Fotografie - eine Frage des Talents?

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Phönix

Sehr aktives NF Mitglied
Registriert
Nun habe ich mir heute mal wieder eines meiner Lieblingsbücher in die Hand genommen: "Digitale Fotografie" von Martin Zurmühle. Ein sehr gutes Buch wie ich finde. Irgendwo ging es dann um Bildgestaltung und er meinte, dass es jedem möglich sei, mit Übung und Geduld ein guter Fotograf zu werden.
Und wenn ich mir es überlege, so muss ich zugeben, ist Fotografie in vielerleit Hinsicht auch sehr als Handwerk zu verstehen. Da gibt es zum einen das Werkzeug - die Kamera. Und daran ist nun wirklich nichts mystisches. Nur ein wenig Interesse und eine gute Anleitung und man sollte schnell in der Lage sein, das Gerät zu bedienen. Und auch in der Bildgestaltung hat es der Fotograf leichter als ein Maler. Zum einen, weil er bei der Wahl des Motivs sich mit dem zufrieden geben muss, was ihm sein Umfeld zu bieten hat und zum anderen, weil vieles in der Bildgestaltung abhängig ist von einfachen Regeln. Der Goldene Schnitt, den Blick für die Perspektive oder wann welche Blende zu bevorzugen wäre etc.
Da stellt sich für mich die Frage, wie sehr da eigentlich noch das Talent eine Rolle spielt. Ist es im Grunde für jeden möglich, mit eintsprechender Übung, ein sehr guter Fotograf zu werden? Oder ist es doch so, dass mancher, egal wieviel er auch übt es nie schaffen wird, Bilder auf den Chip/Film zu Bannen, dass er andere Menschen damit vom Hocker haut?

Gruß Felix
 
Anzeigen
Wenn ich Leute wie Andreas H.Bitesnich anschaue,
muß auf deine Frage ein klares JAAAAAAAAAA kommen.
Er hat ein Gen, das ich noch bei keinem Anderen sah.
 
Kommentar
Ist wie Autofahren:Manche können üben solange sie wollen ... :D

:fahne:


(nicht sooo ernst gemeint, obwohl ...)
 
Kommentar
Phönix schrieb:
Ist es im Grunde für jeden möglich, mit eintsprechender Übung, ein sehr guter Fotograf zu werden? Oder ist es doch so, dass mancher, egal wieviel er auch übt es nie schaffen wird, Bilder auf den Chip/Film zu Bannen, dass er andere Menschen damit vom Hocker haut?

mit der einschränkung dass ich "sehr gut" durch "durchschnittlich gut" ersetzen würde, dann ein entschiedenes "vielleicht"... :)
die theorie ist die eine seite... und theoretisch müsste es mit dem wissen um die theorie jedem möglich sein, ein bild wie martin zu machen...
in der praxis jedoch sieht das ganz anders aus... gerüstet mit dem theoretischen wissen um ein gutes bild, schaffen es manche noch nicht mal ansatzweise, ein bild wie martin zu machen... nicht mal wenn sie es ohne eigene idee nur nachstellen...
bücher sind schön und gut, aber die umsetzung in der praxis lässt sich nicht so einfach zu papier bringen... viel ist bauchsache, fingerspitzengefühl und einfühlungsvermögen... das fängt beim umgang mit dem model an und hört beim finish bei der bearbeitung auf, die bei jedem bild ein klein wenig anders ist...

andererseits gibt es leute die fantastische fotografen sind, ohne jemals auch nur ein buch darüber gelesen zu haben oder sich gedanken um irgend welche kompositorische regeln zu machen...

nachdem ich das jetzt alles getippt habe, möchte ich mein entschiedenes vielleicht revidieren...
jeder kann bis zu einem gewissen grad durch anlesen und umsetzen ganz passable bilder machen... damit darüber hinaus gute oder sehr gute bilder entstehen, gehört eine gewisse begabung dazu... so sehe ich das...
 
Kommentar
ich habe mal etwas von einem fotografen gehört was mir sehr gefallen hat, er hat es ungefähr so ausgedrückt.

