Geisterhafte Aufnahme einer seltenen Hyäne in einer verlassenen Bergbaustadt gewinnt den Preis für den Naturfotografen des Jahres 2025

© Wim van den Heever / Wildlife Photographer of the Year
Aus rekordverdächtigen 60.636 Einsendungen aus 113 Ländern wurden gestern Abend die Kategorie- und Gesamtsieger des weltweit führenden Wettbewerbs für Wildtierfotografie, Wildlife Photographer of the Year, bekannt gegeben. Der Wettbewerb wurde zum 61. Mal vom Natural History Museum in London veranstaltet.
Die Ausstellung „Wildlife Photographer of the Year“ mit den Gewinnerbildern wird Freitag, den 17. Oktober 2025, im Natural History Museum in London eröffnet. Anschließend tourt die Ausstellung durch verschiedene Länder und wird auch in Deutschland zu sehen sein. Traditionell ist auch das dazugehörige Buch im Knesebeck Verlag erschienen.
Wir stellen euch einige der Gewinner vor:
Naturfotograf des Jahres 2025
Der südafrikanische Naturfotograf Wim van den Heever wurde für sein eindrucksvolles Bild "Ghost Town Visitor" zum Naturfotografen des Jahres 2025 gekürt.Die scheue und gefährdete Schabrackenhyäne hält auf ihrem nächtlichen Streifzug durch die ausgestorbenen Straßen von Kolmanskop inne, einer aufgegebenen Diamantminenstadt am Rand der Namib-Wüste. Die einst reichste Siedlung Afrikas zieht heute jährlich Tausende von Besuchern an. Einer von ihnen war Wim, der seit fast zehn Jahren regelmäßig in die Stadt reist, immer in der Hoffnung, die nachtaktive Schabrackenhyäne zwischen den verfallenen Häusern fotografieren zu können. Die überwiegend einzelgängerisch lebenden Hundeartigen, die seltenste aller Hyänenspezies, sind vom Sicherheitspersonal schon öfter dabei gesehen worden, wie sie auf ihrem Weg zum Aas an der Skelettküste Namibias auch Kolmanskop passierten. Bei jedem seiner Besuche stellte Wim Kamerafallen auf, in der Hoffnung, endlich sein Bild zu bekommen, doch die Tiere entgingen ihnen jedes Mal. Als er einen Schakal fotografierte und in derselben Gegend einige Hyänenspuren fand, wusste er, dass die Stelle mit dem großen, leeren Gebäude im Hintergrund der beste Ort für eine weitere Kamerafalle war. In der denkwürdigen Nacht legte sich Nebel vom Meer über das Land, was die geisterhafte Stimmung ungeheuer verstärkte. „An diesem Abend löste meine Kamera drei Mal aus und machte jedes Mal ein Bild“, erinnert sich Wim. „Aber nur auf einem war die Schabrackenhyäne zu sehen.“
Kathy Moran, Vorsitzende der Jury für den Wildlife Photographer of the Year, sagt: "Wie passend, dass dieses Foto in einer Geisterstadt entstanden ist. Schon beim Anblick des Bildes bekommt man ein prickelndes Gefühl und man weiß, dass man sich im Reich dieser Hyäne befindet. Ich liebe auch die Wendung dieser Interpretation von "urban" – es war einst eine vom Menschen dominierte Umgebung, ist es aber nun nicht mehr. Von den Bergleuten verlassen, hat die Tierwelt die Oberhand gewonnen. Neu bevölkert, wenn man so will. Es ist noch eine Stadt – so kommt es mir vor – nur nicht mehr unsere."
Akanksha Sood Singh, Jurymitglied des 61. Wettbewerbs, sagt: "Dieses Bild ist eine unheimliche Gegenüberstellung der Wildnis, die sich die menschliche Zivilisation zurückerobert. Das Bild ist eindringlich und doch faszinierend, denn die einsame Hyäne steht als Symbol der Widerstandsfähigkeit inmitten des Verfalls im Mittelpunkt. Dieses Bild ist eine vielschichtige Geschichte über Verlust, Widerstandsfähigkeit und den stillen Triumph der Natur, was es zu einem unvergesslichen Stück Tier- und Naturschutzfotografie macht."
Junger Naturfotograf des Jahres 2025

