Novoflex/Gitzo und Manfrotto ... persönliche Erfahrungen

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.

digital_eye

Sehr aktives NF Mitglied
Registriert
Hallo zusammen,

heute morgen kam der freundliche Postbote und hat mir ein Päckchen vorbeigebracht. Da ich ein paar Tage krankgeschrieben bin, den Mund möglichst halten soll, aber sonst fit bin, hatte ich heute Zeit mich ausgiebig mit dem Inhalt des Päckchens zu beschäftigen.

Dem Novoflex Classicball 5. Eigentlich sollte es ja der große RSS Kugelkopf werden, aber das ist eine andere, ziemlich lange Geschichte. ;)

Da wollte ich die neue große Stativ-Kopf Kombination gegen meine ältere, durchaus bewährte Manfrotto Kombi antreten lassen. Damit man auch kleine Unterschiede sehen kann, habe ich mich beim Objektiv für das Nikkor AF-S 4/300mm mit Burzynski Schelle entschieden.

A) Gitzo Stud. Ref. 415 und Novoflex Classicball 5.
B) Manfrotto 055ProB und Manfrotto Kugelkopf 488RC2

434148b6915188678.jpg


Zunächst ein paar Worte zum Handling. Die Gitzo-Novoflex Kombination ist deutlich schwerer. Das Gitzo Stativ aus der Serie 4 ist stabil, vom Handling her merkt man ihm seine Jahre aber an. Neuere Gitzos haben an den Beinen eine Verdrehsicherung, die Auf- und Abbau entspannter gestaltet. Steht das Stativ aber einmal, dann steht es wirklich gut. Die Höhe ohne Mittelsäule (die sich wie bei den neueren Systematic Stativen durch eine Platte ersetzen lässt) wurde ausgebaut.
Über die Friktion am Classicball scheiden sich in den Foren die Geister. Ich finde die Lösung bis jetzt praktisch, allerdings kenne ich die Lösungen von Arca, Markins und Co auch nur vom kurzen Ausprobieren. Für meine kurzen Objektive wird es so sein, dass man sich für das entsprechende Objektiv einfach nur die passende Nummer merken muss, auf diese dann einstellt und schon passt es. Wie das bei Schwenk bei größeren Teleoptiken ist, werde ich ausprobieren, sobald sich eine Gelegenheit dafür bietet.
Bei 300mm ist mir bisher nicht aufgefallen, dass sich die eingestellte Position des Novoflex Kugelkopfes noch einmal verändert. Bei vielen anderen einfacheren Kugelköpfen inkl. meines Manfrottos ist das ein echtes Problem. Gerade im Nah und Makrobereich bringt das einen manchmal an den Rand der Verzweiflung. Aber wie gesagt, hier scheint es zu passen. Die Verarbeitung des Kugelkopfes macht einen sehr wertigen Eindruck.

Die zweite Kombination ist sicherlich vielen bekannt. Das Manfrotto ohne Mittelsäule und der Manfrotto Kugelkopf, der keine Friktion hat. Für den Vergleich wurde ein Beinsegment des Stativs etwas eingefahren, damit die Höhe dem des Gitzo Statives in etwa entspricht. Die Klemmung der Beine beim Manfrotto und damit dessen Auf- und Abbau geht deutlich schneller als beim Gitzo. Aber darin sehe ich auch eine der Probleme. Die Beine haben für meinen Geschmack etwas zu viel Spiel in der Führung und verwinden sich leichter, wenn man z.B. oben an der Platte unterhalb des Kugelkopfes dreht.

Nun zum persönlichen Testaufbau. Von meiner Terrasse aus habe ich einen Schornstein fotografiert, der etwa 10 Meter entfernt steht. Alle Aufnahmen wurden mit Fernauslösenkabel gemacht. Je eine Aufnahme mit Mup, eine mit der Spiegelvorauslösung im Menü und eine ohne Spiegelvorauslösung.

Die hier gezeigten Bilder sind bei Blende 6 und 1/20sek entstanden. Es handelt sich um Varianten ohne jegliche Spiegelvorauslösung, weil ich ja gerade sehen wollte, ob der größere Kopf/das größere Stativ mehr Reserven bringen. An einem windstillen Tag würde man mit Spiegelvorauslösung nicht mehr viel Unterschiede sehen, das habe ich heute auch feststellen können.

