Seit kurzem habe ich das manuelle Zeiss Makro Planar 2/100mm ZF, das sich gleich als Stammobjektiv auf die D200 gesetzt hat. Allein von der Haptik ist es ein zeitloses Objektiv.
Volker (VolkerM) hat mich hier um einen Vergleich des Zeiss und des berühmten Nikkor AiS 105mm/2.5 gebeten, vor allem nach dem ich in meiner ersten Feststellung dem Zeiss eine wesentlich bessere Qualität attestiert hatte. Daher hatte ich heute das wunderschöne Wetter in Wien ausgenutzt und ein paar Bilder mit der D200 gemacht, jeweils abwechselnd mit dem Zeiss und dem Nikkor um auch meine eigene Neugierde befriedigen zu können.
Zu den beiden Objektiven
Das Zeiss ZF Makro stammt von der ARRI Master Prime Serie von Zeiss ab. Vorteile dieser Serie (aus dem Handbuch entnommen):
Das AiS 105mm/2.5 wird von vielen, einschließlich VolkerM und Bjorn Roslett ob seiner außergewöhnlichen Schärfe gelobt. Weiters ist das verwendete Gauss Design ob seiner Einfachheit berühmt geworden. (Mehr Info auf der Webseite der Nikon Historical Society
Obwohl die beiden nur 0.5 f-stops in der Anfangsöffnung ihrer Blenden unterscheidet, ergibt sich daraus ein erheblicher Größenunterschied.
Die beiden ohne Sonnenblende
und mit Sonnenblende
Bedienung
Beide Objektive sind sehr präzise zu fokkussieren, wobei des Zeiss etwas fester zu drehen ist. (Nebenbemerkung: Der Zeiss Objektivschutzdeckel ist ein Plastikfetzenflieger, der gar nicht zu dem Anspurch des Objektivs passt - ich habe ihn einfach gegen einen neuen 67mm Nikondeckel ausgetauscht). Das AiS hat übrigens einen Filterdurchmesser von 52mm. Das ZF wiegt 680g und das AiS nur 440g. Der maximale Abbildungsmaßstab ist für das ZF 1:2 und für das AiS 1:7.7 Die minimale Fokusdistanz ist 44cm/ZF und 100cm/AiS.
Beide Objektive sind auf der D200 (mit Katzeye Screen) sehr leicht zu bedienen, wobei mir das ZF eine Spur besser in der linken Hand liegt. Das liegt zum einen an dem größeren Durchmesser des Tubus, als auch dem etwas besser erreichbaren Blendenring. Bei 100/105mm ist der KatzEye Screen noch genau - bei längeren MF Objektiven habe ich immer wieder Fokusprobleme mit der Scheibe (>600mm).
Zu den Bildern und den sichtbaren Qualitätsunterschieden
Eines kann man vorweg bereits feststellen. Nikon ist mit dem 105mm ein sehr sehr guter Wurf gelungen. Erstaunlich was dieses kleine und vergleichsweise einfache Objektiv an Leistung bringen kann. Einige moderne Objektive von Nikon können sich da eine Scheibe abschneiden.
Alle Bilder mit D200 auf stabilem Stativ, mit SVA und Fernauslöser aufgenommen. Die abgebildeten Bilder wurden direkt aus den RAW Files mit CNX ohne jegliche Veränderung (außer Ausschnitt und Verkleinerung) erzeugt.
Alle Bilder findet ihr auf www.pbase.com/andrease/zeissais
Erster Test - Schärfe
Testobjekt sitzt in der prallen Sonne. Kamera D200, ca. 2 Meter entfernt.
Voller Ausschnitt, ca so:
AiS @ f8, 100% crop
Zeiss @ f8, 100% crop
Weiter Bilder mit f2 bzw. f2.5 und jeweils f22 gibt es auf meiner Website.
Zweiter Test - Schärfeverlauf
Dazu musste das schräge Dach meiner Gartenhütte herhalten. Aufgenommen von ca 30 Grad ggü. der Dachfläche. Bilder mit f2 und f2.5 sind unter dem o.a. Link zu finden.
