NF-Rezension Thomas Brotzler. Architektur in Schwarzweiß

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AnjaC

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Eine Rezension unseres Community-Mitglieds Ansgar Hoffmann

Die Architektur als Bühne unseres Selbst

Der Autor vollzog parallel zu seiner eigentlichen Profession als Mediziner und Psychotherapeut eine ebenso lange künstlerische Entwicklung. Letztlich verbindet sich beides in seinem fotografischen Wirken wie auch in dem rezensierten Buch: Auch in der Fotografie bemüht sich Thomas Brotzler um die Ergründung psychologischer Motive. So definiert er Gestaltung und Ausdruck in der Architekturfotografie als Schwerpunkt seines Buches. Die Leitfrage ist dabei, wie eigene Konzepte, Überlegungen und Empfindungen als Tiefenstrukturen in die Bilder einfließen können und ebenso, wie sie den Betrachter als solche erreichen. Um sich dieser zweiten, für ihn bedeutungsvolleren Ebene eines Bildes zu nähern, führt er Begriffe wie Wirksamkeit, Symbolisierung und innere Repräsentanz in die Besprechung ein.

Der Inhalt
Das Buch verwebt miteinander zwei Ansätze, die sich gegenseitig bereichern:
Eine theoretische Abhandlung umfasst in mehreren Kapiteln die Geschichte der Schwarzweiß- und Architekturfotografie, die Vorbereitung, Motivsuche und Komposition, dann die eigentliche Aufnahme und Ausarbeitung. Hier zeigt sich die systematische Herangehensweise des Autors, wobei er wie in einer Werkstatt dem interessierten Leser anbietet, ihm dabei über die Schulter zu schauen. Diese Kapitel werden unterbrochen durch fotografische Entdeckungsreisen: Exkursionen zu den schon erwähnten stillgelegten Industriebauten, Sakralbauten und Stadtlandschaften. Hierbei erfährt Thomas Brotzler Unterstützung von den Fotografen und Mitautoren Jean Marc Deltombe, Andre Kurenbach und Wolfgang Mothes.

In der Einführung behandelt der Autor das Wesen der Architektur und seiner Arbeit, leitet es philosophisch, psychologisch und anthropologisch her. Er beginnt seine Anleihe bei Schopenhauer, leitet über zu Kohut, einem Psychoanalytiker, und endet beim Anthropologen Hall. Hier findet sich auch das oben entlehnte Zitat, dass Architektur Bühne unseres Selbst sei.

Das Kapitel der Voraussetzungen handelt nicht nur von den technischen Voraussetzungen und der Ausrüstung, sondern zugleich auch von notwendigen vorbereitenden Arbeiten wie der Recherche und der Abklärung rechtlicher Fragen. Als die eigentlichen Hauptkapitel sieht der Autor die zu Komposition und zu Aufnahme, in denen er sich sehr ausführlich und fundiert mit seinem Fachgebiet auseinandersetzt (Beispiele hierzu sind: Gliederung des Raums, Spannungsbögen im Bild im Kapitel Komposition).

Sieben Exkursionen unterbrechen die systematische Herangehensweise und führen den Leser in die Maulbronner Gießerei, zu den Mühlacker Ziegelwerken und zu den Bruchsaler Farben. Thematisch weitgefasster zeigt sich die Exkursion „Verklärung und Überhöhung – Sakralbauten in der Fotografie“. Auch die Exkursionen der Gastautoren befassen sich mit allgemeineren Themen, mit „Stürzenden Linien, fliehenden Bauten“ oder mit dem „Fotografieren von Industriedenkmälern“.

Besonders Thomas Brotzler stellt in seinen Exkursionen seine Fotos nicht nur vor, sondern bemüht sich, diese vor dem Hintergrund der zuvor gemachten theoretischen Ableitungen einzuordnen. So begründet er die Wahl der Zentralperspektive bei einem Foto als Symbol für die stillstehende Zeit, ein Blick in die Tiefe einer Zimmerflucht wird zu einem Blick in die Vergangenheit.

Der Schreibstil
Es begegnen einem auch immer wieder spaßvolle Formulierungen, beispielsweise beim Thema Kamerakauf: „Die Grenze des jeweils schwerlich Finanzierbaren bzw. Erträglichen dürfte für die allermeisten von uns beim digitalen Mittelformat bzw. beim Smartphone anzusiedeln sein.“ Eine andere humorige Formulierung erscheint im Text als Zitat. Er verneint dabei eher die „spezifisch französische Freude am morbiden Charme des Verfalls oder des anarchischen Wildwuchses“ – versäumt es aber leider, die Quelle anzugeben.

Die intensive Beschäftigung des Autors mit den Themen Architektur und Fotografie fließt gleichsam als Essenz in das vorliegende Buch. Es beschreibt auf hohem Niveau seine fotografische Entwicklung und Herangehensweise an die Schwarzweiß- und Architekturfotografie. Die Texte sind durchaus anspruchsvoll verfasst, aber sie überfordern nicht. Die Leser werden stets aufgefordert, ihre eigene Herangehensweise zu entwickeln und ihr eigenes Konzept zu überdenken.

Die Bilder
Die Fotos, ausnahmslos und widerspruchsfrei zum Titel des Buches in schwarzweiß, sind von guter Qualität. Meist sind sie im Format 10 x 16 bis 12 x 18, jeweils auf einer Buchseite, abgedruckt. Ergänzende Bildunterschriften und Erläuterungen sind ein wichtiger Teil der Exkursionen und manche Fotografien erschließen sich dem fotografischen Laien erst durch die Anmerkungen.

Fazit
Der Autor legt mit „Architektur in Schwarzweiß“ ein sehr wertiges Buch vor, in das sein gesamtes Wissen und Können fließt. Für ambitionierte Fotografen und „Urban Explorer“ ein interessantes und wichtiges Buch, das uneingeschränkt empfohlen werden kann

Die Daten
Thomas Brotzler. Architektur in Schwarzweiß. Industrieruinen, Sakralbauten und Stadtlandschaften fotografieren erschien am 13. Oktober 2016 im dpunkt.verlag. 352 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband, 21 x 25,5 cm.
ISBN: 978-3-86490-391-5
Preis: 39,90 Euro (D)

Leseproben

Rezension: Ansgar Hoffmann

Bewertung:
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ISBN: 3864903912

 
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