Hier nun ein Screenshot aus Capture mit zwei 100 % Ausschnitten. Beim Betrachten war ich zunächst fast etwas enttäuscht. Erst wirkte das untere Bild knackiger auf mich, dann habe ich aber festgestellt, woran das liegt. Der Eindruck ähnelt dem eines überschärften Bildes mit Doppelkonturen. Und genau diese Doppelkonturen sieht man im unteren Bild überall. An der Oberkante des Schornsteins oder an kleinen weißen Spitzern und Punkten im Bild lässt sich dies gut erkennen.
Das obere Bild ist zwar auch nicht knackig scharf, diese Konturen findet man bei ihm aber nicht, wodurch sich diese Bild besser für eine anspruchsvolle Nachbearbeitung eignen würde.

434148b69531a757f.jpg


Ist hingegen im Menü der Kamera die Spiegelvorauslösung aktiviert, dann nähern sich die Ergebnisse beider Kombination (bei Windstille) an, bei Mup habe ich dann keinen Unterschied mehr sehen können.

Mein Fazit: Gute Stative und Köpfe bieten ein mehr an Reserven, das man nicht immer zwingend braucht bzw. bemerkt. Für einen Fotografen, der fast immer mit Mup arbeiten kann (z.B. bei Landschaftsfotografie) bieten sich vom besseren Handling des größeren Kopfs abgesehen kaum Vorteile, wenn er sich auf Brennweiten bis 200/300mm beschränkt. Dann sieht es allemal besser aus.

434148b6a902757bb.jpg


Werden die Bedingungen schlechter (Wind, leichte Bewegungen eines Tieres) und man möchte oder kann nicht mit Mup arbeiten, dann wird der Unterschied größer - allerdings auch bedingt durch das besser stehende Gitzo, das ich schon seit ein paar Wochen habe und auch bei schlechtem Wetter einsetzen konnte. Hier ist das Manfrotto vor allen Dingen dann unterlegen, wenn man alle Beinsegmente auszieht.
Hätte man zum Beipsiel die Doppelkonturen, wie sie im unteren Bild zu finden sind, auf einem Tierbild mit viel Fell oder Gefieder, dann wäre dieses Bild vermutlich unbrauchbar.
Es lohnt sich in ein gutes Stativ und einen entsprechenden Kopf zu investieren, weil damit die Zahl der fotografischen Situationen, in denen man nicht optimal gewappnet ist und Kompromisse eingehen muss, verringert werden kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
Anzeigen
Was die Doppelkonturen angeht, hast du natürlich recht, das Beispiel mit Mup sollte dann aber schärfer sein (ich kenne das 300/4 allerdings nicht). Ich vermute immer noch, dass (auch) mit dem Fokus was nicht stimmt.

Ich halte das Mup Beispiel für normal - das ist das, was man bei einem solchen Bildausschnitt mit diesem Objektiv erwarten kann.
 
Kommentar
Bei den Spiegelschlag-Kritischen Zeiten (1/50...1/2 s) für 200...400 mm Objektive, welche an ihren Objektivschellen etwa im Massenmittelpunkt der Kombination Objektiv-Kamera gehalten werden, habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenn man ohne SVA fotografieren muß (!), es relativ viel bringt, wenn man die Kombination an einem zweiten Punkt fixiert. So sind die Ergebnisse besser, wenn man eine Kamerastütze wie es sie z.B. von Manfrotto gibt, zwischen Kamera und einem Stativbein verspannt.

Besser wird es sogar, wenn man (bei fixiertem Kopf) mit einer Hand das Objektiv weit vorne leicht nach unten drückt, also mit der Hand die Vibrationen der Kombi sozusagen dämpft.

Ebenfalls besser sind Aufnahmen, bei welchen ein Bohnenkissen als Unterlage der Kombi verwendet wurde. Dies kann man sogar bewerkstelligen, indem man am Stativkopf einfach ein Brett mit Schnellspannkupplung befestigt und darauf den Bohnensack und die Kamera hinlegt und eventuell leicht mit einem Spanngurt fixiert (damit das Ding nicht herunterpurzelt beim Verschwenken).

Wem das hier dargestellte alles zu viel Punk ist, dem kann man noch ein Tipp geben: abblenden oder Graufilter benutzen, bis die Zeiten aus dem kritischen Bereich in Richtung über eine Sekunde wandern (natürlich wenn das Motiv es zuläßt).

Viel Spaß beim probieren und von mir auch gute Besserung!

Grüße - Bernhard
 
Kommentar
chris, ich hab deinen test jetzt mal nachgestellt
ebenfalls 300mm, 10m abstand, 1/20sec belichtet, interne schärfung auf schwach, mit kabelfernauslöser, einmal mit 0,4 sec sva einmal ohne, aber nur mit 10mpx
in ermangelung eines rauchfangs hat ne gieskanne auf ner leiter herhalten müssen

als blende hat sich 22 ergeben, wo ich allerdings noch nicht weis ob sich da schon die schärfe beugt...

ohne sva:
SVA-1.jpg


und mit sva:
SVA-2.jpg


ausschnitte sind natürlich 100%

was mich im vergleich zu deinen bildern schreckt das ich als unterbau ein voll ausgezogenes 190er manfrotto mit eingeschobener mittelsäule und dem grossen cullmann-kopf verwendet hab

nachdem ich mir nicht vorstelln kann das meine kombi weniger wackelt als deine muss bei dir was schiefgegangen sein (vergessen die stativschelle anzuziehn?)
 
