Hallo Ihr!
Was lest Ihr gerade, das einen Bezug zu dem hat, was in diesem Forum Themen sind?
Ich habe gerade das Buch "Und das ist Kunst?!" vom Zeit-Redakteur Hanno Rauterberg (S.Fischer 2007) bekommen und werde mich gleich ins Vergnügen stürzen (obwohl ich parallel weiterhin mit großer Begeisterung den 9/11-Roman von Safran Foer verschlinge).
Hat schon jemand das Buch durch?
Liest es noch jemand außer mir, besonders von den Kunstdiskutanten hier?
Hier offizielle die Presseinfo: http://www.fischerverlage.de/sixcms/media.php/117/Presseinformation_Rauterberg_2007.pdf
Bis gleich
Frank
EDT: Der Einfachheit halber habe ich am 7.10.2007 die drei Teile meiner Rezension hier zusammenkopiert:
Rauterberg nutzt die ersten sieben Kapitel oder 87 Seiten, um seine These auszuwalzen, dass heute nicht mehr die Qualität eines Kunstwerks dessen Preis bestimmt, sondern umgekehrt, dass ein möglichst hoher Preis als einziger verlässlicher Maßstab für Qualität angesehen wird.
Er beklagt den Niedergang der institutionellen und akademischen Bewertungsorgane, die der milliardenschweren Wirtschaftsmacht der großen Privatsammler kaum noch etwas engegensetzen (können) und zitiert einen Kollegen mit dem bösen (und im Einzelfall wahrscheinlich sogar wahren) Wort, dass heute manches öffentliche Museum zum bloßen "Showroom" des Kunsthandels verkommen ist.
Klasse. Nach dem etwas redundanten Beklagen der Zustände im ersten Teil, trägt der Autor auf den folgenden fast hundert Seiten faktenreich: "10 populäre Irrtümer der Gegenwartskunst" zusammen.
Es geht aber gar nicht um Irrtümer sondern um die stets ambivalente Suche nach den Grenzen für und der Bedeutung von Kunst. Es geht um Kriterien, das Neue, die Irritation, die Wahrhaftigkeit, das Handwerkliche, die Verweigerung, die Frage, ob Alles Kunst ist oder Nichts, ob Kunst es schwer hat, ob sie kritisch sein muss und ob sie von Ideen lebt.
Jeder dieser 10 Aspekte wird zwischen seinen Extremen aufgespannt und durchleuchtet. Allein für dieses Kapitel hat sich das Buch gelohnt. Und das Kapitel werde ich garantiert noch einmal lesen, weil ich soviel Fakten nicht auf einmal in die Birne bekomme und es einfach zu spannend ist, um es langsamer zu lesen.
Weil ich Rauterbergs Artikel in der "Zeit" schätze, habe ich mir sein Buch bestellt und gelesen. Rauterberg sucht meinem Eindruck nach die Revolution herbeizuschreiben, die er sich wünscht. Eine Kunstwelt nämlich, in der die Museumsdirektoren aufhören, dem Mainstream-Kunstmarkt hinterherzuhecheln und, sich auf eine Qualitätsdiskusion einlassen und selber auf Suche, Auswahl, Bewertung und Erwerb von aktuellen Werken konzentrieren. Nicht die Archivierung des Anerkannten sei die oberste Pflicht des Museums, sondern die Anregung und Bildung seiner Besucher.
Wer behauptet, es geben keine nachweisbar gültigen Kriterien wird in diesem Buch von Rauterberg das Unterscheiden gelehrt. Er zeigt die Möglichkeiten einer differenzierten Bewertung (zweiter Teil) theoretisch, scheut sich aber im dritten Teil auch nicht, Ross und Reiter zu nennen und die Künstler z.B. an ihren eigenen Ansprüchen zu messen oder Vergleichbares zu vergleichen.
Die FAZ brachte am 28. September 2007 eine Sammelrezension (Rose-Maria Gropp: "Muss Kunst gut sein?") des Rauterbergwerks und ähnlicher Titel. Wie es scheint, ist die moderne Kunst ohne Handbuch nicht zu verstehen. Rauterbergs Buch kann ich guten Gewissens als ein fundiertes und geeignetes Handbuch empfehlen. Ich werde es auf jeden Fall noch einmal lesen.
Etwas befremdet hat mich der Zustand des vorliegenden Manuskript. Teile sind bis ins Detail ausgearbeitet (Teil 2 und das zweite und dritte Drittel von Teil 3), andere erscheinen mir unkonzentriert, so als wären sie einen früheren Bearbeitungszustand freigegeben worden (Teil 1 und der erste Teil vom Teil 3).
Hier die Daten des von mir besprochenen Buchs und die Daten der Bücher, die in der FAZ-Sammelrezension gennant wurden:
Piroschka Dossi: "Hype. Kunst und Geld", dtv, 2007
Wolfram Völcker: "Was ist gute Kunst?", Hatje Cantz, 2007
Hanno Rauterberg: "Und das ist Kunst?!", Fischer, 2007
Wolfgang Ullrich: "Gesucht: Kunst", Wagenbach, 2007
Was lest Ihr gerade, das einen Bezug zu dem hat, was in diesem Forum Themen sind?
