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Die Gewinner des Wildlife Photographer of the Year 2026 stehen fest. Der italienische Fotograf Federico Veronesi wurde für eine berührende Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Elefantenkuh ausgezeichnet, die ihr totes Jungtier trägt. Auch mehrere Fotograf:innen aus Deutschland gehören zu den Preisträgern. Wir stellen euch eine Auswahl der ausgezeichneten Bilder vor.​


Schwarz-Weiß-Fotografie einer Elefantenkuh, die ein totes Jungtier mit Rüssel und Stoßzahn trägt.
„The Aftermath“ – das Siegerbild des Wildlife Photographer of the Year 2026. Foto: Federico Veronesi / Wildlife Photographer of the Year

Federico Veronesi ist Wildlife Photographer of the Year 2026​

Das Siegerbild „The Aftermath“ („Eine schwere Zeit“) entstand im Damaraland im Nordwesten Namibias. Federico Veronesi folgte dort einer Herde von etwa 20 Elefanten, als er bemerkte, dass eines der Weibchen ein totes Jungtier mit sich trug. Die Elefantenkuh hielt das Kalb zwischen ihrem Rüssel und einem Stoßzahn fest und legte es nur gelegentlich zum Fressen ab. Als das Weibchen das Jungtier kurz ablegte, versammelten sich andere Elefanten darum, berührten es vorsichtig mit ihren Rüsseln und nahmen in seiner Nähe ein Staubbad. Anschließend nahm die Elefantenkuh das Kalb wieder auf und setzte ihren Weg fort.

Ein solches Verhalten ist bei Elefanten nicht unbekannt. Sowohl bei afrikanischen als auch bei asiatischen Elefanten wurde beobachtet, dass sie auf tote Artgenossen reagieren: Sie geben Laute von sich, bewachen die Körper, untersuchen und berühren Knochen oder tragen verstorbene Tiere mit sich. Forscher:innen diskutieren, ob diese Verhaltensweisen auf ein Verständnis des Todes hindeuten oder möglicherweise Ausdruck von Trauer sind.

Veronesi hielt die berührende Beobachtung in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme fest, die von der Jury zum besten Naturfoto des Jahres gewählt wurde. Der italienische Fotograf lebt und arbeitet seit vielen Jahren überwiegend in Kenia. Er ist insbesondere für seine Aufnahmen der ostafrikanischen Tierwelt bekannt.

Oscar Whitfield gewinnt den Nachwuchswettbewerb​

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Mistkäfers, der eine große Dungkugel über staubigen Boden schiebt.
„Labour of Love“ – ein Mistkäfer transportiert seine Dungkugel durch den Sand. Foto: Oscar Whitfield / Wildlife Photographer of the Year

Der Titel Young Wildlife Photographer of the Year 2026 geht an Oscar Whitfield. Sein Bild „Labour of Love“ zeigt einen Mistkäfer, der eine große Dungkugel durch eine sandige Landschaft schiebt. Whitfield fotografierte das Tier aus einer besonders niedrigen Perspektive. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme macht die Größenverhältnisse und die Anstrengung des kleinen Käfers sichtbar. Zugleich verleihen die aufgewirbelten Sandpartikel dem Bild eine besondere Dynamik.

Erstmals in der 62-jährigen Geschichte des Wettbewerbs wurden sowohl der Gesamtsieger als auch der Nachwuchsgesamtsieger für Schwarz-Weiß-Fotografien ausgezeichnet.

Auszeichnungen für deutsche Naturfotografen​

Unter den diesjährigen Preisträgern sind auch mehrere Fotograf:innen aus Deutschland vertreten.

Konrad Gräeter: Vogelgesang im Gegenlicht​

Singende Amsel zwischen Zweigen und Blättern im weichen Morgenlicht eines Weinbergs.
„Birdsong Painted in Light“ – eine singende Amsel im stimmungsvollen Morgenlicht. Foto: Konrad Gräeter / Wildlife Photographer of the Year

Konrad Gräeter gewann die Altersklasse der 15- bis 17-Jährigen mit seiner Aufnahme „Birdsong Painted in Light“. Das Bild zeigt eine singende Amsel, die zwischen Zweigen und Blättern sitzt. Statt den Vogel möglichst freigestellt abzubilden, bezog Gräeter die Vegetation und das weiche Licht bewusst in seine Bildgestaltung ein. So entstand eine atmosphärische Aufnahme, bei der die Stimmung ebenso wichtig ist wie das eigentliche Motiv.

Alexis Tinker-Tsavalas: Faszinierende Makrowelten​


Extreme Makroaufnahme einer Raubfliege, die eine andere Fliege mit ihren Mundwerkzeugen festhält.
Eine Raubfliege mit ihrer Beute aus dem ausgezeichneten Portfolio „Hidden Depths“. Foto: Alexis Tinker-Tsavalas / Wildlife Photographer of the Year

Alexis Tinker-Tsavalas erhielt den Rising Star Portfolio Award für seine Serie „Hidden Depths“. Seine Fotografien widmen sich der oft übersehenen Welt kleiner Tiere und Insekten. Eine der Aufnahmen zeigt eine Raubfliege, die eine andere Fliege erbeutet hat. Durch die extreme Nähe werden feinste Strukturen der Facettenaugen, Haare und Körperoberflächen sichtbar. Für die Aufnahme kombinierte Tinker-Tsavalas 24 Einzelbilder mittels Focus Stacking.

Zu den weiteren deutschsprachigen Fotograf:innen unter den 100 ausgewählten Arbeiten gehören Jens Cullmann, Tobias Richter und Britta Springler.