1. man kann ein knipser sein, der die fotos fürs familienalbum macht...das kann so ziemlich jeder

2. man kann sich das fotografische wissen aneignen, die fotos die man hinbringt sind für laien sehr gut aber noch nicht atemberaubend

3. man kann für die fotografie geboren sein...und DANN macht man fotos bei welchen den betrachtern der atem weg bleibt und diese fähigkeit kann man sich nicht anlernen sondern muss es haben.

meine persönliche meinung:

ich denke man kann sich einiges aneignen aber ein gewisses grundtalent muss vorhanden sein...ich kenne leute die nach mehrmaligen erklärungen und versuchen usw usw.. noch immer kein gutes bild hinbekomen...andere nehmen die kamera zum ersten malin die hände und machen herrliche fotos.
von mir aus gesehen spielt das talent eine sehr grosse rolle dabei..


gruss Edi
 
Kommentar
Was ich jetzt bei meinem Wiedereinstieg feststellen muß ist, daß mir ein wenig das Auge für Motive abhanden gekommen ist. Ich meine das mal wenigstens ein bißchen gehabt zu haben und hoffe darauf, daß es sich wieder einstellen wird. Trotzdem glaube ich nicht in diesem Leben jemals das "Talent" eines Nachtwey, oder sonst wen aus der Oberliga, erreichen zu können. Dazu ists bei mir letztendlich auch nur zu sehr Hobby und mir fehlt da einfach neben technischem Knowhow viel zu viel.
Also im Endeffekt sehe ichs wie meine Vorposter: Ne ordentliche Portion wie auch immer geartetes "Talent" gehört auf jeden Fall dazu.
 
Kommentar
Phönix schrieb:
... Ist es im Grunde für jeden möglich, mit eintsprechender Übung, ein sehr guter Fotograf zu werden? Oder ist es doch so, dass mancher, egal wieviel er auch übt es nie schaffen wird, Bilder auf den Chip/Film zu Bannen, dass er andere Menschen damit vom Hocker haut?
...
Ich glaube, es ist nicht massgeblich ob man Versucht die anderen vom Hocker zu hauen, sondern sich selbst. Wenn man dann noch staendig mit sich unzufrieden ist, haengt man auch bestaendig seine eigene Messlatte hoeher und wird so besser, ohne dass man es merkt. Zwischendrin sind dann noch die Frustphasen, in denen gar nichts geht. Wenn man aber mit seinen Ergebnissen zufrieden ist, wird man sich wahrscheinlich auch nicht verbessern (wollen).

Letztendlich kommt es dann fuer die Anerkennung darauf an, in wie weit Deine Vorstellung von einem guten Bild mit der Deiner Betrachter uebereinstimmt.
 
Kommentar
Hi,

das Glück der relativ untalentierten, aber sehr intensiv an sich und an der zu beherrschenden Technik arbeitenden Photographen ist, dass die meisten talentierten und künstlerisch veranlagten Leute faule Säcke sind!!!

Ich kenne relativ viele photogarphierende Menschen, die mich in ihrem Talent weit, weit, weit überragen und an die ich niemals herankäme, wenn sie auch nur ein wenig Zeit in die rein handwerklichen Dinge stecken würden. Da sie aber zu phlegmatisch dazu sind, werden sie niemals vernünftige Ergebnisse erzielen und ich werde von meiner Umgebung als relativ guter Photograph wargenommen (was ich eigentlich NICHT bin, aber die anderen sind zu dämlich, ihre Karten zu spielen)!

Nur dann, wenn mal ein talentierter Mensch (wie z.B. Ansel Adams) auch bereit ist, gleichzeitig ein Tech-Photograph sein zu wollen, ist das Ergebnis umwerfend!

Viele Grüße
Jörn
 
Kommentar
[ironie an]
völliger Blödsinn, du musst immer die teuerste und neueste Kamera und die teuersten Optiken haben, dann gibts klasse Bilder... bis der nächste body rauskommt
[/ironie off] :)
 
Kommentar
Hi,

mit handwerklicher Ausbildung und gutem Werkzeug kann jedermann ein so guter Fotograf werden, wie jedermann damit ein guter Koch, ein guter (Haus)-Musiker oder ein guter Automechaniker werden kann. (Die weiblichen Wortendungen einfach hinzudenken!)

Aber wer wird ein Fotograf, dessen Bilder gerne gesehen werden, wer wird ein Koch, zu dem die Leute pilgern oder wer wird Musik machen, ohne dass die Leute davon laufen?

