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Dein Foto sieht auf deinem Monitor genau richtig aus. Auf dem Notebook wirkt es plötzlich etwas flauer, auf dem Smartphone kräftiger. Und der Ausdruck? Nochmal anders. Besonders deutlich wird das bei Farbtönen, bei denen schon kleine Abweichungen ins Auge springen. Warum das passieren kann, haben wir uns bereits in unserem Ratgeber „Wenn Weinrot nicht wie Weinrot aussieht“ angesehen. Doch hinter solchen Farbabweichungen steckt ein größeres Thema: das Farbmanagement.​

Dasselbe Foto als Print, auf einem Laptop und auf einem Smartphone

Dabei geht es nicht darum, dass ein Foto auf jedem Gerät und auf jedem Medium vollkommen identisch aussehen muss. Das wäre schon technisch kaum möglich. Farbmanagement soll vielmehr dafür sorgen, dass Farben innerhalb der Möglichkeiten der beteiligten Geräte möglichst kontrolliert und vorhersehbar wiedergegeben werden.

Mit diesem Artikel starten wir eine neue Reihe rund ums Farbmanagement. Wir arbeiten uns dabei Schritt für Schritt durch den fotografischen Farbworkflow: von der Kamera über Monitor und Farbräume bis zu ICC-Profilen, Softproof und Print. Los geht es mit den Grundlagen: Warum sehen Farben nicht überall gleich aus und was kann Farbmanagement daran ändern?

Warum dieselben Farben nicht überall gleich aussehen​

Ein Monitor erzeugt Farben mit Licht. Ein Ausdruck reflektiert das Licht, das auf das Papier fällt. Displays unterscheiden sich in Helligkeit, Kontrast, Farbumfang und technischer Einstellung. Druckverfahren und Papiere besitzen wiederum ganz eigene Eigenschaften. Selbst zwei Monitore müssen deshalb dasselbe Foto nicht automatisch gleich darstellen.

Hinzu kommt etwas, das man den RGB-Werten eines Bildes nicht ansehen kann: Ein Zahlenwert allein beschreibt eine Farbe noch nicht vollständig. Welche sichtbare Farbe beispielsweise eine bestimmte Kombination aus Rot, Grün und Blau tatsächlich meint, hängt auch davon ab, in welchem Farbraum diese Werte interpretiert werden. Das Foto bringt seine Farbwerte mit, aber die beteiligten Geräte müssen wissen, was sie damit anfangen sollen. Und genau dafür gibt es Farbmanagement.

Was Farbmanagement eigentlich macht​

Vereinfacht gesagt versucht Farbmanagement, zwischen den verschiedenen Stationen eines Foto-Workflows zu vermitteln. Dafür muss das System wissen, was die Farbwerte eines Bildes bedeuten und wie die beteiligten Geräte mit Farbe umgehen. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Farbprofile.

Das International Color Consortium (ICC) entwickelt die technischen Grundlagen für ein geräteübergreifendes Farbmanagement. ICC-Profile liefern einem Farbmanagementsystem Informationen darüber, wie Farben in einem bestimmten Farbraum oder auf einem bestimmten Gerät beschrieben beziehungsweise wiedergegeben werden. Auch Adobe erklärt in seiner Dokumentation ausführlich, welche Rolle Farbprofile im Farbmanagement und bei der Übersetzung zwischen verschiedenen Geräten und Farbräumen spielen. Für die Praxis kann man sich das vereinfacht so vorstellen:

Bild + Information über seine Farben → Farbmanagement → Ausgabe auf einem bestimmten Gerät

Ganz schön viel abstrakte Theorie. Ganz praktisch heißt das: Ist ein Farbprofil in die Bilddatei eingebettet, weiß die Bildbearbeitung, wie die Farbwerte des Fotos gemeint sind. Das Monitorprofil liefert Informationen darüber, wie der verwendete Bildschirm Farben wiedergibt. Das Farbmanagement berücksichtigt beides, wenn es das Bild auf dem Monitor darstellt.