AiS @ f22 - Volles JPEG - Hier klicken
Zeiss @ f22 - Volles JPEG - Hier klicken
Dritter Test - Bokeh
Ich hatte mir hier einen größeren Unterschied erwartet als ich ihn tatsächlich gefunden habe. In der Vergangenheit war ich mit dem Bokeh des AiS nicht immer zufrieden, oft genug gab es Bilder mit "hartem" Hintergrund. Bei diesen Bildern ist das nicht aufgetreten. Hmmm. Die Sonne kam von schräg links vorne (siehe Schatten des Knubbels). Bilder mit f22 sind auf meiner Webseite
AiS @ f2.5
Zeiss @ f2
Vierter Test - Kontrast im Gegenlicht
Die Sonne stand links vom Baum, gerade so, daß sie nicht im Bild sichtbar ist. Hier zeigen sich für mich deutliche Unterschiede, wie die beiden Objektive diesen Kontrast abbilden. Beide Bilder mit gleicher Belichtung aufgenommen.
AiS @ f5.6 und 1/800sec
Zeiss @ f5.6 und 1/800sec
Fünfter Test - Flare und Ghost im Gegenlicht
Schnell ein Bild der untergehenden Sonne aufgenommen. Da die Kamera auf A war, hat sie leider die beiden Bilder unterschiedlich belichtet. Obwohl das AiS Bild knapper belichtet ist, ist die Sonnenscheibe etwas mehr ausgefressen als beim Zeiss Bild. Beim AiS Bild sieht man auch am linken Rand den deutlichen grünen Fleck, das Zeiss geht locker über diese Aufgabe hinweg. Aufgefallen ist mir auch, daß das AiS bei gleichen Belichtungseinstellungen zu helleren Bildern neigt - kann es sein, daß die Blendenfläche bei gegebener Blende bei den beiden Objektiven geringfügig unterschiedlich ist?
AiS @ f5.6 und 1/8000sec
Zeiss @ f5.6 und 1/5000sec
Sechster Test - Nachtaufnahme, Kontrast und Schärfe
Ich wollte schon immer den Wasserturm in Wien/Simmering aufnehmen, er ist Nacht für Nacht so schön beleuchtet. Obwohl beide Objektive ausgezeichnete Schärfe zeigen, ist der Farbumfang des Zeiss für mich eine Spur intensiver - nicht viel, aber sichtbar. Es kann auch sein daß hier die Neigung des AiS bei gleichen Belichtungswerten etwas heller zu zeichnen, dafür verantwortlich ist. Schärfeausschnitte, eine 58mm Noct und eine AiS 200mm/4 Aufnahme sind auf der Webseite zu finden.
AiS @ f8 und 1sec
Zeiss @ f8 und 1sec
Zusammenfassung
Ich war etwas überrascht wie gut das kleine AiS abgeschnitten hat. Basierend auf meiner Erinnerung hätte ich den Unterschied größer eingeschätzt.
In dem "Bewerb" Schärfe geben sich die beiden Objektive über den ganzen Blendenbereich nicht wirklich etwas. Wenn es Unterschiede gibt, dann sind sie aus meiner Sicht in der Praxis nicht relevant. Ich gehe (zumindest bei mir) davon aus, daß der stärkste Faktor zur Schärfe meine Fähigkeit ist, die Fokusebene zu finden. Ditto für Bokeh, das ist zwischen dem Nikkor und dem Zeiss sehr sehr ähnlich.
Wo es aus meiner Sicht einen Unterschied gibt, ist in der Farbbrillianz und im Kontrasthandling bei Gegenlicht. Sowie bei Ghost and Flare, daß beim Zeiss so gut wie nicht vorhanden ist. Bitte auch bedenken, daß praktische alle Testaufnahmen im Telebereich aufgenommen wurden, dem Bereich, für den das AiS optimiert wurde, nicht jedoch das Zeiss Makro Objektiv.
In zwei Sätzen zusammengefasst:
Das Zeiss ist das beste Makroobjektiv, das ich bis jetzt hatte. Das Nikkor AiS 105mm/2.5 ist eines der besten kurzen Teleobjektive, daß dazu noch vergleichsweise günstig ist.
