Bei so vielen Mitreisenden muss ich einen zusätzlichen Bus organisieren...
Aber ich warne euch: Langstreckenbusse in Myanmar starten immer spät nachts und erreichen ihr Ziel noch vor Morgengrauen, die Fahrt ist holprig, die Klimaanlage läuft auf Volltouren (warum? weil sie es kann!).
Unmengen Schokocroissants und Pizza, Laundryservice, der Besuch des örtlichen Friseurs: noch einige Tage tiefenentspannen wir in Kathmandu, futtern uns nach den Strapazen des Everest-Treks verlorene Kilos wieder an. Dann fliegen wir nach Kuala Lumpur. Die US-amerikanisch anmutende Hauptstadt Malaysias verpasst mir einen zermürbenden Kulturschock. Ich bin froh, die Metropole mitsamt ihren Fastfoodriesen, Mercedes-Filialien und futuristischen Petronas-Towers schnell hinter mir zu lassen. Und das Wetter ist sowieso trist.
#1
Vor uns liegt Myanmar. Ein Land, dass vor allem aufgrund seiner verheerenden politischen Situation und der kürzlich wieder aus dem Hausarrest entlassenen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in den westlichen Medien Erwähnung findet. Der Lonely Planet warnt: hier gebe es keine Geldautomaten, nur makellose Dollarscheine würden akzeptiert, Touristen von der burmesischen „Stasi“ bespitzelt und niemals solle man selbst politische oder religiöse Themen ansprechen! Doch mit dem scheinbaren Ende der Militärdiktatur 2011 und der stetigen Öffnung des Landes nach außen wächst der Tourismussektor mit Lichtgeschwindigkeit. Der staatlich forcierte Tourismusboom stützt sich auf ein funktionierendes Fernbusnetz, zahlreiche neue Hotels und Geldautomaten, die VISA akzeptieren. Einige der ATMs wurden pfiffigerweise direkt in der Shwedagon Paya in Yangon installiert, der bedeutsamsten buddhistischen Stupa des Landes.
#2
#3 Und mit Hilfe eines starken Graufilters sind wir plötzlich auch die einzigen Besucher.
Wer hat sie nicht schon einmal gesehen: weibliche Angehörige der Padaung, eines Volkes, das ursprünglich in einem umgrenztem Gebiet nahe der thailändischen Grenze lebte. Politisch verfolgt, flüchteten weite Teile der Bevölkerung in andere Landesteile oder nach Thailand, wo sie heute als "Long neck women" in Schaudörfern oder an touristischen Spots ihr Brot verdienen. Wir meiden diese menschlichen Zoos, und dann entdecke ich doch eine alte Dame an einem Webstuhl. Ihr Schwiegersohn versichert mir, sie arbeite hier freiwillig, niemand macht Anstalten, mir etwas zu verkaufen, ich bitte um ein Foto. Später muss ich erfahren, dass der Mann mit "Schwiegermutti" und Geschäft urplötzlich hier auftauchte, und mit der Padaung weder verwandt noch befreundet sei - ich habe mich hinters Licht führen lassen...
#4
Entgegen landläufiger Meinungen würde den Frauen nicht das Genick brechen, nähme man die bis zu 3 Kilo schwere Goldtracht ab. Die Ringe werden seit dem Kindesalter angelegt und immer weiter gestapelt; dabei wird die Wirbelsäule nicht etwa gestreckt, sondern das Schlüsselbein nach unten gedrückt. Der Muskelkater muss dennoch heftig sein.