Vielen Dank für Eure Worte und Gedanken :up:
Frau Schnief war nicht die erste Katze, die wir beerdigen mußten und es wird nicht die letzte sein, wir haben aktuell noch sieben, aber dennoch war es diesmal besonders einschneidend. Als meine Frau und ich uns kennenlernten hatte ich Frau Schnief und ihre Schwester Purzel gerade 1/2 Jahr. Es waren meine ersten eigenen Haustiere und hatten eine gewisse "Mitschuld" das wir nun fast 13 Jahre verheiratet sind, denn meine Frau hatte zu der Zeit zwei Kater und "Katzenmenschen" verstehen sich normalerweise gut. Wir haben den vieren anfänglich auch einiges zugemutet, denn sie mußten im wöchentlichen Wechsel jedes WE gesamt 800km Autofahren, was die Jungs durch eindringlichen Singsang und meine Mädels deutlich riechbar auf der ganzen Strecke ablehnten.
Erst als wir unser Haus gefunden hatten pendelte nur noch ich und die Jungs und Mädels blieben die Woche über bei meiner Frau. Nun war Rudi, der ältere der beiden Kater, an den ich gestern viel denken mußte gesundheitlich angeschlagen. Schilddrüsenkrebs lautete die Diagnose, aber Simone wollte das nicht akzeptieren und fand an der Uni in Giessen eine spezielle Chemotherapie. Die war zwar noch in der Erprobung, aber wir entschlossen uns den Versuch zu wagen und so fuhr sie monatelang 2x pro Woche die 200km, manchmal mußte er auch ein paar Tage stationär bleiben. Am Ende der Behandlung waren die Schilddrüsenwerte für einen 13 jährigen Kater durchaus passabel und wir waren für eine kurze Zeit glücklich. Leider hatte diese Behandlung nicht nur den Krebs besiegt, sondern auch die alten Organe angegriffen und Rudis Nierenwerte (die ist bei Katzen besonders anfällig) fielen und fielen.
Nun ist der Mensch oftmals ein großer Egoist, meine Frau wollte ihren Erstlingskater nicht gehen lassen. Wir flössten ihm Wasser ein, fütterten ihn mit der Spritze und trugen ihn zum Schluß nur noch durch die Wohnung, da er sich nur noch mit den Vorderbeinen bewegen konnte. Irgendwann fuhren wir dann in die Tierklinik und dort erklärte man uns, das man es noch zwei Tage lang mit einem speziellen Nierentropf versuchen könne die Niere wieder ans Arbeiten zu bekommen. Simone ergriff diesen Strohhalm, aber vergeblich nach den zwei Tagen sahen wir in dem Klinik-Käfig ein in Schläuche gewickeltes Etwas, das uns glaube ich gar nicht mehr erkannte. Nun war der Zeitpunkt allerspätestens gekommen und meine Frau stimmte zu, schaffte es aber nicht dabei zu sein, so blieb auch ich mit ihr im Warteraum, bis uns ein in OP-Tücher gewickeltes Bündel übergeben wurde.
Es mag sich komisch anhören, aber ich grämte mich wochenlang, das ich den Kater, den ich nichtmal sonderlich mochte, im Stich gelassen hatte. Nie wieder würde ich eines unserer Tiere seine letzte Reise allein antreten lassen, sofern ich die Möglichkeit dazu hätte. Meine Frau zog noch eine andere Lehre und begann eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin. Wir beide wollten in Zukunft aber nicht mehr aus falsch verstandener Tierliebe Leiden unnötig verlängern. Wir hatten Rudis Leben um vielleicht 1/2 Jahr verlängert, aber war das für ihn wirklich noch ein Leben, oder nur noch schmerzhafte Quälerei?
Wenn man ein Tier bei sich aufnimmt hat man nicht nur die Verantwortung für das Leben, sondern auch für den Tod und oft auch für die Herbeiführung desselben. Vermeiden liesse sich das wohl nur, wenn man sich mit 80 noch ein paar Landschildkröten zulegen würde und auch das wäre wieder egoistisch, denn was wird nach dem eigenen Tod aus den Tieren?
Als die Zeit von
Jupp, Simones zweitem Kater, abgelaufen war setzten wir beide unsere Pläne um. Sie checkte regelmäßig die Blutbilder und den Kater und machte den Termin beim Tierarzt, ich blieb bis zum allerletzten Herzschlag bei ihm.
Auch wenn wir zwischenzeitlich noch zwei Katzen durch Autos verloren hatten, also "Routine" herrschen sollte, war es gestern am Schlimmsten. Letzte Woche war sie zwar etwas schlapp vom Schnupfen aber sonst so normal und schmusig wie immer und nun sollte alles vorbei sein? Meine nächsten Monat 14 werdende Erstlingskatze sollte das Ende ihrer Zeitspanne schon erreicht haben? Ich hoffte, daß sich im Blutbild etwas infektiöses finden würde, ein paar Antibiotika spritzen und schon wäre sie wieder fit. Doch das Blutbild wies Nierenwerte unterhalb der Nachweisgrenze auf, die Tierärztin schlug dann einen Nierentropf vor, sagte aber auch, daß dies in Schniefchens Alter eher selten funktioniert. Ich suchte die Augen meiner Frau, die inzwischen die Tierheilpraxis und Physiotherapie zu ihrem Hauptberuf gemacht hatte und mit der Ärztin das Blutbild anschaute. Sie sah meinen fragenden, wenn nicht flehenden Blick, schüttelte aber den Kopf.
Die Tierärztin ließ uns allein, damit wir uns beraten könnten, aber was gab es noch zu beraten? Das Blutbild war eindeutig und letzte Woche hatte sie kaum noch Simones Nähe gesucht, sondern war meist in enge Ecken gekrochen oder hatte sich draussen unter Büschen versteckt. Katzen spüren oft sehr genau, wenn das Ende naht. Nicht nocheinmal sollte eines unserer Tiere seine letzten Stunden in so einem engen Klinik-Käfig erleben müssen. Schnief war meine Katze und es lag an mir eine der schwersten, wenn nicht gar die schwerste Entscheidung in fast 50 Lebensjahren treffen zu müssen.
Und so hielt ich Rotz und Wasser heulend meine -wie immer wohlig schnurrende- Schniefkatze im Arm, als meine Frau losging die Tierärztin zu holen ...