Weitere ausgezeichnete Naturfotografien​

Die Gewinnerbilder zeigen die große Bandbreite der Naturfotografie. Neben eindrucksvollen Tierbegegnungen wurden auch ungewöhnliche Perspektiven, kreative Bildgestaltungen und Aufnahmen aus weniger beachteten Lebensräumen ausgezeichnet.

James Lewin: Begegnung an der Wasserstelle​

Schwarz-Weiß-Infrarotaufnahme eines Elefanten, der an einer Wasserstelle eine Gruppe Zebras mit Wasser bespritzt.
„The Meeting Place“ – ein Elefant an einer Wasserstelle, umgeben von Giraffen und Zebras. Foto: James Lewin / Wildlife Photographer of the Year

James Lewin wurde für seine Aufnahme „The Meeting Place“ ausgezeichnet. Sie zeigt einen Elefanten an einer Wasserstelle in Kenia, umgeben von Giraffen und Zebras. Die Schwarz-Weiß-Fotografie entstand mit einer für Infrarotaufnahmen umgebauten Kamera. Dadurch erhalten die Tiere und die Landschaft eine ungewöhnliche Tonwertverteilung, die der Szene beinahe einen grafischen Charakter verleiht.

Aaron Sanders: Ein Blick unter die Wasseroberfläche​

Ein Oktopus blickt mit einem Auge hinter einem breiten Tangblatt hervor.
„A Watchful Eye“ – ein Oktopus versteckt sich zwischen Tangblättern. Foto: Aaron Sanders / Wildlife Photographer of the Year

Aaron Sanders erhielt eine Auszeichnung für sein Unterwasserbild „A Watchful Eye“. Die Aufnahme entstand vor der Küste Cornwalls. Zwischen großen Tangblättern entdeckte Sanders einen Oktopus, dessen Auge gerade noch aus seinem Versteck hervorschaut. Die zurückhaltenden Farben und die ungewöhnliche Bildkomposition machen die Aufnahme zu einem Suchbild, das sich erst beim genaueren Hinsehen erschließt.

Michał Michalski: Wenn Bewegung zu Malerei wird​


Verwischte Silhouetten auffliegender Vögel, die wie herbstliches Laub wirken, vor kahlen Birken.
„Escape Artistry“ – ein Vogelschwarm verwandelt sich durch Bewegungsunschärfe in ein grafisches Muster. Foto: Michał Michalski / Wildlife Photographer of the Year

Der polnische Fotograf Michał Michalski gewann mit „Escape Artistry“ in der Kategorie „Natural Artistry“. Seine Aufnahme zeigt einen Schwarm auffliegender Vögel vor einem Wald aus kahlen Bäumen. Durch eine vergleichsweise lange Belichtungszeit erscheinen die Vögel als gelbliche, verwischte Formen. Das Ergebnis erinnert an einen Wald, dessen Äste plötzlich wieder Blätter tragen.

Agorastos Papatsanis: Leuchtende Pilze im Wald​


Kleine Pilze auf einem morschen Baumstamm, deren gelbe Stiele unter UV-Licht fluoreszieren.
„Shedding Light“ – unter UV-Beleuchtung fluoreszieren die gelben Stiele der Pilze. Foto: Agorastos Papatsanis / Wildlife Photographer of the Year

Der griechische Fotograf Agorastos Papatsanis gewann mit „Shedding Light“ in der Kategorie „Pflanzen und Pilze“. Am Fuß des Olymp experimentierte er mit ultraviolettem Licht, um die Fluoreszenz kleiner Pilze auf einem verrottenden Baumstamm sichtbar zu machen. Die Aufnahme entstand mit einer Nikon D810 und einem 15-mm-Objektiv bei acht Sekunden Belichtungszeit. Für die durchgehende Schärfe kombinierte Papatsanis sechs Einzelaufnahmen mittels Focus Stacking.

Rekordbeteiligung beim Wildlife Photographer of the Year 2026​

Für den diesjährigen Wettbewerb wurden insgesamt 65.403 Fotografien aus 121 Ländern eingereicht, so viele wie nie zuvor. Eine siebenköpfige internationale Expertenjury unter dem Vorsitz von Kathy Moran bewertete die Einsendungen. In 16 Kategorien wurden Siegerbilder ausgewählt und weitere Fotografien ausgezeichnet.

Der Wildlife Photographer of the Year wird vom Natural History Museum in London veranstaltet und zählt seit mehr als sechs Jahrzehnten zu den bedeutendsten internationalen Naturfotowettbewerben. Die Ausstellung mit den prämierten Bildern ist vom 16. Oktober 2026 bis zum 11. Juli 2027 im Natural History Museum in London zu sehen. Weitere Ausstellungen sind unter anderem in Münster und Darmstadt geplant.

Wer selbst teilnehmen möchte, kann ab dem 19. Oktober 2026 Fotografien für den nächsten Wettbewerb einreichen. Hier gibt es weitere Informationen zum Wettbewerb und zur Teilnahme:

Wildlife Fotografien des Jahres: Portfolio 36​

Buchcover „Wildlife Fotografien des Jahres – Portfolio 36“ mit einem Eisbären in einer eisigen Landschaft.

Begleitend zur Preisverleihung erscheint im Knesebeck Verlag der neue Bildband „Wildlife Fotografien des Jahres. Portfolio 36“. Das Buch versammelt die 100 besten Fotografien des Wettbewerbs 2026. Es zeigt die Vielfalt der ausgezeichneten Arbeiten und lädt dazu ein, die Bilder und ihre Geschichten in Ruhe zu entdecken. Der Band ist ab heute erhältlich.

Mehr Informationen gibt es hier beim Knesebeck Verlag:
 
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