Normal haben die Objektive doch zwischen f4 und 5.6 die beste Abbildungsleistung und den kleinsten Schärfeverfall zum Rand.
Den Beitrag, den eine Kombination aus Kamera A und Objektiv B zur beim Betrachten einer Fotografie wahrgenommenen Konturenschärfe leistet, misst, berechnet und veröffentlicht DxOMark für eine Vielzahl von Kombinationen unterschiedlichster Kameras mit unterschiedlichsten Objektiven, so zum Beispiel auch für die Kombination einer Nikon D750 mit einem AF-S NIKKOR 14-24mm f/2.8G ED:
http://www.dxomark.com/Lenses/Nikon...-ED-mounted-on-Nikon-D750---Measurements__975
Wenn man nun in dem vorstehend verlinkten Menü zunächst "Sharpness" und dann „Profiles“ auswählt, erscheinen die von DxOMark veröffentlichten Acutance-Profile. Dort sieht man im Einzelnen:
Links an der vertikalen Achse stehen die von DxO Mark ermittelten Acutance-Werte in %, und zwar für den „use case“ der Betrachtung eines hochqualitativen Ausdrucks im Format 1 m x 1,5 m aus einer Betrachtungsentfernung von 1 m (oder allgemeiner: Betrachtungsentfernung = kurze Seite eines Ausdrucks im Format 2:3). Unten an der horizontalen Achse stehen die Positionen im Bildfeld in %. Die Bildfeldposition 0% entspricht dabei der Bildmitte, die Bildfeldposition 100% den Bildecken. Die durchgezogenen Linien zeigen die Konturenschärfe für horizontale Motivstrukturen, die gestrichelten Linien für vertikale Motivstrukturen. Die Acutance-Werte für die Konturenschärfe vertikaler und horizontaler Motivstrukturen können nämlich unterschiedlich ausfallen, zum Beispiel weil ein Objektiv einen Abbildungsfehler aufweist, den man
Astigmatismus nennt, oder zum Beispiel auch, weil der Tiefpassfilter einer Kamera die Konturenschärfe horizontaler und vertikaler Strukturen in einem etwas unterschiedlichen Ausmaß beeinflussen kann.
Wann man nun mit der Maus über die durchgezogenen und/oder gestrichelten Acutance-Profile fährt, dann erscheinen an den Bildfeldpositionen 0% (Bildmitte), 33% (1/3 Bildkreis), 66% (2/3 Bildkreis) und 100% (Bildecken) die konkreten Zahlenwerte für die jeweiligen Bildfeldpositionen und für die oben bei „Focal“ und „Aperture“ jeweils ausgewählte Brennweite und Blende.
Beispiel:
Wählt man zum Beispiel die Brennweite 18 mm sowie die Blende 5,6 und fährt dann mit der Maus über die durchgezogenen Acutance-Profile für horizontale Motivstrukturen, so erscheinen folgende Acutance-Werte:
- Bildfeldposition 0% (Bildmitte): Acutance-Wert 79,7%
- Bildfeldposition 33% (1/3 Bildkreis): Acutance-Wert 75,1%
- Bildfeldposition 66% (2/3 Bildkreis): Acutance-Wert 73,2%
- Bildfeldposition 100% (Bildecken): Acutance-Wert 72,9%
Entsprechend kann man also vom Grundsatz her für alle Brennweiten, Blenden und Bildfeldpositionen den jeweiligen Acutance-Wert ermitteln und somit auch für jede Brennweite diejenige Blende, bei welcher die Acutance-Werte im Bildfeld so verteilt sind, wie man es für das jeweilige Bildergebnis anstrebt (besonders hoch in der Bildmitte, besonders hoch in den Bildecken, besonders ausgeglichen im gesamten Bildfeld etc.).
Man kann bei Interesse auch noch einen Schritt weitergehen, und anhand der nachstehend verlinkten Kurve ("Figure 2.2" auf Seite 39) ablesen, welcher Qualitätsstufe in Bezug auf die Konturenschärfe diese Acutance-Werte jeweils entsprechen:
https://books.google.de/books?id=QJ...#v=onepage&q=SQS quality vs. acutance&f=false
Beispiel:
- Der Acutance-Wert für horizontale Strukturen und die Bildmitte ist bei der Brennweite 18 mm und die Blende 5,6 = 79,7% (0,797). Damit entspricht er laut der vorstehend verlinkten Kurve einem SQS-Wert (Wert auf der "Standard Quality Scale" der ISO 20462) von etwa 31.
- Der Acutance-Wert für horizontale Strukturen und die Bildecken ist bei der Brennweite 18 mm und die Blende 5,6 = 72,9% (0,729). Damit entspricht er laut der vorstehenden verlinkten Kurve einem SQS-Wert von etwa 29.
