Die meisten Quereinsteiger assistieren erfahrenen Fotografen
und lernen dadurch das Handwerk. Sie dürfen dann teilweise
auch selber Bilder machen, aber der Fotograf wird immer ein
Auge darauf werfen und helfend einschreiten, falls der Assi völlig
auf dem Holzweg ist.
Oder sie pfeifen sich ein paar Folgen Licht mit Karl Taylor, die
180 Videos von Dedo Weigert oder sonstwas auf Youtube rein,
haben Talent und eine gute Auffassungsgabe.... und machen
das in drei Wochen.
Als ich in den frühen 80ern angefangen habe gab es kein Internet,
Händler wie Bremaphot oder Kleffel&Aye verstanden sich als
Hüter der reinen Lehre und Mittler zwischen Gott und dem
gemeinen Volk, Literatur war teuer und kaum einer liess einen
kleinen Punk wie mich in sein Studio zum Gucken. Prospekte
oder gar Preislisten zu Studiogerät bekam man nur zugeteilt
wenn man eine Hermesbürgschaft vorweisen konnte.
Das was ich mir damals so mühsam erkämpfen musste, könnte
ich heute um mindestens einen Faktor 20 schneller einpfeifen.
Es gibt keine Geheimnisse mehr, jede beliebige Technik ist mit
kurzer Recherche auf Youtube oder Vimeo zu finden.
Also ja - möglich ist das. Ich hab aber wie Gerd auch die Billigheimer
erlebt, und die Kunden die daran fast oder tatsächlich Pleite gegangen
sind. Andererseits gibt es die Kunden, die unter standardisierten
Bedingungen alle paar Tage mal ein einzelnes Produkt ablichten
müssen. Katalogqualität, keine Kampagnenqualität.
Da ist die Alternative nicht für jede einzelne Wurst alle drei Tage mal
einen Profi kommen zu lassen, und man kann es typisch auch nicht
wochenlang sammeln für einen kompletten Tag - die Alternative ist
ein Smartphone draufzuhalten.
Von solchen Kandidaten werde ich gebucht um ihnen zu helfen ein
Inhouse-Studio einzurichten, Mitarbeiter zu schulen, Arbeitsanweisungen
zu schreiben.
Kunden, die danach für die alltäglichen Routine-Fotojobs verloren
sind, die aber auch verloren wären wenn ich das verweigern würde.
Die kommen dafür mit Jobs wieder, für die Kampagnenqualität
gefordert ist, weil sie meine Kompetenz spätestens jetzt zu schätzen
wissen. Und natürlich wird das Consulting bezahlt.
Die Frage ist nun wieviel Freizeit, eigene Ausrüstung und eigenes
Geld der TO da reinstecken will, und ob das in höherer Zufriedenheit,
mehr Spaß an der Arbeit, ggf mehr Geld aufgewogen wird.
Oder ob das innerbetrieblich soviel Streß gibt daß man sich
anschliessend ärgert sich so selbst in den Fuß geschossen zu haben.
Das muss der TO sich selbst beantworten, weil keiner seinen Laden kennt.
Ich würde mir vor allem Gedanken machen ob sein Arbeitgeber für
ein paar tausend Euro Licht&Zubehör anschaffen würde oder ob ich
mir mit Provisorien einen abbrechen müsste.
Und was passiert, wenn das am Ende nicht funktioniert, aus was
für Gründen auch immer? Beide Seiten gehen da ein Risiko ein.
Das heisst nicht "Finger weg", aber es sollte gut durchdacht sein.