Zusammenhang Beugungsunschärfe/Aufnahmeabstand?

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.

Moseleifel

Sehr aktives NF Mitglied
Registriert
Hallo Fachleute,

dass jenseits Blende 11 Beugungsunschärfen entstehen können, weiß ja hier jeder.

Nach meinem Eindruck entsteht diese Beugungsunschärfe aber je eher, je weiter das Motiv entfernt ist, d. h. bei einer Landschaftsaufnahme macht sich diese Unschärfe eher bemerkbar als bei Macro.

Aus Testbildern einiger User war zwar auch schon bei Nahaufnahmen eine Beugungsunschärfe zu sehen, aber meine Macroaufnahmen mit dem 60er AF 2,8 D sind selbst voll abgeblendet noch einwandfrei, mithin ist der Nutzen an Tiefenschärfe besser als die Beugungsunschräfe, also Blende 32 ist Blende 16 vorzuziehen.

Daher meine Frage:

Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Beugungsunschärfe und Aufnahmeabstand?

Jörg
 
Anzeigen
Hallo Jörg,

Beugung hängt nur von der Wellenlänge und der effektiven Blende ab. Verantwortlich für mögliche Unschärfe bei Aufnahmen auf weite Entfernung sind eher die Streuung (an Staubteilchen, an Wassertröpfchen in der Luft) oder die Brechung des Lichts aufgrund Schwankungen in der optischen Dichte der Luft (typischer Effekt: Luftschlieren über erwärmten Boden). Bei weiten Entfernungen schlagen Brechung und Streuung viel mehr zu, als Beugung, solange man nicht durch ein Vakuum fotografiert...

Viele Grüße!

Uli
 
Kommentar
Eigentlich sollte die beugungsbedingte Unschärfe nur von der Blendenöffnung abhängen. (Es sei denn, man macht eine extreme Auszugsverlängerung.)
Nun gibt es bei Landschaftsaufnahmen wahnsinnig viele Details. Die kann aber das Objektiv und / oder der Sensor nicht vollständig auflösen. So kommt es auch zu einer (scheinbaren) Unschärfe.
Nimmt man im Makrobereich (im Abbildungssmaßstab 1:1 etwa) etwas auf, so können vom Objekt horizontal z.B. 3800 Punkte aufgelöst werden.
Eine Landschaft besteht horizontal aber aus weitaus mehr Punkten. Da überlappen sich bei der Abbildung sehr viele, was den Eindruck der Unschärfe hinterlässt. Ein Grund, warum Landschaftsfotografen auch gerne Mittelformatkameras benutzen.

Wolfgang
 
Kommentar
Denke auch, dass da auch subjektive Effekte mitspielen: Wenn du die Schärfe von f/16 und f/32 vergleichst, bitte nur am Fokus Punkt verlgiechen! Also nimm irgend was ebenes (z.B. einen glatten Euro Schein), Kamera schön senkrecht drüber auf's Stativ und nochmal vergleichen!

Denn f/32 bietet ja mehr Tiefenschärfe, neben der weniger guten Schärfe am Fokuspunkt (wegen Beugung), gibt es halt Bereiche, die bei f/16 ausserhalb des scharfen Bereiches sind, bei f/32 aber innerhalb. Wenn bei deiner Cam bei einem optimalen Objketiv f/11 die föderliche Blende ist, dann heisst das ja nicht, dass mehr Abblenden keinen Sinn mehr macht. Das heisst nur, dass das Bild am Fokus Punkt mit noch mehr Abblenden weniger scharf wird. Nun gehn auf die Diagonale einer 10 MP DSLR 4600 Pixel. Als scharf (nach Tiefenschärferechner) gelten alle Bereiche, wo die Unschärfe 1500 mal auf die Diagonale passt, d.h. sie ist bereits 3 Pixel gross am Rand des Schärfebereichs.
Das war f/11, nimm an, die Beugung war da genau 1 Pixel, geh nun auf f/22. Die Beugung am Fokuspunkt ist nun 2 Pixel gross. Da, wo vorher die Grenze vom Tiefenschärfebereich war, ist es aber wegen der unterschiedlichen Tiefe nur noch 1.5 statt 3 Pixel scharf (wobei die Beugung das noch erhöhen wird), d.h. die Stellen sehen trotz Blende weit jenseits der förderlichen Blende schärfer aus. D.h. du hast die Tiefenschärfe erhöht, auf Kosten eines knack, knack scharfen Bildes am Fokuspunkt, du hast die Schärfe gleich mässiger über die Tiefe verteilt.

Wenn man für die Tiefenschärfe bei 1/1500 Diagonale bleibt, dann darf man eigentlich auch bei der Beugung so weit gehn, statt da plötzlich 1 Pixel als Masstab zu nehmen. Das hiesse ungefähr: Bei Kleinbild ist f/45 Ende des sinnvollen, bei DX ist es ca. f/32. Das ist dann aber auch das äusserste, für Notflälle, weil Beugung und Tiefenunschärfe sich noch ergänzen, sollte man die ganze 1/1500 Reserve nicht nur für Beugung auffressen, also in der Praxis lieber eine Blende vorher aufhören: f/32 bei KB, f/22 bei DX. Wobei natürlich klar gesagt sei: Über die sog. förderliche Blende (bei den meisten DX DSLR f/8 bis f/11) nur rausgehn, wenn das Bild nochmehr Tiefenshcärfe wirklich braucht - auf Kosten der Schärfe am Fokuspunkt.

Das war jetzt alles mit einem optimalen Objektiv. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass einige Objektive die Beugung noch verstärken, d.h. mit starkem Abblenden schneller weich werden als andere. Lichtriesen stehn bei mir grundsätzlich immer in dem Verdacht. Ich hab auch einige Optikeen mal darauf getestet. So war z.B. das alte AF 70-210/4-5.6 richtig gut, an Kleinbild Film war bis f/22 kein Nachlassen der Schärfe am Fokuspunkt sichtbar (gut, war ein 200er Diafilm, der bringt wohl nicht ganz 10 MP).
 
Kommentar
Hallo Pulsdriver,

danke für die umfangreiche Ausführung. Ich werde wohl noch weiter bohren müssen, ob ein direkter Zusammenhang zwischen Beugungsunschärfe und Aufnahmeabstand besteht. Das war meine Frage.

Jörg
 
Kommentar
Also die Antwort auf deine Frage ist einfahc, aber auch schwer.

Theoretisch hängt das nur von der Grösse des Blendenloches ab.

Theoretisch heisst. Soviel beugt es auf jeden Fall, ganz egal wie gross der Abbildungsmasstab ist oder was auch sonst für Sachen gemacht werden.

Nur: Objektive können das noch verstärken. Und da können dann alle möglichen Parameter eine Rolle spielen! Dafür müsste man die optische Rechnung verstehn, oder aber es ausprobieren!
 
Kommentar
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten