhard. Da werden Erinnerungen an die eigene Reise 2003 wach, wo alles noch ohne Ticket zugänglich war.
 
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Eine hochspannende Reportage, toll in Text und sehr, sehr schön in Bildern ... :):up::up::up:

Für mich, geschichtlich im Übrigen etwas vom Spannendsten was es gibt ... :)
 
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Etwa 100 Meter entfernt direkt beim Eingang steht ein unscheinbarer Moai der aussieht als würde er der großen Tongariki-Anlage den Rücken zukehren und 'schmollen'. Dieser Moai hat aber eine ganz interessante Geschichte: Es ist einer der Moais, den Thor Heyerdahl bei Transportexperimenten von Insulanern hat bewegen lassen.

Er ist der einzige Moai, der die Osterinsel für eine lange Reise verlassen hat und wieder zurückgekehrt ist. Er 'durfte' sich während der Weltausstellung in Osaka zeigen. Danach wurde er wieder auf die Osterinsel gebracht und am Tongariki wieder aufgestellt. Seither trägt dieser Moai auch den Spitznamen 'The Traveling Moai'.

Im Hintergrund ist der Vulkan Rano Raraku zu sehen.

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Vom Verleiher des Mietwagens gut gebrieft wussten wir, dass nach Sonnenaufgang um 08:30 Uhr das beste Licht am Vulkan um 9 Uhr sein wird. Wir also nix wie rüber zum Rano Raraku als erstes Fahrzeug ... und stehen vor verschlossenem Schranken an der Zufahrtsstraße. Öffnungszeit erst um 9 Uhr.

Wie das halt so ist in gemäßigten Kulturkreisen, bummelt dann gegen halb 10 das Personal mit dem Schlüssel daher. Bis dahin hatte sich bereits ein langer Stau von 4 Fahrzeugen gebildet!

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Wie sich das für ambitionierte Fotografen gehört, sind wir die ersten in der Anlage und für gut eine Stunde vollkommen alleine. Ausgenommen die streunenden Hunde natürlich, die sind überall in unserer Nähe. Der organisierte Mob kommt dann wie üblich geblockt zum langweiligsten Licht gegen Mittag und ich weiß wieder, warum mir Gruppenreisen so unsympathisch sind. Alle müssen gleichzeitig am gleichen Ort sich gegenseitig auf die Füße treten und im Bild stehen und eine halbe Stunde später sind alle wieder weg. Das war mir in Usbekistan schon zuwider.

Rano Raraku - die Moai-Fabrik auf der Osterinsel

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Seit die Osterinsel im Jahre 1722 von dem holländischen Admiral Jakob Roggeveen gesichtet wurde, wird in fast allen Reiseberichten ein Ort immer wieder genannt, nämlich der Vulkan-Kegel Rano Raraku. Geologisch gesehen ist der Rano Raraku nicht besonders spektakulär und er ist mit seinen etwa 150 Metern Höhe auch eher einer der kleineren Erhebungen auf der Osterinsel. Doch am Rano Raraku findet sich massenweise das was die Osterinsel so bekannt gemacht hat, nämlich die Moai-Steinmonumente.

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Von der Fabrik hat man einen sensationellen Blick zur Hotu-iti-Bucht und auf Ahu Tongariki.

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Der Rano Raraku wurde über die Jahrhunderte unter anderem deshalb immer wieder genannt, weil es mehr als 150 Jahre die einzige Stelle auf der Osterinsel war, an dem Moais noch aufrecht standen (wenn auch bis zur Brust im Sediment vergraben).

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Viele Moais am Rano Raraku haben eine individuelle Körperhaltung und damit auch Austrahlung. So hat beispielsweise der Piropiro Moai eine sehr spitze Nase und eine leichte Fehlhaltung (man könnte auch sagen Buckel). Der 'Hinariru' Moai hat seinen Kopf leicht nach rechts gedreht und der 'Re-carved' Moai scheint auf dem ersten Blick ein verunglückter Moai gewesen zu sein, den man nachbearbeitet hat.

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Die Besucher kommen nun schwallweise, meist sind jedoch Paare oder Dreiergruppen unterwegs. Eine junge Dame asiatischen Aussehens ist sich nicht zu blöde für ein Foto auf einen Moai zu klettern. Der Guardaparque (= Wächter) sieht das und wirft sie samt Begleiter sofort aus der Anlage raus. Richtig so.

Bei den Moais gilt ein noch strengeres Berührungsverbot als in den Kaffeehäusern von Santiago!

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Blick in den Süden über liegende Moais und Pferde. Der Rano Raraku ist die Geburtsstätte der meisten Moais und bis heute befinden sich fast 400 fertige und unfertige Moais im Steinbruch der Erhebung.