Natürlich ist Fotografie eine Frage von Begabung! Oder wird jemand sagen, Musiker / Segler / Turner / Fussballer / Dichter kann jeder werden, wenn er nur ein bisschen oder auch viel übt? Es gibt Menschen, die haben eine visuelle Begabung und andere eine musikalische oder sprachliche.

Es ist ein Trugschluss, dass ein Fotograf sich mit dem Motiv aus dem vorgebenen Umfeld zufrieden geben kann. Wenn er sich aus der Masse der reinen "Abbild-Produzenten" herausheben will, muss er sich etwas einfallen lassen. Ich erlaube mir mal als Beispiel einen Kalender heranzuziehen, den ich gestaltet habe. Diese Bilder sind auf der Basis von Themen entstanden wie "Triangulation", "Nivellement", oder "GPS".
Da helfen die Befolgung von Regeln wie "Goldener Schnitt" (GÄHN!) und irgendwelche Ratschläge, was Tiefenschärfe oder Belichtung angeht, ungefähr so weit, wie beim Volvo Ocean Race die Erkenntnis, dass ein Segelschiff oben einen Mast und unten einen Kiel hat.

Als Hobby-Saxophonist mit (durchs Fotografieren) intensivem Kontakt zu guten (Profi)-Musikern sehe ich genau die Grenzen. Und die sind auch nicht dadurch zu überwinden, dass ich ein Instrument der Profi-Klasse spiele und seit Jahren Unterricht nehme.

Eine Antwort auf die Frage "Braucht es Begabung zum Fotografieren" liegt auch in der mangelnden visuellen Erziehung. Im der gängigen Schullaufbahn lernt man Buchstaben zu lesen, Gedichte zu interpretieren, mit etwas Glück auch, ein oder zwei Lieder zu singen. Aber Bilder jeder Art anschauen und versuchen, diese zu verstehen - das passiert mal ein paar Stunden im Kunstunterricht - und dass, obwohl unsere Gesellschaft genauso durch Bilder geprägt wird wird, wie durch Sprache.

Während jedoch kaum jemand auf die Idee kommt, im Bekanntenkreis seine Reisenotizen vorzulesen oder ein im Urlaub gehörtes Lied vorzusingen, wird man ohne Gnade mit technisch halbwegs passablen Bildern beaufschlagt, die aber im Grunde völlig banal sind. Als Erinnerungshilfe ist das okay, aber beim Diaabend ohne Fluchtmöglichkeit für die Gäste? Eine Liste der besuchten Orte kann jeder schreiben, aber eine Reiserreportage?

Gleiches gilt für Fotografien, die das heimische Album verlassen und im doppelten Schrägschnitt-Passepartout und fettem Rahmen an der Wand eines Sparkassen-Foyers, der Quartierskneipe oder dem Foto-Club landen.
Da sollte der Hinweis, dass das Foto aus dem Wald - Kamera senkrecht nach oben - schon vor 50 Jahren von Andreas Feiniger gemacht und seitdem echt zu Tode geritten wurde, und dass im Zoo mit dem Tele erlegte Tiere auch keinem Betrachter eine Gänsehaut machen, schon erlaubt sein.

Beim Fotografieren aus Freude kommt gerne der Prozess / das Tun mit dem Ergebnis durcheinander. Der Spaß am Fotografieren an sich, das Befolgen von (vermeintlich sinnvollen) Regeln und der Umgang mit gutem Gerät ist keine Garantie für ein gutes Ergebnis.

Wenn der Hobbymusiker vor sich hin spielt und sich dabei an die Noten hält oder wenn die Hobby-Band den Keller volldröhnt, haben die auch ihren Spaß - der ganz schnell vergeht, wenn man mal eine einigermaßen technisch gute Aufnahme davon macht. Und viel Taktgefühl ist gefordert, wenn man als Dritter diese Aufnahmen vorgespielt kriegt und was dazu sagen soll.

Fazit: Wie für allerlei Sportarten, für's Musikmachen, für's Schreiben etc. braucht man auch für's Fotografieren Talent.

Schöne Grüße
(ich muss jetzt wieder Bilder sortieren: Von den 100 gemachten das eine finden, auf denen mein Talent zu erkennen ist...) ;)

Christian
 
Kommentar
kubik schrieb:
Hi ,
nicht umsonst ist die Fotografie ein Handwerksberuf!

JK

Hi,

die Fotografie ist Fotografie ist Fotografie.

