Ich bin auch sehr interessiert an Geschichte. Und wie Du geschrieben hast, kann sich vielleicht über Generationen hinweg, Verständnis für die eine oder andere Thematik entwickeln.
Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt, wie schnell das kippt. Ich erzähle Dir zwei Beispiele:
Dazumal, als ich in der Psychiatrie gearbeitet habe, hatte wir viele Angestellte aus dem Balkan. Bunt gemischt. Und die Identität war nie ein Thema. Sie leisteten wie alle anderen auch sehr gute Arbeit, waren als Menschen hoch geschätzt. Nach den beiden Balkankriegen hatten sie plötzlich eine Identität. Plötzlich war die ethnische Zugehörigkeit ein Thema. Auch für uns. Und das änderte vieles.
Als ich dann in der betrieblichen Sozialarbeit für eine grosse Firma auf dem Flughafen Zürich arbeitete, war es nicht anders. Auf dem kleinen Platz, für die gleiche Firma, waren Dutzende von Menschen aus fast hundert Ländern tätig. Ich genoss jeweils diese Athmosphäre sehr, als ich morgens um sieben durch den Checkin ging. Bunt, farbig und als ich in meinem Büro ankam, ging es gleich weiter. Schwarz und weiss und Mann und Frau und sämtliche Religionen und homosexuell und andersrum oder was auch immer. Es war nie die Identität gefragt. Im besten Falle in privaten Gesprächen. Jeder und jede war bei der Firma angestellt, machte einen tollen Job und wurde letztlich an dem gemessen, was er für die Gemeinschaft geleistet hat. Und dafür hat er oder sie ein Gehalt erhalten. Punkt.
Natürlich gab es immer wieder Diskussionen, Privates konnte immer wieder eine Rolle spielen, Arbeitskonflikte usw. Aber mir wäre nie in den sinn gekommen, diese auf die Identitäten hinunterzureichen. Hie und da spielte es eine Rolle, aber nur als Teil davon. Verstehst Du was ich meine?
Als mich vor unserer Haustüre dieses Motiv anguckte, dachte ich darüber nach. Nebst Gelb und Blau, ist es eine Frühlingsblume und ein Band eines Abfallsacks, wo wir die nassen Binden für Tina's Windeln entsorgen. Dieser Gegensatz faszinierte mich.