Hallo!
Es freut mich, dass Ihr Eure Reaktionen hier beschreibt, das ist wunderbar. Im Gegensatz zu Albert, ich war damals 21, wusste ich noch ziemlich genau, was Bhopal war, es wurde schon darüber berichtet, zum Beispiel gab es eine sehr beeindruckende Spiegelreportage (DER SPIEGEL 50/1984) vom 10.12.1984, also eine Woche nach dem Unglück:
Klick.
Dennoch wusste ich nicht, was mich dort erwartet. Der erste Eindruck war auch nichts besonders, Bhopal ist eine relativ typische indische Stadt, eher noch von der schöneren Sorte. Beim näheren Hinsehen aber wird einem deutlich, wie groß der Schaden und das Leid in den betroffenen Vororten heute noch ist, und auch, wie groß die Sauerei war und ist. Und ich wurde auch sehr wütend, deshalb habe ich diese Reportage gemacht. Das Problem ist, dass man nach so langer Zeit seine Wut nicht mehr konkret auf jemanden projizieren kann, es ist zu viel passiert und zu viel verwischt, es gibt zu viele neue Firmenmäntel, Klagen und Urteile, hinter denen sich gut verstecken lässt. Außerdem hat die
Union Carbide India in den ersten Monaten schon viel getan, man kann also nicht sagen, die hätten nicht mal geholfen.
Aber auch eine diffuse Wut auf "die chemische Industrie", oder auf "die Politik" etc. hilft nichts und niemandem. Es bleibt bei mir eher eine Wut auf den Zynismus der Menschen, die, anstatt gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, sich hinter fadenscheinigen Ausreden verstecken. Und das betrifft in diesem Fall alle Beteiligen, auf indischer wie auf amerikanischer Seite. Die Fa.
Dow Chemical tritt übrigens als Sponsor der Olympiade auf. Thema Fairness, Nachhaltigkeit, Naturschutz und so. Das meine ich mit zynisch. Mal sehen, ob in Zeiten der neuen Medien nicht doch wieder Druck aufgebaut und ausgeübt werden kann. Dazu braucht es jeden von uns.
Danke also für Eure Aufmerksamkeit. Die betroffenen Menschen in Bhopal werden es Euch ebenso danken. Es war in gewisser Weise auch eine Freude dort zu arbeiten, denn die Menschen waren sehr zuvorkommend, freundlich und sogar dankbar. Sie haben gelernt, dass Fotografen und Journalisten ihnen sehr helfen - helfen, Aufmerksamkeit zu bekommen, das ist ihre stärkste Waffe, eigentlich haben sie keine andere. Wie Albert schon richtig gesagt hat.
Leider habe ich von den großen Magazinen nur Absagen für die Reportage bekommen, die meisten hatten das Thema schon besetzt, d.h., ich war zu spät. Daher auch mal einen Dank an Klaus (Harms) dafür, uns so eine tolle Plattform auch für Reportagen zur Verfügung zu stellen. Wenn ihr wollt und könnt, schickt dann den Link weiter!
Danke an alle, die bis hierher gelesen haben.
Muster verschiedener Aktionen, die im Lauf der Jahrzehnte veranstaltet wurden. Aufnahme aus der Bibliothek des Sambhavna-Trusts, Bhopal.
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