Ein Morgen. Ein anderer Morgen. Ich denke noch an Johnny und langsam kommt eine Dankbarkeit in mir auf.
Ich habe gestern per Mail ein Bild zugeschickt bekommen, welche auch ins Kraftbuch kommt. Und in diesem Mail heisst es, dass man uns wünscht, die kleinen Dinge im Alltag zu sehen, welche einem Kraft geben. Ein wunderschöner Gedanke.
Eure Bilder tragen dazu bei, auch die Eindrücke von heute Morgen ...
Was uns früher total faszinierte und wenig zahlreich am Himmel war, sind diese fliegenden Dinger. Claudia hat mich vorhin gerufen, schau' mal, das wäre ein schönes Foto. Leider habe ich es nicht mehr so hingekriegt, wie sie es gesehen hatte ...
Aber ich ging zu Oberst ins Haus und sah ihn noch, diesen Ballon. Geblieben ist die Faszination, das Staunen, wenn ein Ballon im Himmel herumfährt.
Prägung, nennt man das, so wie wir gelernt haben, einander beizustehen ...
Oh, danke Sven ... wir haben seit Jahren keinen Fernseher mehr, aber dafür haben wir die DVD zu Hause ... Claudia ist den Herren gegenüber sehr geteilter Meinung, ich finde sie der Hammer. Das hat hat aber auch damit zu tun, dass ich damals in Neuseeland mit einem Schotten zusammen wohnten und wir jeden Montag Fawlty Towers mit John Cleese sahen ...
Für manche von Euch mögen meine Morgenbilder zunehmend langweilig sein. Ich habe mich heute Morgen gefragt, ob es auch Standards gibt im Umgang mit dieser Krankheit. Sozusagen nach ISO Norm. Es gibt Selbsthilfegruppen und jene Literatur und Prospekte über dieses Thema. Es gibt professionelle Hilfe für Betroffene und Angehörige und ein ganzer Apparat kann man um sich scharen.
Wenn ich am Morgen aufstehe, dann versuche ich meine Stimmung zu erfassen. Ich denke an den Tag, an das Morgen nicht. Aber vor allem ist mir der Spaziergang wichtig.
Manchmal höre ich Musik, manchmal nicht. Heute waren es der zweitletzte und der letzte Satz von Beethovens 5. und letzten Klavierkonzert. Es wurde in Dresden uraufgeführt und kam erst Jahre später in Wien zur Aufführung.
Beethoven selbst hat es nie öffentlich gespielt. Das hatte mit seiner zunehmenden Schwerhörigkeit zu tun. Und wieviel er noch gehört hat, als er es komponierte, dass weiss man nicht.
Ich bin nicht schwerhörig, und trotzdem trage ich etwas in und mit mir, dass mich nicht loslässt. Und der Morgen gehört zu meiner wertvollsten Zeit, mir und dem Tag zu begegnen. Eben mit dem, was ich mittrage. Der Nebel kommt und geht, das Blau und das Organe verändern sich und nehmen mich in ihrer Veränderung mit.
Mein, erst vor kurzem zufällig entdecktes "Health-App" auf meinem iPhone zeigt mir die Schritte und die Kilometer und die Stockwerke an. Im Schnitt sind es zwischen 12 und 13 tausend Schritte und somit ca. 6 bis 7 km am Tag.
Die Morgenschritte sind die wichtigsten für mich. Sie legen die Basis für den Tag. Und die Bilder dienen der Fokussierung, der Eigenwahrnehmung.
Beethoven hatte mit der Zeit keine Möglichkeit mehr, seine Werke zu hören. Er musste sich alles vorstellen. Er liess sich Klaviere herstellen, welche immer lauter klangen. Doch auch das war dann einmal ausgeschossen. Und es blieb ihm das innere Gehör, die innere Vorstellung, wie es wohl klingen würde ...
Wenn ich meine Morgenbilder anschaue, auch wenn sie fast immer in der gleichen Gegend entstehen, geben sie mir Hinweise auf mich selbst. Vielleicht ist es das, was mir dieser Morgenspaziergang so wichtig erscheinen lässt.
Vielleicht ist das meine ISO Norm, meine ganz eigene. Und teile sie, ohne Anspruch darauf, dass die "Norm" übernommen wird.
Ob Beethoven sein 5. Klavierkonzert geändert oder überarbeitet hätte wenn er es gehört hätte ...? Diese Frage ist irrelevant. Denn sie entstand dann, wann sie entstanden ist und er hat das OK gegeben, dass man sie nun aufführen kann. Auch das Klavierkonzert ist eine Aufnahme von Beethoven, so wie er war und komponierte, genau dann ...
Der Mäusebussard startet seinen morgendlichen Erkundungsflug. Und es geht ihm wohl wie mir. Wir teilen uns das Revier ...