Sorry, das sehe ich anders. Wenn ich eine Nikon habe (D600) und es kommt eine neue Kamera im höheren Segment heraus (D750), es stellt sich aber kein Haben wollen Gefühl ein, dann empfinde ich das Nikon kein großer Wurf gelungen ist.
Es dürfte doch sowohl anhand der technischen Spezifikationen als auch an der Marketingkampagne deutlich geworden sein, dass Nikon diese Kamera nicht für die Handvoll von Leuten gebaut hat, die immer noch an der D700 festhalten oder ihr nachjammern.
Diese Kamera zielt vor allem auf Neukunden und wechselwillige Nutzer anderer Systeme, seien dies ambitionierte DX-Fotografen, die bereits Nikon benutzen oder Nutzer anderer Marken. Diese Zielgruppe hat ohnehin keine "emotionale Bindung" an eine Kamera wie die D700. Für die ergibt sich bei den FX-Modellen vielmehr die Abstufung:
D6x0 = FX-Einsteiger
D7x0 = FX-Mittelklasse
D8x0 = FX-Oberklasse
Entsprechend sorgfältig müssen die Modellreihen in Punkto Ausstattung und Leistungsfähigkeit voneinander abgegrenzt sein, damit es eben nicht zu einer Kannibalisierung kommt. Eine D750 als D810 mit einem 24- statt 36-MP-Sensor, wie sie offenbar viele hier erwartet haben, und dann auch noch für einen Listenpreis, der bei 2.200-2.300 € liegt, wäre für Nikon ein Schuss in Knie, denn damit würden sie ihrer gerade neu herausgebrachte D810 jegliche Verkaufsgrundlage entziehen. Da mir der Einblick in die betriebsintere Kalkulation von Nikon leider verwehrt ist, kann ich nur vermuten, dass eine als D750 bezeichnete De-facto-D810 mit 24-MP-Sensor bei einem Listenpreis von 2.300 € wohl nicht einmal mehr die Deckungsbeiträge erbrächte.
(Die einstellige D-Modellreihe wird aufgrund ihres Preises und ihrer völlig anderen Positionierung von der Ziegruppe ebenso wenig als Alternative wahrgenommen wie die D
f, die innerhalb der Nikon-Modellpalette eine Sonderstellung innehat. Von daher habe ich mir mal erlaubt, diese Kameras zu vernachlässigen, denn sie zielen - anders als die o. g. FX-Baureihen - nicht auf den Massenmarkt.)
Deshalb schert sich Nikon auch nicht um die Erwartungshaltung dieses kleinen Häufchens von "Traditionshütern", egal wie lautstark diese in ein paar Internetforen auftreten. Denn mit D700-Kunden, denen sie 2008 mal Kameras verkauft haben, kann man in der heutigen Marktwirtschaft keine Erträge mehr erwirtschaften, die groß genug sind, um das Überleben einer Firma sicherzustellen, die global agiert.
Dies dürften, etwas vereinfachend zusammengefasst, wohl die Überlegungen von Nikon sein.
Ist das so, hat sie sich bewährt? Die D750-Lösung erscheint mir stabiler (gefühlter Wert), aber ich habe auch keine Ahnung, ob's in den 5000ern jemals Probleme gab (und Statistiken wird ja wohl kaum geben, oder?).
Liest denn hier niemand mehr die Infos, die hier schon längst gepostet wurden?
Ein Mitarbeiter von Nikon Canada hatte doch in einem Video sehr ausführlich erklärt, warum man das Schwenkdisplay so eingebaut hat, wie es jetzt in der D750 eingebaut ist, nämlich weil sonst sämtliche Bedienelemente links des Displays ersatzlos weggefallen wären, somit die Bedienung auf der Kamerarückseite de facto der D5x00-Baureihe entsprochen hätte. Ich schätze,
das wäre von der Mehrzahl der Kunden wohl nicht goutiert worden.
http://www.nikon-fotografie.de/vbulletin/2278325-post188.html
Da gibt es keine Lücke, die Kameras stehen nebeneinander. Was es nicht mehr gibt ist eine Profikamera für Sparbrötchen.
Das war ja kein Fehler sondern Marketing: Mit der D3 alleine wäre FX nie auf Stückzahlen gekommen, also hat man den FX-Sensor ins D300-Gehäuse gesteckt.
Richtig, das Motto lautet bekanntlich: Mit Speck fängt man Mäuse.
Mittlerweile ist die neue Technik (DSLR generell) etabliert und es besteht keine Notwendigkeit mehr Profigehäuse zu verschenken, [...]
Die FX-Technik ist nicht nur etabliert, sie ist darüber hinaus auch hinreichend diversifiziert. 2007 hatte Nikon genau einen einzigen FX-Sensor im System, folglich konnte die D700 nur denselben Sensor bekommen wie die D3. Inzwischen hat Nikon einen 16-, einen 24- und einen 36-MP-Sensor. Es besteht daher nicht mehr der von der Verfügbarkeit diktierte Zwang, von der FX-Einsteiger- bis zur FX-Vollprofi-DSLR allen Modellen denselben Sensor zu spendieren. Gleiches gilt für die Grundform des Gehäuses: die D700 war eine D300 mit einem der Sensorgröße geschuldeten größeren Prismensucher und Spiegelgehäuse. Auch das AF-Modul war schon vorhanden. Im Grunde war die D700 noch viel mehr als die D750 eine reine Baukastenkamera, denn sie hatte nichts, was Nikon nicht schon bei den technisch in Frage kommenden "Eltern-Modellen" einsetzte.