Farbworkflow von der Aufnahme über Bildbearbeitung und Monitor bis zum Print
Grafik mit Hilfe von KI erstellt

Farbprofil ist nicht gleich Farbprofil​

Hier wird es gerne verwirrend, denn im Foto-Workflow begegnet uns nicht nur das eine Farbprofil:
  • Ein Bild- oder Dokumentprofil gibt dem Farbmanagement Informationen darüber, wie die Farbwerte eines Bildes zu interpretieren sind.
  • Ein Monitorprofil beschreibt die Farbwiedergabe eines bestimmten Displays.
  • Ein Ausgabeprofil beschreibt die Eigenschaften einer bestimmten Ausgabebedingung, z.B. beim Druck.
Klingt ähnlich, erfüllt aber völlig unterschiedliche Aufgaben. Deshalb kann man diese Profile auch nicht einfach gegeneinander austauschen. Ein Monitorprofil ist z.B. nicht der Farbraum, in dem wir unser Foto bearbeiten.

Und damit sind wir schon an einem Punkt, an dem man richtig tief in das Thema einsteigen könnte. Das machen wir auch – nur nicht alles in diesem Artikel. 😄 Die Unterschiede zwischen sRGB, Adobe RGB und ProPhoto RGB und die Frage, welcher Farbraum sich für welche Aufgabe eignet, behandeln wir in einem eigenen Teil unserer Farbmanagement-Reihe.

Farbe beginnt schon bei der Aufnahme​

Farbmanagement wird spätestens bei Bearbeitung und Ausgabe sichtbar. Die Voraussetzungen für eine verlässliche Farbwiedergabe entstehen aber schon früher: Unterschiedliche Lichtquellen besitzen unterschiedliche spektrale Eigenschaften und Farbtemperaturen. Auch der Weißabgleich beeinflusst die Interpretation der Aufnahme.

Die Kamera selbst spielt ebenfalls eine Rolle. Sensor, Farbfilter und die anschließende Interpretation der RAW-Daten beeinflussen, wie Farben erfasst und später wiedergegeben werden. Für besonders farbkritische Anwendungen lässt sich deshalb auch eine Kamera profilieren. Mithilfe einer aufgenommenen Farbreferenz kann ein individuelles Kameraprofil erstellt werden, das die Farbwiedergabe unter definierten Aufnahmebedingungen beschreibt.

Fotografische Aufnahme mit Farbreferenz zur Kontrolle der Farbwiedergabe
Bild: © Dieter Doeblin

Wie groß die Unterschiede beim Aufnahmelicht sein können, zeigt z.B. unser Praxistest des Datacolor LightColor Meter. Das Gerät misst unter anderem Lichtintensität, Farbtemperatur und Abweichungen von der idealisierten Weißlinie. Für den späteren Farbworkflow ist wichtig: Keine einzelne Station kann alle anderen retten. So kann z.B. selbst ein sehr guter Monitor Probleme, die bei der Aufnahme entstanden sind, nicht einfach rückwirkend beseitigen.

Kalibrieren und profilieren sind nicht dasselbe​

Gerade bei der Bildbearbeitung ist eine möglichst verlässliche Darstellung am Monitor wichtig. Wie ein durchgängiger Farbworkflow vom Monitor bis zur Ausgabe aussehen kann, hat unser Partner EIZO ausführlich im Beitrag „Farbmanagement – der komplette Workflow!“ gezeigt.

Damit Farben am Monitor möglichst verlässlich beurteilt werden können, muss das Farbmanagement wissen, wie dieser Monitor tatsächlich arbeitet. Dabei fallen meistens diese zwei Begriffe: Kalibrierung und Profilierung. Sie werden im Alltag häufig gemeinsam oder sogar synonym verwendet, bedeuten technisch aber nicht dasselbe.
  • Kalibrieren bedeutet vereinfacht, einen Monitor in einen definierten Zustand zu bringen.
  • Profilieren bedeutet, sein Farbverhalten in diesem Zustand zu messen und zu beschreiben.
Auch das ICC unterscheidet diese beiden Schritte ausdrücklich. In seinen Grundlagen zur Display-Kalibrierung beschreibt das Consortium zunächst die Kalibrierung auf ein gewünschtes Verhalten und anschließend die Charakterisierung beziehungsweise Profilierung des Displays.

