.....genau das ist Farbfotografie. Farbe bewusst einsetzen zur Steigerung der Bildaussage. Sei es wie hier monochrom oder in den passenden Farbkontrasten.
Hallo Holger,
danke für die Blumen. Die Beantwortung der Frage, was eine gute Farbfotografie ausmacht, würde sicher Seiten füllen. Wobei das Ziel - wie du richtig schreibst -natürlich darin bestehen sollte, Farben so in eine Aufnahme zu "transportieren", dass sie die Bildaussage steigern. Nur: wie stellt man das an? Wahrscheinlich sollte man dazu erst einmal ein paar Semster Kunst studieren und sich mit intensiv mit den Farblehren auseinandersetzten. In diesem Sinn hat Henri Cartier-Bresson einmal gesagt:
"Um auf dem Gebiet der Farbfotografie wirklich schöperisch arbeiten zu können, muss man die Farbe umbilden und abwandeln und auf diese Weise die Freiheit erringen, sich innerhalb der großen Gesetze, die von den Impressionisten aufgestellt worden sind und denen sich auch der Photograph nicht entziehen kann, selbständig auszudrücken."
Also: Farben nicht nur 1:1 abbilden (dann wird's in der Regel nur bunt), sondern versuchen, sie kreativ einzusetzen. Z.B. durch eine entsprechende Bildkomposition, die Farben in eine bestimmte Beziehung zueinander setzt, "störende" Farben ausblendet oder andere durch gezielte Lichtgestaltung und/oder Belichtung akzentuiert. So läßt sich z.B. "Weite" in einer Aufnahme erzeugen, wenn man darauf achtet, "helle" Farben im Bildhintergrund zu plazieren und die dunklen Farbtöne in den Vordergrund zu setzen (das klappt sowohl mit hell/dunkel Kontrasten im Sinne von physikalischer Farbhelligkeit als auch mit psychologisch-emotinal als "hell" bzw. "dunkel" empfundenen Farben). Oder "Spannung", "Energie", "Frische" etc. indem man versucht, eine Aufnahme auf Komplemtärfarben zu reduzieren. Wobei deren Anordnung im Bild (Vorder-Hintergrund) wiederum ganz unterschiedliche Emotionen beim Betrachter des Bildes auslösen kann.
Für mein "Moonspotting" Bild kommt neben dem angesprochenen hell/dunkel Effekt (assoziert wie gesagt "Weite") und der farblichen Monotonie der Szenerie ("leblos", "unbekannt", "fremd") noch hinzu, dass ein helles Cyan eine kalte Farbe ist, die Licht zurückstrahlen läßt. Dadurch entsteht gemeinhin der Eindruck, als entferne sich das Motiv von einem, was wiederum die Fremdartigkeit der Landschaft verstärkt. Andere Farben dagegen absorbieren das Licht, so dass man als Betrachter das Gefühl hat, sich ihnen zu nähern (man wird in das Bild hineingezogen).
Aber wem erzähle ich das - für einen ausgebildeten Fotografen wie Dich sicher alles graue, altbekannte Theorie. Sie in der Praxis anzuwenden, ist die Kunst. Und das misslingt mir leider auch täglich auf's Neue. Wobei wir es im Zeitalter der digitalen Fotografie sogar noch viel leichter haben, "Farben umzubliden und abzuändern" als Henri Cartier-Bresson, da wir die Farben des Bildgegenstands ja nach Belieben verändern können. "Helles Cyan" aus einem beigen Sandstrand zu "zaubern" - um beim Moonspotting Bild zu bleiben - gelingt z.B. ganz einfach durch Einstellung des entsprechenden Weissabgleichs (hier: Kunstlicht).