LG,
Andy
Volker (VolkerM) hat mich hier um einen Vergleich des Zeiss und des berühmten Nikkor AiS 105mm/2.5 gebeten, vor allem nach dem ich in meiner ersten Feststellung dem Zeiss eine wesentlich bessere Qualität attestiert hatte. Daher hatte ich heute das wunderschöne Wetter in Wien ausgenutzt und ein paar Bilder mit der D200 gemacht, jeweils abwechselnd mit dem Zeiss und dem Nikkor um auch meine eigene Neugierde befriedigen zu können.
Zu den beiden Objektiven
Das Zeiss ZF Makro stammt von der ARRI Master Prime Serie von Zeiss ab. Vorteile dieser Serie (aus dem Handbuch entnommen):
- Über den ganzen Blendenbereich außergewöhnliche Schärfe
- Geringe Störlicht-Absorption für Brilliante Bilder
- kaum geometrische Verzerrung
- neutrale Farbwiedergabe
- ästhetisches Bokeh
Das AiS 105mm/2.5 wird von vielen, einschließlich VolkerM und Bjorn Roslett ob seiner außergewöhnlichen Schärfe gelobt. Weiters ist das verwendete Gauss Design ob seiner Einfachheit berühmt geworden. (Mehr Info auf der Webseite der Nikon Historical Society
Obwohl die beiden nur 0.5 f-stops in der Anfangsöffnung ihrer Blenden unterscheidet, ergibt sich daraus ein erheblicher Größenunterschied.
Die beiden ohne Sonnenblende
und mit Sonnenblende
Bedienung
Beide Objektive sind sehr präzise zu fokkussieren, wobei des Zeiss etwas fester zu drehen ist. (Nebenbemerkung: Der Zeiss Objektivschutzdeckel ist ein Plastikfetzenflieger, der gar nicht zu dem Anspurch des Objektivs passt - ich habe ihn einfach gegen einen neuen 67mm Nikondeckel ausgetauscht). Das AiS hat übrigens einen Filterdurchmesser von 52mm. Das ZF wiegt 680g und das AiS nur 440g. Der maximale Abbildungsmaßstab ist für das ZF 1:2 und für das AiS 1:7.7 Die minimale Fokusdistanz ist 44cm/ZF und 100cm/AiS.
Beide Objektive sind auf der D200 (mit Katzeye Screen) sehr leicht zu bedienen, wobei mir das ZF eine Spur besser in der linken Hand liegt. Das liegt zum einen an dem größeren Durchmesser des Tubus, als auch dem etwas besser erreichbaren Blendenring. Bei 100/105mm ist der KatzEye Screen noch genau - bei längeren MF Objektiven habe ich immer wieder Fokusprobleme mit der Scheibe (>600mm).
Zu den Bildern und den sichtbaren Qualitätsunterschieden
Eines kann man vorweg bereits feststellen. Nikon ist mit dem 105mm ein sehr sehr guter Wurf gelungen. Erstaunlich was dieses kleine und vergleichsweise einfache Objektiv an Leistung bringen kann. Einige moderne Objektive von Nikon können sich da eine Scheibe abschneiden.
Alle Bilder mit D200 auf stabilem Stativ, mit SVA und Fernauslöser aufgenommen. Die abgebildeten Bilder wurden direkt aus den RAW Files mit CNX ohne jegliche Veränderung (außer Ausschnitt und Verkleinerung) erzeugt.
Alle Bilder findet ihr auf www.pbase.com/andrease/zeissais
Erster Test - Schärfe
Testobjekt sitzt in der prallen Sonne. Kamera D200, ca. 2 Meter entfernt.
Voller Ausschnitt, ca so:
AiS @ f8, 100% crop
Zeiss @ f8, 100% crop
Weiter Bilder mit f2 bzw. f2.5 und jeweils f22 gibt es auf meiner Website.
Zweiter Test - Schärfeverlauf
Dazu musste das schräge Dach meiner Gartenhütte herhalten. Aufgenommen von ca 30 Grad ggü. der Dachfläche. Bilder mit f2 und f2.5 sind unter dem o.a. Link zu finden.
