Die letzten Tagen boten noch einen Höhepunkt sowie ein "Abenteuer" der besonderen Art.
Ganz im Norden stand das Cape Reinga fest auf meiner Liste. Viele Neuseeland-Reisende, die ich unterwegs getroffen habe, haben davon geschwärmt. So war ich ziemlich gespannt, was mich dort erwartet. Die letzten 100km nordwärts führen über eine Stichstraße, die oberhalb des Leuchtturms endet. Diese Straße führt zunächst durch das Hinterland des sog. Ninety Mile Beaches und dann an riesigen Sanddünen vorbei, bevor die Landschaft wieder bergiger wird und sich für das grandiose Finale im Norden vorzubereiten scheint.
Für die Maori ist dieser Ort heilig. Einer Legende entsprechend steigen dort die Seelen der Verstorbenen auf ihrer Heimreise in das Meer hinab.
Unterhalb des Leuchtturms treffen Tasmansee und Südpazifik aufeinander, was zu tollen Verwirbelungen führt, wenn das Wasser aufeinander trifft.
Dies wird von den Maori als "Liebesspiel" der Seelen gedeutet.
Der Leuchtturm ist zwar kein wirklich imposantes Bauwerk, seine Lage aber eben absolut einmalig. Bei gutem Wetter kann man nördlich die zu Neuseeland gehörenden Three King Islands erkennen. Die Tafeln mit den Entfernungen machen einem noch einmal deutlich, wie weit man von zuhause entfernt ist. Von dort bis London sind es über 18.000 Kilometer.
Da ich bis zum Sonnenuntergang fotografiert habe, habe ich auf dem Rückweg vom Cape Reinga am ersten Campingplatz Halt gemacht, der direkt an der Straße lag. Der hatte den Vorteil, dass er in unmittelbarer Nähe der riesigen Dünen liegt, die ich dann morgens fotografieren wollte. Aber es kam völlig anders.
Nachts habe ich mehrfach Geräusche am Wagen gehört und habe zweimal das Zelt verlassen um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Morgens habe ich das "Malheur" dann gesehen. Zwischen Kühlergrill und Kühler saß ein Hase. Der muss sich durch eine ganz eng Öffnung unter dem Wagen da reingequetscht haben. Raus konnte er dort nicht mehr. Handyempfang hatte ich keinen.
Also ganz vorsichtig zum nächsten Dorf gefahren (mit mehreren Stops, um zu schauen, was der Patient macht und mit kritischen Blicken auf die Temperaturanzeige im Wagen). Dann den Vermieter kontaktiert und eine Toyata Werkstatt in der Nähe ausgemacht, die ich angefahren bin, die aber geschlossen war (Samstag). Direkt hinter der Werkstatt war aber ein Schrauber mit einem Wagen beschäftigt. Er bot an, mir zu helfen und musste herzlich lachen, als er den Hasen hinter dem Kühlergrill sah. 20min später war das Tier befreit und konnte in seine nun neue Heimat hoppeln, weitere 15min später war der Wagen wieder fahrbereit (verdammt viele Schrauben, die da zu lösen und wieder anzuziehen waren).
Für das Tier vermutlich das Abenteuer seines Lebens, für mich noch mal ein ziemlich schräger und skurriler Abschied meiner Zeit mit dem Wagen in Neuseeland. Für die Kauri-Bäume, die eigentlich für den Tag geplant waren, blieb dann keine Zeit mehr, so dass ich direkt nach Auckland zurück gefahren bin. Aber ich bin mir sicher, dass mir diese Episode der Reise in besonders lebhafter Erinnerung bleiben wird.
PS: Mehr Bilder zu dieser Geschichte sind in Kürze auf meiner Homepage zu finden.