In Deutschland führen zwei "offizielle" Wege und mindestens zwei "inoffizielle" Wege in die Richtung "Fotografie als Beruf".
"Offiziell":
Der handwerkliche: Lehre, Gesellenzeit, Meisterprüfung.
Der (mehr oder weniger) akademische: Studium an einer FH / GH / Uni

"Inoffiziell":
Echte Autodidakten: Bringen es sich selbst bei, durch Gucken, Lesen, Nachmachen

Assistenten: Machen bei ein paar Berufsknipsern ein paar Jahre Assistenzzeit (Koffer schleppen, Filme einlegen (früher), Lampen umherschieben, kleine Jobs knipsen) und mit einen Drittel der Kunden des letzten Chefs ein eigenes Studio auf.

Aus meiner Erfahrung:

In den meisten Fällen werden in der handwerklichen Ausbildung Rezepte vermittelt und das Befolgen derselben erwartet. Trotzdem kommt ab und zu etwas Gutes, Neues dabei heraus.
(Ich habe als Dipl.-Fotodesigner gewagt, Lehrlinge ausbilden. Die Einblicke in die Nachfolgeorgane des mittelalterlichen Zunftwesens waren nicht erfreulich.)

In der akademischen Ausbildung werden Themen oder Aufgaben gestellt, man wird angeleitet, eigene Lösungsansätze zu finden und Konzepte zur gestalterischen und technischen Umsetzung zu entwickeln.
Trotzdem kommt dabei ziemlich oft ziemlicher Mist heraus.

Wahrscheinlich ist es einfach eine Frage des Talentes.

Grüße, Christian
 
Kommentar
hätte ich talent, dann wäre ich nicht hier sondern am knipsen oder beim zählen der banknoten

rlechler schrieb:
Das Schoene an der Fotografie ist, dass man auch talentfrei Spass daran haben kann. Das ist mMn bei Musik schwieriger, darum fotografiere ich jetzt und spiele nicht mehr Gitarre.;)
 
Kommentar
Hallo Felix,


was ist ein guter Fotograf?

Mache können gut dokumentieren, andere drücken Gefühle aus oder sind in der Lage Bilder zu erstellen die sich gut für dekorative Zwecke eignen, zum Staunen oder zum Nachdenken anregen.

Ein bißchen Talent gehört dazu, ein Grundverständnis der Technik ist nötig. Für Naturfotografen ist wohl Geduld und Ausdauer eine wichtige Eigenschaft, für Sportfotografen blitzschnelle Reaktion und Erfahrung...

Vom Hocker hauen tut mich allerseltenst ein Bild. Die Bilder der letzten zehn Jahre die mir auffielen sind technisch perfekter geworden, wirklich neue Ideen sind mir wenige begegnet.

Im Gegenteil, technisch lieblos zusammengeklickte Photoshopkunstwerke, insbesondere in der Werbung, tun dem Auge weh. Der eigentliche Zweck, die Produktdarstellung, die Visualisierung der Werbeausage wird den Eyecatcher-Effekten geopfert. Man sieht kurz hin, in der Erinnerung bleibt nichts zurück.

Ich glaube, dass das solide, handwerkliche in der Fotografie zumindest im Moment wenig gefragt ist. Das hat jetzt nichts mit den handwerklichen Standesorganisationen zu tun. Aber die Tatsache, dass es einfacher ist ien technisch mittelmässiges Foto zu erstellen, hat vermutlich dazu geführt, dass die Wertschätzung für Fotografie allgemein geringer ausfällt als noch vor einigen Jahrzehnten.

Es fällt mir auf, dass sich das in der populären Musik ähnlich verhält. Talent zählt kaum mehr um Erfolgreich zu sein... Im Klassikradio hört man hauptsächlich seichte Filmmusik...

Stefan
 
Kommentar
Die Frage nach dem "Talent" ist auch wieder so eine Henne/Eigeschichte. Genau betrachtet handelt es sich dabei doch nur um einen Sammelbegriff für äussere und innere Umstände jeglicher Art, die die Ausbildung einer Fähigkeit begünstigen. Unmöglich das noch aufzudröseln.

Eine Sache, die mir mal in den Sinn kam.. Wer sich bei dem, was er tut, von einer unmittelbaren Verwertungslogik lösen kann, ist den entscheidenden Schritt weiter in Richtung "Talent".
 
Kommentar
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten