Wandern auf Madeira

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Am nächsten Tag war eine etwa 8stündige Wanderung vom Pico de Ariero und zum Pico du Ruivo angesetzt. Die 850 m Aufstieg und 1000 m Abstieg bis zu unserem Berghotel waren zu viel für mein lädiertes Knie, ich musste passen.
Aber jetzt lohnt es sich noch einmal den Thread von Schachspieler aufzurufen. In Madeira SW hat er zu einem anderen Zeitpunkt einige wunderschöne Fotos dort machen können. Unsere Gruppe dagegen, die bei schlechtem Wetter dorthin unterwegs war, hatte fast die ganze Zeit über Regen und nur selten Gelegenheit Fotos zu machen.

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Der Rest der Truppe fuhr dann hinunter an die Küste, warf einen Blick auf die Inselhauptstadt Funchal, direkt zu einer der höchsten Steilküsten Europas, dem 589 m hohen Cabo Girao. Auf der gläsernen Aussichtsplattform ist mächtig Trubel und ich war froh, dass wir zumindest im Anschluß daran noch eine rund 3-stündige Blümchenwanderung entlang einer Levada gemacht haben. Entschädigt wurde dieser "Zwangsruhetag" dann aber mit dem schönen Blick bei einem Bier vom Balkon unseres Berghotels in Encumeada.

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Am nächsten Tag ging es gut erholt entlang der Levada da Serra und der Levada do Norte zwischen 1000 und 1600 m in das Naturschutzgebiert Natura 2000, ein EU-Schutzgebietssystem.
Vom Hotel aus ging der Weg direkt steil nach oben, durch dichte Lorbeerwälder an Wasserfällen vorbei, durch Landschaften, die mich an die "Der Herr der Ringe" Triologie erinnerten.

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Es wurde ganz schön feucht. Die Wege sehr rutschig und trotz aller Vorsicht stürzte eine unserer Mitwanderinnen direkt mit dem Kopf auf eine Kante der Levada. Glück im Unglück, derbe Platzwunde an der Stirn und eine Gehirnerschütterung. Schlimmer hatte es einige Wochen zuvor drei Jugendliche getroffen, die in einem der langen Tunnel vom Hochwasser überrascht worden waren und ertranken.

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Mit unserer Verletzten in der Mitte war es schon ein gutes Gefühl, einen einheimischen Guide dabeizuhaben. Vor allem auch mit Blick auf diese heftigen Steinschläge. Der Schriftzug am Heck unseres Busses wirkte schon wie blanker Hohn. Da unsere Verletzte über Kopfschmerzen klagte, beschlossen wir: "Einer für Alle - Alle für Einen!" Auf einer kleinen Hütte gab es dann zum Abschluss Poncha (hatte ich ja bereits vorgestellt) und Nikita, ein Mixdrink, das aus Weisswein, Bier, Vanilleeis, Ananas und Zucker besteht und auf Madeira sehr angesagt ist. Das Zeug hat den Vorteil, dass man nach dem dritten Nikita sogar portugiesisch sprechen kann.
Als Snack gab es dazu Schweineohren in Schmalz gebacken. War mir dann auch egal.

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Die letzte Wanderung stand an. Ursprünglich sollte sie über den Königsweg gehen, aber die Wettervorhersage für diese Region war so schlecht, dass unser Guide in den Südwesten der Insel auswich. Von Lombo da Velha entlang einiger Levadas, vorbei an kleinen Bauernhöfen, unterwegs gab es in einem urigen Laden eine kleine Erfrischung, wanderten wir hinab zum Meer nach Ribeira das Galinhas.

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An unserem letzten gemeinsamen Tag ging es zum Abschluss der Wanderung nach Funchal zu einem gemeinsamen Abschiedsessen. Während der Rest der Gruppe am folgenden Tag nach Hause flog, blieben wir noch 2 Tage in der Inselhauptstadt.

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Ein paar Eindrücke von der Inselhaupstadt Funchal wollte ich euch noch zeigen.
Sie ist das touristische Zentrum der Insel und wird leider häufig nur von Tagesreisenden besucht, die mit den täglich dort anlegenden Kreuzschiffen anlanden.
Wir sind insgesamt 3 Tage dort geblieben und mir hat der Flair dieser kleinen Stadt sehr gut gefallen.

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Stilvoll kann man im Reid's Palace übernachten, in dem schon Winston Churchill gerne seine Ferien verbrachte.
Wenn man am Abend in dem Restaurant in der Festungsanlage ein 5 Gänge Menue für 100 Euro bucht, ist der Abholservice mit dem Oldtimer inkludiert.

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Für unseren österreichischen Freunde ist Funchal sicher ein geschichtsträchtiger Ort. Neben Kaiserin Sissi, die gerne ohne Franz hier herkam, lebte auch der letzte Kaiser Karl I., nach dem Ende des 1. Weltkrieges, gezwungener Weise mit seiner Familie hier im Exil. Ganz überraschend starb er nach wenigen Jahren und wurde in der Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte beigesetzt.
Übrigens wurde vor wenigen Monaten ganz in der Nähe von Sissis Denkmal das Denkmal von Ronaldo eingeweiht. CR7 wurde auf Madeira geboren und hat seine ersten Buden auf einem der Bolzplätze hier gemacht.

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Es geht um die Korbschlittenfahrer, die mit ihren historischen Kufenfahrzeugen waghalsig mit etwa 10 - 12 km/h hinab ins Tal rasen. Während die Insassen oft den Eindruck vermitteln, sie säßen in einer Highspeed Achterbahn.

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Beim Bummeln durch die kleinen Gassen fallen immer wieder die individuell bemalten Eingangstüren auf.

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In einer dieser kleinen Gassen arbeitet die 19jährige Veronica als Aushilfskellnerin. Über 100 junge Frauen in ihrem Alter sind von Madeira im letzten Jahr nach Deutschland gekommen, um eine Ausbildung in einem Pflegeberuf zu machen.

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Mir läuft jetzt ein bißchen die Zeit davon. Vielleicht hätte ich über Funchal einen eigenen Thread machen können, denn ich sehe hier gerade doch noch unheimlich viele Fotos. Allerdings muß mich jetzt auf den Weg machen. Heute Abend geht es nach Shanghai, den Yangzi mit Schiff und Bahn hoch, weiter nach Tibet und mit der Tibet Bahn zurück nach Xian und später Beijing. Ich melde mich für 3 Wochen ab und bedanke mich bei allen, die mich bei diesem Thread begleitet haben. Euch ein frohes und friedliches Osterfest.

Viele Grüsse
Uli

Noch ein Blick auf ein ankommendes Kreuzfahrschiff.

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