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Der Rano Raraku ist aber sonst auch in vielerlei Hinsicht ein sehr interessanter und mysteriöser Ort: Am und im Rano Raraku befinden sich unter anderem 397 Moais, von denen nur ein Viertel komplett bearbeitet und aus dem Stein geschlagen sind. In dem rund 350 x 280 Meter ovalen Kratersee befindet sich Süßwasser, in dem Totora-Schilfgras wächst.

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Tolle und informative Reise-Reportage, die uns ganz bequem vom Sofa aus in eine weit entfernte Region der Erde führt - vorgemerkt für unsere Highlights :up:

Ich freue mich auf deine Fortsetzungen!
 
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Für die Touristen werden frische Figuren zu günstigen Preisen aus Holz geschnitzt. Günstig für den Verkäufer.

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Bei der Rückfahrt quer über die ganze Insel (20 km!) kommt man über die einzige Straße wieder am Traveling Moai und Tongariki vorbei.

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Von einer Masse an Touristen (70.000/Jahr!?) merke ich nix, das ist vermutlich auch meiner Reisezeit geschuldet. Der Durchschnitt von 200 Besuchern pro Tag wird aber wohl hinkommen. Ampel gibts keine auf der Insel und die einzige Tankstelle verursacht auch keine Staus.
Die Gäste kommen aus der ganzen Welt und interessant fand ich, dass auch viele alleinreisende junge Damen unterwegs sind.
Sicherheit ist auf der Osterinsel kein Thema, da gibt es überhaupt keine Probleme.

Den einzigen - schrecklichen - Verlust, den ich zu beklagen habe, ist der Diebstahl meiner Badehose, die meinen untrainierten Luxuskörper und den Waschbärbauch besonders sexy betont hat. Die hing zum Trocknen im Rosenbusch auf der Terrasse und war abends einfach weg. Vermutlich war das aber keine Stalkerin oder ein anderer neidischer Reisender, sondern ein streunender Hund, der sich in meine nasse und sandige Swimsuit verbissen hat.

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Hier mal die Anlage Ahu Tongariki mit Leuten im Vordergrund, damit man auch einen Größenvergleich hat.

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Sehr informative ind interessante Reportage. Da freut man sich das noch zwei weitere Teile folgen werden ;)
Danke fürs zeigen. :up:
 
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Interesanter Bericht! Was gibt es denn ausser den Statuen noch so auf der Insel? Die Natur muss doch einiges zu bieten haben dort, oder?
 
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Auf der ganzen Welt finden sich wohl nur wenige Stellen, an denen so viele, so hervorragend herausgearbeitete Petroglyphen auf einem so engen Raum angebracht sind, wie auf der Osterinsel. Die Gesamtzahl der Petroglyphen schätzt man auf etwa 5000.

An der Nordküste der Osterinsel befindet sich der so genannte Papa Vaka, eine glatte Basalt-Gesteinsfläche, auf dem viele Petroglyphen mit marinen Motiven angebracht sind. An diesem Ort im Zeichen der Meerestiere und des Fischfangs finden sich 222 Darstellungen von Fischhaken sowie 87 Darstellungen von Booten bzw. Kanus.

Papa ist übrigens der Begriff für ebene und glatte Lavaflüsse, Vaka heißt übersetzt etwa Kanu, daher auch der Name 'Papa Vaka'.

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Eine sehr interessante Ahu-Anlage ist der Ahu Te Pito Kura, oder besser gesagt, der darauf liegende Moai 'Paro' an der Nordküste der Osterinsel. Der Moai Paro ist nämlich mit 9,80 Meter der größte Moai, der jemals über die Insel transportiert und auf einer Ahu-Anlage aufgestellt wurde. Geschaffen wurde dieser 82 Tonnen schwere Moai am Rano Raraku Krater, der etwa sechs Kilometer entfernt ist. Dazu hatte man dem Moai noch einen zwei Meter hohen Hut (Pukao) aufgesetzt, der vom rund 18 Kilometer entfernten 'Puna Pau' (östlich von Hanga Roa) stammt und stolze 11,5 Tonnen wiegt.

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Etwas abseits des Ahu Te Pito Kura befindet sich am Meer ein glattgeschliffener runder Stein im Durchmesser von etwa 80 Zentimeter, der als 'Te Pito O Te Henua' oder auch 'Der Nabel der Welt' bezeichnet wird. Es heißt, dieser Stein habe magische Kräfte und sei früher von den Ureinwohnern angebetet worden, weil es die 'Mana' stärken konnte.

Der runde Stein ist in einem Steinkreis eingebettet, davor liegen vier kleinere runde Steine auf denen sich Besucher setzen, um ihre Hände auf den magischen Stein zu legen.

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Was für eine spannende Reise!
Ich genieße Deine Bilder und Beschreibungen sehr und freue mich sehr auf die Fortsetzung!

Die Daumen muss ich nachreichen, mein sparsames Kontingent ist bereits aufgebraucht :frown1:

Einer der mysteriösesten Orte ist das für mich und ich freue mich sehr, hier von Dir so geballte Infos zu bekommen, danke dafür :)
 
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