Kommentar
was mich im vergleich zu deinen bildern schreckt das ich als unterbau ein voll ausgezogenes 190er manfrotto mit eingeschobener mittelsäule und dem grossen cullmann-kopf verwendet hab

nachdem ich mir nicht vorstelln kann das meine kombi weniger wackelt als deine muss bei dir was schiefgegangen sein (vergessen die stativschelle anzuziehn?)

Das hab ich zwischenzeitlich alles überprüft, die Schelle saß fest und das Objektiv war direkt (ohne Schnellkupplung) auf den Kopf geschraubt. Sind deine Bilder in der Wohnung entstanden?

Was schwieriger zu beurteilen ist an deinen Bildern ist das Überstrahlung weil Du farblich eine deutlich homogenere Fläche mit wenig kleinen Details hast. Die kleinen Staubflecken bzw. Punkt auf der Kanne sind ja in beiden Fällen auch nicht ganz scharf.
 
Kommentar
Welches Objektiv?

Schau ins EXIF. ;)

300/2.8D, also nicht absolut vergleichbar.
Trotzdem wäre es für die Burzynski Schelle ein schwaches Bild,
wenn sie so wenig bringen würde...

@Christoph:
Hast Du noch die original Schelle und könntest Vergleichsbilder
machen?

MfG, Jürgen
 
Kommentar
Kann schon sein, dass ich heute mittag etwas "datterig" war, hab ja geschrieben, dass ich nicht ganz fit bin.

Hab die Aufnahme mit dem großen Kopf nochmal ohne Spiegelvorauslösung gemacht vor einer halben Stunde. Einzig die ISO Werte wurden etwas angehoben, damit die Zeit-Blenden Kombination vergleichbar bleibt.

1/25sek Blende 5,6

434148b6cf59d1a09.jpg


Gemessen an der langen Brennweite und langen Zeit finde ich das Ergebnis gut, wenngleich das verständlicherweise nicht an die Version mit Mup herankommt.

Ich habe diesen Schornstein schon häufig fotografiert (mit den Schornsteinen und Schieferdächern um meine Wohnung herum) teste ich neue Optiken mal an. Mit der kleineren Stativkombination und dem 300mm Objektiv habe ich bei vergleichbaren Zeiten ein solches Ergebnis nicht hinbekommen.
 
Kommentar
Schau ins EXIF. ;)

300/2.8D, also nicht absolut vergleichbar.
Trotzdem wäre es für die Burzynski Schelle ein schwaches Bild,
wenn sie so wenig bringen würde...

@Christoph:
Hast Du noch die original Schelle und könntest Vergleichsbilder
machen?

MfG, Jürgen

Volker hat es oben ja schon geschrieben, mit oder ohne Burzynski Schelle ist das 4/300mm AF-S extrem schwingungsanfällig. Andere 300er sind da deutlich besser. Z.B. das AIS 2,8/300mm!

Die Schelle liegt hier noch, aber die tue ich mir und Euch ohne Tuning (Sektkorken oder Filmdose) nicht an. Habe die Burzynski damals zur Ansicht bestellt und lange verglichen und sie aus gutem Grund behalten.
Sie ist nicht nur stabiler sondern gefällt mir vom Handling auch deutlich besser, weil sie flach anliegt. Ähnlich wie die Schelle zum alten 4/300mm AF.
 
Kommentar
chris, die bilder sind im freien bei wind entstanden(auch wenn mir der gedanke an ein 10m wohnzimmer gefällt :D)

was ich mir auf jedenfall vorstelln kann is das mein objektiv aufgrund seiner masse schon unempfindlicher auf den spiegelschlag is

ich schau aber mal ob ich noch n kontrastreicheres motiv auftreiben kann
 
Kommentar
sodann, schwarzer text auf weissem grund, garniert mit nem voll danebenliegenden weissabgleich XD
setup ansonst genau wie oben nur mit blende 2.8 um wieder auf die 1/20 zu kommen

ohne sva:
SVA-3.jpg


mit sva:
SVA-4.jpg


hab auch noch 2 bilder mit iso320 und blende 4, aber die grieseln schon gewaltig...:heul:
 
Kommentar
Chris,

danke für die Mühe ... wenn ich dein erstes Bild ohne Spiegelvorauslösung mit dem vergleiche, was ich ohne Spiegelvorauslösung gestern abend nachgelegt habe, dann kommt das glaube ich in etwa hin.

