Noch einmal dankeschön an euch Kommentatoren.
Als alter Radreisender interessiert mich natürlich brennend wie ihr das mit den
Übernachtungsplätzen geregelt habt. Habt ihr immer jemanden zum Nachfragen
gefunden oder es einfach mal riskiert. Manche Zeitgenossen reagieren ja
»seltsam allergisch«, wenn es ums wilde Campen geht.
Wie sind eure Erfahrungen?
Durchweg positiv!
Bevor wir ca. 2012 begannen, in Deutschland bzw. Mitteleuropa wild zu zelten, hatte ich mich über die Materie in diversen Foren belesen und auch so meine Bedenken. Nach nunmehr ca. 50 wilden Nächten im Zelt (u. a. auf Usedom, Elberadweg, Harz, Tschechien, Österreich, z. T. am Rande von Großstädten, Schweiz, Norditalien) bin ich da deutlich entspannter, denn wir hatten nie irgendein Problem.
Wir schauen natürlich immer, dass wir keinem Bauern die Mahd verderben, indem wir sein Gras "plattliegen" oder Feldwege versperren und zelten nach Möglichkeit nicht direkt einsehbar, sondern an einem Wald- oder Feldrand. Wir bauen das Zelt erst abends auf, verlassen den Ort am Morgen und hinterlassen über Nacht nichts vor dem Zelt außer einer verschlossenen Mülltüte. Letztlich versuchen wir uns so zu verhalten, dass niemand Anstoß nehmen kann (wobei uns natürlich jemand an den "Karren pinkeln" könnte, wenn er wollte). Manchmal kamen Reiter, Jäger, Bauern oder Spaziergänger vorbei, nach einem kurzen Gespräch waren die aber eigentlich immer total verständnisvoll, kein Problem. Und ehrlich: wer sich an einem einsamen Zelt stört, muss andere Probleme haben... außerdem muss erstmal die Polizei gerufen werden, den Weg des Nachts finden, etc...
Wenn alle Stricke reißen, z. B. in der Nähe von Ortschaften oder Nationalparks, fragen wir Anwohner am Ortsrand nach einem Stückchen Wiese, und wurden noch nie abgelehnt. Eher ernteten wir ungläubige Blicke ("Ihr müsst doch frieren!"), manchmal brachte man uns noch Tee, oder ein Bier.
Gegenteilige Erfahrungen gehören natürlich auch dazu: einmal in Deutschland, einmal in der Schweiz, die zu den reichsten Ländern der Welt gehören, verweigerte man uns Wasser aus dem Hahn, mit der Begründung: "Wenn das jeder machen würde, wären wir arm..." Dabei kostet 1 Liter Leitungswasser gerade einmal 0,5 Ct. In Laos oder Nepal wäre eine solche Reaktion schlicht unvorstellbar.
Mich hat das geärgert, verblüfft, einfach sehr enttäuscht.
Seitdem denken wir häufiger darüber nach, wie wir anderen gegenüber treten, was wir selbst vermitteln wollen. Das sind wohl Erfahrungen, die man nur in der Fremde macht, auch wenn man dafür nicht mal weit reisen muss.