Für den Einstieg reicht deshalb erstmal diese Unterscheidung:
  • Kalibrierung → Monitor einstellen
  • Profilierung → Monitor beschreiben
  • Monitorprofil → Beschreibung des konkreten Monitors
  • Arbeitsfarbraum → etwas anderes
Was dabei genau passiert, welche Rolle Messgeräte spielen und warum ein Monitorprofil kein Arbeitsfarbraum ist, schauen wir uns im nächsten Teil ausführlich an.

Warum ein guter Monitor noch keinen identischen Print garantiert​

Ein häufiges Missverständnis lautet sinngemäß: Wenn der Monitor richtig kalibriert ist, muss der Ausdruck anschließend genauso aussehen. So einfach ist das leider nicht. Der offensichtlichste Unterschied steckt schon in der Technik: Ein Monitor erzeugt sein eigenes Licht, Papier nicht. Einen Print sehen wir nur, weil vorhandenes Licht auf das Papier fällt und reflektiert wird. Helligkeit und Art der Beleuchtung beeinflussen daher auch unseren Eindruck des Prints. Dazu kommen Papierweiß, Oberfläche, Druckverfahren und der Farbumfang, den die jeweilige Ausgabekombination überhaupt reproduzieren kann.

Ein korrekt eingerichteter Monitor ist deshalb keine Garantie für einen vollkommen identischen Ausdruck. Er schafft jedoch eine verlässlichere Grundlage für die Beurteilung des Bildes. Dieses Thema behandeln wir ausführlicher in unserem Ratgeber „Monitor-Bild vs. Papier: Warum deine Drucke oft enttäuschen (und wie du es änderst)“.

Monitor, Fotoprint und Farbreferenz als Bestandteile eines Farbmanagement-Workflows

Und was ist mit Softproof?​

Wenn das Bild gedruckt werden soll, kommt noch ein weiteres Werkzeug ins Spiel: der Softproof. Damit lässt sich am Monitor simulieren, wie ein Bild unter bestimmten Ausgabebedingungen voraussichtlich wirken wird. Dafür können die Eigenschaften einer konkreten Druck- und Papierkombination über ein entsprechendes ICC-Profil berücksichtigt werden.

Auch ein Softproof verwandelt den Monitor natürlich nicht in Papier. Er kann aber dabei helfen, Unterschiede und problematische Farben vor der eigentlichen Ausgabe besser einzuschätzen. Wie das funktioniert, was ICC-Ausgabeprofile dabei leisten und was Begriffe wie „Rendering Intent“ bedeuten, bekommt ebenfalls seinen eigenen Ratgeber.

Farbmanagement muss nicht kompliziert sein​

Farbräume, ICC-Profile, Kalibrierung, Profilierung, Softproof – es gibt mehr als genug Fachbegriffe, um das Thema komplizierter wirken zu lassen, als es für den Einstieg sein muss. Das Grundprinzip dahinter ist deutlich einfacher:

Verschiedene Geräte und Medien können Farben unterschiedlich darstellen. Farbmanagement versucht, diese Unterschiede zu kennen und bei der Wiedergabe zu berücksichtigen.

Es macht aus einem Monitor keinen Drucker und erweitert auch nicht den Farbumfang eines Papiers. Aber es hilft dabei, aus einer schwer vorhersehbaren Farbwiedergabe einen kontrollierteren Workflow zu machen.

Oder ganz kurz: Farbmanagement macht Farben nicht überall gleich. Es macht sie möglichst vorhersehbar.

Farbmanagement Schritt für Schritt​

  • Grundlagen: Farbmanagement einfach erklärt: Warum Farben nicht überall gleich aussehen – dieser Artikel
  • Aufnahme: Kamera kalibrieren und profilieren: Wann lohnt sich das für Fotografen? – demnächst
  • Monitor: Monitor kalibrieren oder profilieren? Der Unterschied einfach erklärt – demnächst
  • Farbräume: sRGB, Adobe RGB und ProPhoto RGB: Welcher Farbraum wofür? – demnächst
  • Print: Softproof und ICC-Profile: So bereitest du Fotos für den Druck vor – demnächst
 
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