AiS @ f22 - Volles JPEG - Hier klicken
Zeiss @ f22 - Volles JPEG - Hier klicken
Dritter Test - Bokeh
Ich hatte mir hier einen größeren Unterschied erwartet als ich ihn tatsächlich gefunden habe. In der Vergangenheit war ich mit dem Bokeh des AiS nicht immer zufrieden, oft genug gab es Bilder mit "hartem" Hintergrund. Bei diesen Bildern ist das nicht aufgetreten. Hmmm. Die Sonne kam von schräg links vorne (siehe Schatten des Knubbels). Bilder mit f22 sind auf meiner Webseite
AiS @ f2.5
Zeiss @ f2
Vierter Test - Kontrast im Gegenlicht
Die Sonne stand links vom Baum, gerade so, daß sie nicht im Bild sichtbar ist. Hier zeigen sich für mich deutliche Unterschiede, wie die beiden Objektive diesen Kontrast abbilden. Beide Bilder mit gleicher Belichtung aufgenommen.
AiS @ f5.6 und 1/800sec
Zeiss @ f5.6 und 1/800sec
Fünfter Test - Flare und Ghost im Gegenlicht
Schnell ein Bild der untergehenden Sonne aufgenommen. Da die Kamera auf A war, hat sie leider die beiden Bilder unterschiedlich belichtet. Obwohl das AiS Bild knapper belichtet ist, ist die Sonnenscheibe etwas mehr ausgefressen als beim Zeiss Bild. Beim AiS Bild sieht man auch am linken Rand den deutlichen grünen Fleck, das Zeiss geht locker über diese Aufgabe hinweg. Aufgefallen ist mir auch, daß das AiS bei gleichen Belichtungseinstellungen zu helleren Bildern neigt - kann es sein, daß die Blendenfläche bei gegebener Blende bei den beiden Objektiven geringfügig unterschiedlich ist?
AiS @ f5.6 und 1/8000sec
Zeiss @ f5.6 und 1/5000sec
Sechster Test - Nachtaufnahme, Kontrast und Schärfe
Ich wollte schon immer den Wasserturm in Wien/Simmering aufnehmen, er ist Nacht für Nacht so schön beleuchtet. Obwohl beide Objektive ausgezeichnete Schärfe zeigen, ist der Farbumfang des Zeiss für mich eine Spur intensiver - nicht viel, aber sichtbar. Es kann auch sein daß hier die Neigung des AiS bei gleichen Belichtungswerten etwas heller zu zeichnen, dafür verantwortlich ist. Schärfeausschnitte, eine 58mm Noct und eine AiS 200mm/4 Aufnahme sind auf der Webseite zu finden.
AiS @ f8 und 1sec
Zeiss @ f8 und 1sec
Zusammenfassung
Ich war etwas überrascht wie gut das kleine AiS abgeschnitten hat. Basierend auf meiner Erinnerung hätte ich den Unterschied größer eingeschätzt.
In dem "Bewerb" Schärfe geben sich die beiden Objektive über den ganzen Blendenbereich nicht wirklich etwas. Wenn es Unterschiede gibt, dann sind sie aus meiner Sicht in der Praxis nicht relevant. Ich gehe (zumindest bei mir) davon aus, daß der stärkste Faktor zur Schärfe meine Fähigkeit ist, die Fokusebene zu finden. Ditto für Bokeh, das ist zwischen dem Nikkor und dem Zeiss sehr sehr ähnlich.
Wo es aus meiner Sicht einen Unterschied gibt, ist in der Farbbrillianz und im Kontrasthandling bei Gegenlicht. Sowie bei Ghost and Flare, daß beim Zeiss so gut wie nicht vorhanden ist. Bitte auch bedenken, daß praktische alle Testaufnahmen im Telebereich aufgenommen wurden, dem Bereich, für den das AiS optimiert wurde, nicht jedoch das Zeiss Makro Objektiv.
In zwei Sätzen zusammengefasst:
Das Zeiss ist das beste Makroobjektiv, das ich bis jetzt hatte. Das Nikkor AiS 105mm/2.5 ist eines der besten kurzen Teleobjektive, daß dazu noch vergleichsweise günstig ist.
LG,
Andy