Die Differenz zwischen dem SQS-Wert für die Bildmitte und dem SQS-Wert für die Bildecken beträgt also 31 - 29 = 2. Und eine Differenz von 2 Einheiten auf der SQS-Scala entspricht laut ISO 20462 einem Qualitätsunterschied in Bezug auf die Konturenschärfe, den die Mehrzahl aller Betrachter mit durchschnittlicher Sehleistung wahrnehmen kann. Ein Unterschied von 1 Einheit auf der SQS-Scala kann hingegen laut ISO 20462 nur von etwa der Hälfte aller Betrachter wahrgenommen werden. Und ein Unterschied von 3 Einheiten auf der SQS-Scala kann laut ISO 20462 von nahezu allen Betrachtern mit durchschnittlicher Sehleistung völlig eindeutig wahrgenommen werden.
So ergibt sich also zum Beispiel in Bezug auf einen möglichst guten Kompromiss zwischen der Konturenschärfe in der Bildmitte und der Konturenschärfe in den Bildecken für die Brennweite 20 mm Folgendes:
- Bei Blende 8 ist der Acutance-Wert für die Bildecken und horizontale Strukturen 71,6% (0,716) = 28 SQS
- Bei Blende 8 ist der Acutance-Wert für die Bildmitte und horizontale Strukturen 76,6% (0,766) = 30 SQS
- Bei Blende 5,6 ist der Acutance-Wert für die Bildecken und horizontale Strukturen 71,4% (0,714) = 28 SQS
- Bei Blende 5,6 ist der Acutance-Wert für die Bildmitte und horizontale Strukturen 79,6% (0,796) = 31 SQS
Bei Blende 5,6 entspricht also die Differenz zwischen der Konturenschärfe in der Bildmitte und in den Bildecken 3 Einheiten auf der SQS-Scala und ist damit für nahezu alle Betrachter unter der Betrachtungsbedingung dieses „use case“ (Betrachtungsentfernung = kurze Seite eines hochqualitativen Ausdrucks im Format 2:3) völlig eindeutig wahrnehmbar.
Bei Blende 8 entspricht die Differenz zwischen Bildmitte und Bildecken hingegen 2 Einheiten auf der SQS-Scala und ist damit zwar bereits für die Mehrzahl aller Betrachter unter der Betrachtungsbedingung dieses „use case“ (Betrachtungsentfernung = kurze Seite eines hochqualitativen Ausdrucks im Format 2:3) wahrnehmbar, aber eben noch nicht für nahezu alle Betrachter völlig eindeutig.
Käme es also unter der Betrachtungsbedinung dieses „use-case“ zum Beispiel auf eine möglichst hohe Konturenschärfe in der Bildmitte an, und zwar ohne unter dieser Betrachtungsbedingung wahrnehmbare Einbußen in den Bildecken, so wäre wohl bei der Brennweite 20 mm die Blende 5,6 die aussichtsreichste Wahl. Denn der sich bei den Blenden 5,6 und 8 in den Bildecken ergebende Unterschied (28-28=0) liegt noch unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle (Wahrnehmbarkeitsschwelle = 1 SQS-Einheit). Der sich bei den Blenden 5,6 und 8 in der Bildmitte ergebende Unterschied (31-30=1) ist jedoch
bereits von etwa der Hälfte aller Betrachter mit durchschnittlicher Sehleistung wahrnehmbar, da er bereits 1 SQS-Einheit entspricht.
Käme es hingegen auf eine zwar insgesamt hohe aber etwas ausgeglichenere Konturenschärfe an, so wäre bei der Brennweite 20 mm unter Umständen die Blende 8 die aussichtsreichste Wahl. Denn der sich bei den Blenden 5,6 und 8 in den Bildecken ergebende Unterschied liegt auch bei Blende 8 noch unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle (Wahrnehmbarkeitsschwelle = 1 SQS-Einheit). Der sich bei den Blenden 5,6 und 8 in der Bildmitte ergebende Unterschied ist jedoch von etwa der Hälfte aller Betrachter mit durchschnittlicher Sehleistung
noch nicht wahrnehmbar, da er nur 1 SQS-Einheit entspricht. Bei der Blende 8 ergäbe sich also zwischen Bildecken und Bildmitte ein etwas weniger auffälliger Unterschied in der Konturenschärfe (30-28=2 anstatt 31-28=3), und zwar ohne dass dabei die Konturenschärfe in der Bildmitte so deutlich leiden würde, dass diese Qualitästminderung in der Bildmitte von mehr als der Hälfte der Betrachter wahrgenommen würde.
Soll hingegen ein zwischen Bildmitte und Bildecken möglichst geringer Unterschied in Bezug auf die von Betrachtern wahrgenommene Konturenschärfe bestehen, damit zum Beispiel ihr Abfall zu den Bildecken hin den Betrachtern so gut wie gar nicht ins Auge springt, so wäre also die Blende zu wählen, bei welcher die Differenzen der Acutance-Werte und der diesen entsprechenden SQS-Werte im gesamten Bildfeld möglichst gering ausfallen.
etc.