Ich habe gerade das Buch "Und das ist Kunst?!" vom Zeit-Redakteur Hanno Rauterberg (S.Fischer 2007) bekommen und werde mich gleich ins Vergnügen stürzen (obwohl ich parallel weiterhin mit großer Begeisterung den 9/11-Roman von Safran Foer verschlinge).
Hat schon jemand das Buch durch?
Liest es noch jemand außer mir, besonders von den Kunstdiskutanten hier?
Hier offizielle die Presseinfo: http://www.fischerverlage.de/sixcms/media.php/117/Presseinformation_Rauterberg_2007.pdf
Bis gleich
Frank
EDT: Der Einfachheit halber habe ich am 7.10.2007 die drei Teile meiner Rezension hier zusammenkopiert:
Rauterberg nutzt die ersten sieben Kapitel oder 87 Seiten, um seine These auszuwalzen, dass heute nicht mehr die Qualität eines Kunstwerks dessen Preis bestimmt, sondern umgekehrt, dass ein möglichst hoher Preis als einziger verlässlicher Maßstab für Qualität angesehen wird.
Er beklagt den Niedergang der institutionellen und akademischen Bewertungsorgane, die der milliardenschweren Wirtschaftsmacht der großen Privatsammler kaum noch etwas engegensetzen (können) und zitiert einen Kollegen mit dem bösen (und im Einzelfall wahrscheinlich sogar wahren) Wort, dass heute manches öffentliche Museum zum bloßen "Showroom" des Kunsthandels verkommen ist.
Klasse. Nach dem etwas redundanten Beklagen der Zustände im ersten Teil, trägt der Autor auf den folgenden fast hundert Seiten faktenreich: "10 populäre Irrtümer der Gegenwartskunst" zusammen.
Es geht aber gar nicht um Irrtümer sondern um die stets ambivalente Suche nach den Grenzen für und der Bedeutung von Kunst. Es geht um Kriterien, das Neue, die Irritation, die Wahrhaftigkeit, das Handwerkliche, die Verweigerung, die Frage, ob Alles Kunst ist oder Nichts, ob Kunst es schwer hat, ob sie kritisch sein muss und ob sie von Ideen lebt.
Jeder dieser 10 Aspekte wird zwischen seinen Extremen aufgespannt und durchleuchtet. Allein für dieses Kapitel hat sich das Buch gelohnt. Und das Kapitel werde ich garantiert noch einmal lesen, weil ich soviel Fakten nicht auf einmal in die Birne bekomme und es einfach zu spannend ist, um es langsamer zu lesen.
Weil ich Rauterbergs Artikel in der "Zeit" schätze, habe ich mir sein Buch bestellt und gelesen. Rauterberg sucht meinem Eindruck nach die Revolution herbeizuschreiben, die er sich wünscht. Eine Kunstwelt nämlich, in der die Museumsdirektoren aufhören, dem Mainstream-Kunstmarkt hinterherzuhecheln und, sich auf eine Qualitätsdiskusion einlassen und selber auf Suche, Auswahl, Bewertung und Erwerb von aktuellen Werken konzentrieren. Nicht die Archivierung des Anerkannten sei die oberste Pflicht des Museums, sondern die Anregung und Bildung seiner Besucher.
Wer behauptet, es geben keine nachweisbar gültigen Kriterien wird in diesem Buch von Rauterberg das Unterscheiden gelehrt. Er zeigt die Möglichkeiten einer differenzierten Bewertung (zweiter Teil) theoretisch, scheut sich aber im dritten Teil auch nicht, Ross und Reiter zu nennen und die Künstler z.B. an ihren eigenen Ansprüchen zu messen oder Vergleichbares zu vergleichen.
Die FAZ brachte am 28. September 2007 eine Sammelrezension (Rose-Maria Gropp: "Muss Kunst gut sein?") des Rauterbergwerks und ähnlicher Titel. Wie es scheint, ist die moderne Kunst ohne Handbuch nicht zu verstehen. Rauterbergs Buch kann ich guten Gewissens als ein fundiertes und geeignetes Handbuch empfehlen. Ich werde es auf jeden Fall noch einmal lesen.
Etwas befremdet hat mich der Zustand des vorliegenden Manuskript. Teile sind bis ins Detail ausgearbeitet (Teil 2 und das zweite und dritte Drittel von Teil 3), andere erscheinen mir unkonzentriert, so als wären sie einen früheren Bearbeitungszustand freigegeben worden (Teil 1 und der erste Teil vom Teil 3).
Hier die Daten des von mir besprochenen Buchs und die Daten der Bücher, die in der FAZ-Sammelrezension gennant wurden:
Piroschka Dossi: "Hype. Kunst und Geld", dtv, 2007
Wolfram Völcker: "Was ist gute Kunst?", Hatje Cantz, 2007
Hanno Rauterberg: "Und das ist Kunst?!", Fischer, 2007
Wolfgang Ullrich: "Gesucht: Kunst", Wagenbach, 2007