Bei Dir wie bei mir sieht man eine leichte Unschärfe bei dem 100 % Crop.

Ich nehme mir heute auch noch mal einen Text vor, den kann man dann besser mit deinen Bilder vergleichen.
 
Kommentar
So ich war gerade nochmal in meinen Wohnzimmer (hat auch keine 10 Meter Länge ;)) und habe nochmal ein paar Aufnahmen gemacht. Die ersten Ergebnisse von gestern haben mich dann doch nicht losgelassen.

Ich habe dreimal den gleichen Ausschnitt zusammenkopiert. Diesmal war auch wieder die Manfrotto Kombi (055ProB und 844RC2) mit von der Partie, da mich ja nach wie vor interessiert, wieviel mehr Reserve die große Kombination bietet.

Aber hier erstmal das Bild dazu (100 % Ausschnitte)

434148b7b2e5c2b8e.jpg


Aufgenommen wurden alle drei mit Blende 4 und 1/15 sek bei ISO 320. Im Raum, damit kann der Wind als Faktor, der die Ergebnisse beeinflusst, ausgeschlossen werden.

Das Manfrotto Stativ inkl. Kopf fallen klar zurück, die Ergebnisse sind schlichtweg matschig.
Deutlich besser die Gitzo/Novoflex Kombi. So in etwa hatte ich den Unterschied auch erwartet.
Am besten auch hier die Version mit Mup, wobei der Abstand meines Erachtens hier nicht mehr so groß ist, wie zwischen den beiden verschiedenen Stativkombinationen.

@smashit: Ich hoffe, damit eine Bildreihe zu haben, die sich mit deinen beiden Bildern gut vergleichen lässt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
auf welche entfernung hast denn da geknipst?
bin bei meinem 2. auch auf 10m gekommen (stiegenhaus+vorzimmer+abstellkammer sei dank :D )
 
Kommentar
die Entfernung ist nicht ganz so groß, etwa 3 Meter ... ließ sich in der Wohnung nicht anders realisieren. Dass das ein enger Ausschnitt ist, sieht man auch am untersten Bild, da kann man die etwas rauhe Struktur des Papiers erkennen.
 
Kommentar
hab grad gelesen das die burzynski-schelle ne 2-punkt is
schon mal probiert das objektiv mit nem gurt oder so auch an der 2. auflage niederzuspannen?
würd mich intressiern ob das noch zusätzlich was bringt
 
Kommentar
hab grad gelesen das die burzynski-schelle ne 2-punkt is
schon mal probiert das objektiv mit nem gurt oder so auch an der 2. auflage niederzuspannen?
würd mich intressiern ob das noch zusätzlich was bringt

An der Burzynski Schelle ist der zweite Punkt eine Schraube (Plastik), die so konzipiert ist, dass sie schon leicht auf den Tubus drückt.

Nachteil ist aber verglichen zu bekannten 2 Punkt Stützen, dass beide Punkte relativ nah beieinander liegen.

Ich habe das gerade mal ausprobiert und zwei Aufnahmen gemacht. Eine ganz normal, bei den zweiten ein Kompressionsriemen aus dem Wanderladen um das Objektiv und Schelle (genau am zweiten Auflagepunkt). Die Aufnahmen sind nicht voneinander zu unterscheiden.
 
Kommentar
hast mit dem gurt gegen die schraube gespannt oder hast die da rausgedreht?
 
Kommentar
hast mit dem gurt gegen die schraube gespannt oder hast die da rausgedreht?

Die Schraube hat schon ohne Gurt Kontakt zum Objektiv. Sobald die Schraube an der Stativschelle gelockert wird, wird auch der Kontakt zur zweiten "Stützschraube" gelockeret, damit man das Objektiv in der Schelle drehen kann.

In geschlossenem Zustand stützt die zweite Schraube. Ich habe mit dem Kompressionenriemen das trotzdem nochmal festgezogen ... aber wie gesagt, da ist absolut kein Unterschied in den Bildern.

Der Bereich, bei dem bei diesem Objektiv die Unschärfen ohne SVA am deutlichsten sind ist der Bereich zwischen 1/60-1/15 sek. Die 1/8 sek ist ohne SVA wieder deutlich schärfer, genauso wie die 1/90. Am unschärfsten ist die 1/60sek.
 
Kommentar
ich mein ja das du eben nicht gegen die schraube spannst
oder is da sonst ein zu grosser spalt zwischen objektiv und dem block in dem die schraube sitzt?
 
Kommentar
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten