Ich persönlich finde, daß die Einführung einer hochauflösenden KB-Kamera von Nikon nicht so ganz zu Ende gedacht wurde. Zum einen gibt es noch zu wenig Nikon Objektive, die die Leistung der D800 möglichst gut bedienen. …
Wenn ein Hersteller von Kameras und Objektiven seiner Kundschaft die Freude eines höheren subjektiven Schärfeeindrucks beim Betrachten der mit seinen Produkten aufgenommenen Fotos machen möchte, dann muss er dazu die MTF-Werte der Kombinationen seiner Kameras mit seinen Objektiven erhöhen. Diese MTF-Werte einer Kamera-Objektiv-Kombination errechnen sich jeweils aus: Kombi-MTF = Objektiv-MTF x Kamera-MTF. Dem Hersteller stehen also zur Erhöhung der Kombi-MTF vom Grundsatz her zwei Optionen offen:
a) neue Kameras mit höheren MTF-Werten
b) neue Objektive mit höheren MTF-Werten
Die Option a) hat nun gegenüber der Option b) den Vorteil, dass bei ihr
alle Kunden auch mit ihren
bisherigen Objektiven in den Genuss einer höheren Kombi-MTF kommen, und damit auch in den Genuss eines höheren subjektiven Schärfeeindrucks. Zwei Beispiele (DxOMark
"Sharpness"):
Gegenüber dieser Erhöhung des subjektiven Schärfeeindrucks von 9 P-Mpix auf 21 P-Mpix - bei wohlgemerkt dem
identischen Objektiv - hätte ein Objektiv mit höheren MTF-Werten in Kombination mit der identischen Kamera (D700) lediglich eine Erhöhung des subjektiven Schärfeeindrucks von 9 P-Mpix auf 12 P-Mpix ergeben:
Hier einige weitere Beispiele dafür, dass die Kombination einer Kamera mit vergleichsweise höheren MTF Werten mit einem Objektiv mit vergleichsweise geringeren MTF-Werten zu einem ähnlichen subjektiven Schärfeeindruck führen kann, wie die Kombination einer Kamera mit vergleichsweise geringeren MTF-Werten mit einem Objektiv mit vergleichsweise höheren MTF-Werten:
Aber natürlich steht einem Hersteller von Kameras und Objektiven vom Grundsatz her auch die Möglichkeit offen,
sowohl die Werte der Kamera-MTF zu erhöhen,
als auch die Werte der Objektiv-MTF:
Aber eine Erhöhung sowohl der Kamera-MTF als auch der Objektiv-MTF geht natürlich auf der Zeitschiene nur nach und nach. Denn ein Hersteller kann ja bei Markteinführung einer neuen Kamera mit höheren MTF-Werten schlecht auch auf einen Schlag alle Objektive erneuern. Und daher halte ich persönlich es aus Sicht der Anwender für durchaus vorteilhaft, wenn ein Hersteller zunächst seiner
gesamten Kundschaft das Angebot einer Erhöhung des subjektiven Schärfeeindrucks auch mit den
bisherigen Objektiven unterbreitet, indem er zunächst eine Kamera mit höheren MTF-Werten entwickelt und anbietet, und dann nach und nach auch das Angebot an Objektiven mit höheren MTF-Werten verbreitert.
Die Anwender, welche dies – warum auch immer - nicht abwarten mögen, finden ja auch anderweitig Angebote zur Erhöhung sowohl der Kamera-MTF als auch der Objektiv-MTF:
Gerade aktuell die Bilder vom 85er Otus, alles scharf, alles super. Aber will jeder so eine knack-scharfe Portraitlinse?
Jeder natürlich nicht, denn die persönlichen Geschmäcker und Vorstellungen sowohl der Anwender als auch gegebenenfalls ihrer Kunden sind natürlich verschieden. Deshalb erzielen ja Objektive, wie zum Beispiel das Leica Summilux-M 1,4/75 oder Noctilux-M 1/50 Gebrauchtpreise, die über ihren einstigen Neupreisen liegen, und zwar gerade weil sie bei voller Öffnung eine
andere (im Unterschied zu: "bessere" oder "schlechtere") Abbildungscharakteristik zeigen, als zum Beispiel ein Zeiss Otus 1,4/85 oder 1,4/55.