© Andrea Dominizi / Wildlife Photographer of the Year
Als Young Wildlife Photographer of the Year 2025 wurde Andrea Dominizi ausgezeichnet. Er ist der erste Italiener, der die prestigeträchtige Auszeichnung für Naturfotografen unter 17 Jahren erhält.
Andrea gewann mit dem Bild "After the Destruction", das eine ergreifende Geschichte über den Verlust von Lebensraum erzählt. Das Bild ist vor verlassenen Maschinen gemacht und zeigt einen Laubholzbockkäfer in den Lepini-Bergen in Mittelitalien, einem Gebiet, das einst für alte Buchen abgeholzt wurde.
Wenn sich Laubholzkäfer in Totholz eingraben, dringen Pilze in das Totholz ein und helfen, es abzubauen und Nährstoffe zu recyceln. Wird der Lebensraum der Käfer gestört oder zerstört, wirken sich dies auf das gesamte Ökosystem aus.
Andy Parkinson, Jurymitglied des 61. Wettbewerbs, sagt: "Ein Bild, das ebenso erzählerisch und wichtig ist wie detailreich. Es ist ein fesselndes, aber erschütterndes Foto, das den Betrachter dazu anregt, über das Wesen dieser angespannten Beziehung nachzudenken. Dieses Bild, das so schön und kompositorisch gestaltet ist, wird, so hoffe ich, Gespräche, Diskussionen und die Akzeptanz fördern, dass wir von unserem derzeitigen Weg abweichen müssen, weil wir nicht nur unsere eigene Zukunft aufs Spiel setzen."
Impact Award 2025
Der Impact Award des Wettbewerbs, der bereits zum zweiten Mal vergeben wird, würdigt einen Erfolg im Naturschutz, eine Geschichte der Hoffnung oder des positiven Wandels. In diesem Jahr ging der Preis an den brasilianischen Fotografen Fernando Faciole für sein Bild "Orphan of the Road".
© Fernando Faciole / Wildlife Photographer of the Year
Fernandos Foto zeigt einen verwaisten Großen Ameisenbären, der seiner Pflegerin nach einer abendlichen Fütterung in einem Rehabilitationszentrum folgt, und dokumentiert die Folgen von Verkehrsunfällen, einer der Hauptursachen für den Rückgang der Zahl der Großen Ameisenbären in Brasilien. Die Mutter des Welpen wurde von einem Fahrzeug getötet, und die Hoffnung ist, dass er wieder in die Wildnis entlassen wird, nachdem er von seinem Betreuer ermutigt wurde, wichtige Überlebensfähigkeiten zu entwickeln.
Neben Rehabilitationszentren entwickelt das Projekt "Ameisenbären und Autobahnen" des des Wild Animal Conservation Institute Strategien, um das Sterben von Ameisenbären auf Brasiliens Straßen zu reduzieren. Dazu gehören das Errichten von Zäunen und der Bau von unterirdischen Tunneln, damit die Ameisenbären sicher überqueren können.
Hans Cosmas Ngoteya, Jurymitglied des 61. Wettbewerbs, sagt: "Der Ameisenbär, der auf diesem Bild abgebildet ist, symbolisiert viele bedrohte Tiere, die unsere Hilfe benötigen. Diese Tiere, die nicht in der Lage sind, sich verbal auszudrücken, verlassen sich darauf, dass wir ihren Schutz und ihre Pflege gewährleisten. Dieses Bild vermittelt diese Botschaft effektiv."
Die 19 Kategoriesieger in den Kategorien für Jugendliche und Erwachsene sind:
- 10 Jahre und jünger: Jamie Smart (Großbritannien)
- 11 – 14 Jahre: Lubin Godin (Frankreich)
- 15 – 17 Jahre: Andrea Dominizi (Italien)
- Tiere in ihrer Umgebung: Shane Gross (Kanada)
- Tierporträts: Philipp Egger (Italien)
- Verhalten: Vögel – Qingrong Yang (China)
- Verhalten: Säugetiere – Dennis Stogsdill (USA)
- Verhalten: Amphibien und Reptilien – Quentin Martínez (Frankreich)
- Verhalten: Wirbellose – Georgina Steytler (Australien)
- Oceans: The Bigger Picture – Audun Rickardsen (Norwegen)
- Pflanzen und Pilze – Chien Lee (Malaysia)
- Naturkunst – Simone Baumeister (Deutschland)
- Unterwasser – Ralph Pace (USA)
- Urbane Tierwelt – Wim van den Heever (Südafrika)
- Feuchtgebiete: Das große Ganze – Sebastian Frölich (Deutschland)
- Fotojournalismus – Jon A Juárez (Spanien)
- Fotojournalist Story Award – Javier Aznar González de Rueda (Spanien)
- Rising Star Award – Luca Lorenz (Deutschland)
- Portfolio Award – Alexey Kharitonov (Israel/ Russland)
Ausstellungen
Die Ausstellung „Wildlife Photographer of the Year“ mit den Gewinnerbildern wird Freitag, den 17. Oktober 2025, im Natural History Museum in London eröffnet. Anschließend tourt die Ausstellung durch verschiedene Länder und wird u.a. hier zu sehen sein:21.11.2025 - 28.06.026 Naturhistorisches Museum Basel (CH)
ab 29.11.25 Westfälisches Pferdemuseum Münster
05.12.2025 – 08.03.2026 Museum Mensch und Natur München
Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es hier:
Wildlife Photographer of the Year | Natural History Museum
Explore the world's best nature photography, exhibited on exquisite light panels for an immersive exhibition like no other.
Das Buch zum Award

© Knesebeck Verlag
Alle prämierten Bilder gibt es im Band Wildlife Fotografien des Jahres. Portfolio 35, der bei Knesebeck erschienen ist.
Wildlife Fotografien des Jahres. Portfolio 35. Übersetzt von Ulrike Kretschmer. 25.0 x 25.0 cm, gebunden mit SU, 160 Seiten mit 150 farbigen Abbildungen
ISBN 978-3-98962-019-3
Preis: 38 €
Bei Amazon kaufen (*Partnerlink)
*Partnerlink: Für Käufe über Partnerlinks erhält das Netzwerk Fotografie kleine Provisionen. Am Preis für dich als Kunden ändert sich nichts.
Link zum Buch bei Knesebeck:
Wildlife Fotografien des Jahres - Portfolio 35 | Knesebeck Verlag
Wildlife Fotografien des Jahres - Portfolio 35 - Der renommierte, bei Naturfotografen weltweit äußerst begehrte Wettbewerb...
www.knesebeck-verlag.de
Bildnachweise: wie angegeben